Menschen in Freiburg

Wie lebt es sich mitten in der Wüste Marokkos?

Julia Littmann

Von Julia Littmann

Sa, 17. August 2019 um 16:52 Uhr

Freiburg

Der größte Sandkasten der Welt ist ihr Zuhause. Zahra Ahansal lebt mit ihren Eltern ganz im Süden von Marokko. Wie es ist, in der Wüste aufzuwachsen, hat sie Kindern in Freiburg erzählt.

Im Fernsehen war schon ein Film über das ungewöhnliche Leben von Zahra Ahansal zu sehen, nun kam sie mit ihrer Mutter nach Freiburg, um hier anderen Kindern davon zu berichten. Im Carl-Schurz-Haus hielt sie einen Vortrag vor den jungen Teilnehmern am Sommerkurs und zeigte dazu Fotos, die sie selbst gemacht hat. Drei Viertel des Jahres lebt Zahra mit ihren Eltern ganz im Süden von Marokko in der Wüste, drei Monate im Jahr ist sie in Lindau am Bodensee. Und stellt im Vortrag wie in Interviews gleich als erstes klar: "Für mich ist das normal!"

Im Halbkreis sitzen ungefähr 50 Kinder am Boden im Konferenzraum des Carl-Schurz-Hauses: Die zehnjährige Zahra erzählt ihnen von ihrem Leben, das mit ihren Eltern vor allem in der Wüste stattfindet, aber auch jedes Jahr drei Monate lang am Bodensee bei ihren deutschen Großeltern.

Der größte Sandkasten der Welt ist ihr Zuhause

Zahra Ahansal nämlich ist das Kind einer promovierten Chemikerin aus Deutschland und eines einst nomadischen Berbers aus Marokko. Dort leben Vater, Mutter und Kind seit Zahras Geburt in einer Oase mitten in der Wüste südlich des Atlasgebirges. Ihr Zuhause sei der größte Sandkasten der Welt, erklärt Zahra ihrem jungen Publikum. Und das findet’s aufregend. "Lebt ihr im Zelt?" fragt ein Junge. "Nein, wir selber nicht, wir haben ein Haus aus Lehm. Aber mein Großvater lebt in seinem Zelt – und mein Vater hat auch immer im Zelt gelebt, bis wir dazugekommen sind."

Zahra Ahansal zeigt Fotos. Rötlicher Sand, in großzügigen Wellen und Wogen zu sanften Tälern und Hügeln mit scharfen Graten geformt. Mitten drin sattes, schattenspendendes Grün, Palmen, Ziegen, Kamele: eine Oase. Das ist ihre heimatliche Karawanserei. "Hast du ein eigenes Kamel?" Zahra zählt auf: "Wir haben 25 Kamele und drei davon gehören mir."

Bisher wurde sie von ihrer Mutter unterrichtet

Die riesigen Tiere kennt sie von klein auf – seit sie sitzen kann, erzählt sie, hat sie auf Kamelen gesessen. Auf einem Foto sieht man sie bei einer Mutprobe, als sie den Kamelrücken wie auf einer Rutsche runterrutscht. Die Kinder im Konferenzraum sind beeindruckt.

Auch davon, dass Zahra so viele Sprachen spricht. Mit ihrem Vater Brahim spricht sie in der Berbersprache, mit ihrer Mutter Karla Deutsch, im kleinen Oasendorf arabisch – und französisch. Sophia Muro ist elf und kennt aus eigener Erfahrung, dass Familien verschiedene Standorte haben und auch verschiedene Sprachen sprechen – eins aber will sie genauer wissen: "Wo gehst du eigentlich zur Schule?" Bislang gar nicht, erklärt Zahra: "Meine Mutter unterrichtet mich – das nennt man Homeschooling." Vom Herbst an wird sie auch in die kleine Schule in dem Dorf bei ihrer Oase gehen.

Vor Schlangen und Skorpionen sollte man Respekt haben

Und ist es da langweilig so mitten in der Wüste? Oder irgendwie cool? Auf jeden Fall cool, findet Zahra, und nie langweilig: "Ich kann einfach raus, bei uns gibt es keine Straßen und keine Autos, bei uns muss man auf die Kamele aufpassen und auf Pferde oder Esel – und vor den Schlangen und Skorpionen sollte man Respekt haben." Geduldig antwortet sie auf die Fragen: Nein, Angst hat sie keine, und doch, klar, begegnet sie auch Schlangen und Skorpionen und weiß, wie die sich verhalten und dass sie sich möglichst auf Abstand hält und nicht in Gefahr begibt.

Außerdem weiß Zahra, welche Pflanzen helfen, wenn man doch giftig gebissen, gestochen oder verletzt wird. Findet sie das Leben in der Wüste gefährlich? Zarah schüttelt den Kopf: "Wenn ich im Sommer bei meinen Großeltern bin, finde ich die Gefahren in der Stadt viel größer. Ich bin keine Straßen gewöhnt, sondern kenne mich einfach draußen in der Wüste viel besser aus." Und dass es dort nachts sehr kalt wird und tagsüber sehr heiß, haben einige Kinder schon gewusst.