Klimawandel

Wie sich Breisach künftig vor der großen Hitze schützen soll

Thomas Rhenisch

Von Thomas Rhenisch

So, 03. Juli 2022 um 12:34 Uhr

Breisach

Breisacher Klimaschutz-Initiative und Bürger erarbeiten eine Liste mit Forderungen ans Rathaus und verfassen offenen Brief.

Damit das Klima in Breisach künftig erträglich bleibt, soll die Stadtverwaltung auf öffentlichen Plätzen für mehr Schatten sorgen, Trinkbrunnen aufstellen, öffentliche Räume zum Abkühlen zugänglich machen und für Verdunstungskälte auf Plätzen sorgen. Das sind nur einige der Forderungen, mit denen sich die Initiative Zukunftsfähiges Breisach in einem offenen Brief an die Stadt und den Gemeinderat gewandt hat.

Die Initiative versteht sich als überparteilicher Zusammenschluss, der sich mit den Auswirkungen des Klimawandels und den Herausforderungen, die die Erderwärmung für eine Stadt wie Breisach mit sich bringt, beschäftigt. Darunter sind der Breisacher Umweltaktivist Eberhard Bueb, der Architekt Thomas Harter und die Künstlerin Anja Semling.

Wie wird Breisach "klimafit"?

Die Forderungen an die Stadtverwaltung sind das Ergebnis eines Workshops im Anschluss an den Vortrag in der Spitalkirche mit Andreas Matzarakis im Mai. Knapp 70 Zuhörer waren zu dem Klima-Vortrag gekommen, bei den Workshops machten etwa 15 mit. Professor Matzarakis hat über die Auswirkungen der Klimaerwärmung auf den Menschen und die städtische Infrastruktur referiert. Unter seiner Anleitung wurden Ideen gesammelt, wie Breisach für die Zukunft "klimafit" gemacht werden kann. Als Ergebnis kam eine lange Liste mit konkreten Vorschlägen heraus. Bekanntlich sollen die Temperaturen und die Zahl der Hitzetage in den nächsten Jahrzehnten deutlich steigen, was vor allem im Sommer zu gesundheitlichen Problemen führen kann.

Ganz oben steht auf der Liste die Teilbeschattung des Marktplatzes, zum Beispiel mit einem Schattensegel. Des Weiteren sollen stark frequentierte Fußwege durchgehend beschattet werden, Parkplätze mit aufgeständerten Photovoltaikanlagen versehen und Pläne für das Pflanzen von Bäumen erstellt werden, die ebenfalls für Schatten und Abkühlung auf Plätzen und Wegen sorgen sollen. "Es muss jetzt damit begonnen werden, die Bäume zu Pflanzen, damit sie in ein paar Jahren groß genug sind", sagte Eberhard Bueb bei einem BZ-Gespräch.
Den offenen Brief mit den konkreten Vorschlägen gibt es per Mail unter [email protected]

Öffentliche Trinkbrunnen wie am Marktplatz sollen in der ganzen Stadt verteilt aufgestellt, vor allem für Menschen, aber auch für Tiere. Kühle Räume in Kirchen und anderen Gebäuden sollen den Menschen durchgehend zugänglich gemacht werden, damit sie sich dort an Hitzetagen abkühlen können. Mit Schildern soll auf diese Gebäude hingewiesen werden. Durch einen fußgängerfreundlichen Zugang zum Rhein sollen die Menschen zudem die Möglichkeit haben, sich am Wasser etwas Kühle zu verschaffen. Verdunstungskühle soll dazu genutzt werden, um Plätze abzukühlen. Dies kann erreicht werden durch Wasser, das großflächig versprüht wird – am Breisacher Marktplatz ist das heute schon sichtbar als Teil des Fontänenprogramms.

Besonders innovativ ist das Modell der sogenannten Schwammstadt: Sie soll Niederschlagswasser wie ein Schwamm aufsammeln, anstatt es sofort in die Kanalisation weiterzuleiten. Das Wasser ist nicht nur zum Verdunsten und zum Bewässern der Bäume da, sondern kann auch helfen, Hochwasser zu vermeiden. Auch mehr Dachbegrünung sowie die Anlage von Regenwasserspeichern und Versickerungsflächen gehören zum Forderungskatalog ans Breisacher Rathaus, außerdem der Ausbau des nach Möglichkeit beschatteten Radwegenetzes.

Grünflächen sollen wegen ihrer positiven Auswirkungen auf das Mikroklima in der Stadt geschaffen oder erweitert und Bürger animiert werden, selbst Verantwortung für die Pflege von Grünflächen in ihrer Nachbarschaft zu übernehmen. Die Umwandlung sogenannter Schottergärten zu Grünflächen soll belohnt werden.

Eine Antwort aus dem Rathaus liegt bislang noch nicht vor.