Kein "Run"

Wie sich die Corona-Krise auf die Kanderner Stadtbücherei auswirkt

Moritz Lehmann

Von Moritz Lehmann

Mi, 24. Juni 2020 um 07:01 Uhr

Kandern

Die Corona-Krise hat keinen nachhaltigen "Run" auf die Kanderner Stadtbücherei ausgelöst. Vor allem Eltern kleiner Kinder sind aber heilfroh, dass sie wieder offen hat, sagt der Büchereileiter.

Mitte März musste die Stadtbücherei Kandern wegen der Corona-Pandemie schließen, anfang Mai durfte sie unter Auflagen wieder öffnen. Vor allem Eltern kleiner Kinder freut das sehr. Während der Schließung war vor allem die Online-Ausleihe gefragt – aber die überlasteten Internetleitungen machten jenen, die diese nutzen wollten, mitunter einen Strich durch die Rechnung.

Büchereileiter Peter Diegel sagte der BZ, er habe die Zeit der Schließung für Dinge genutzt, die im normalen Alltagsgeschäft zu kurz kämen: Bücher und Regale entstaubt, alte Bücher aussortiert, neue Medien bestellt. Weil angesichts der unklaren finanziellen Folgen der Corona-Krise alle städtischen Abteilungen dazu angehalten sind, sich mit Ausgaben zurückzuhalten, ist Diegel zufolge der Förderverein der Stadtbücherei eingesprungen und hat die Kosten für neu bestellte Bücher und Hörbücher übernommen. Das sei auch deshalb möglich, weil geplante Veranstaltungen ausfielen und so eigentlich verplante Mittel übrig seien.

Manche Online-Ausleihe scheiterte an der Internetleitung

Gefragt gewesen seien wegen der Schließung die digitalen Angebote der Stadtbücherei, also das Herunterladen von E-Books am heimischen PC. Für in der Kernstadt wohnende Nutzer habe dies ganz gut funktioniert, sagt Diegel. Aber Nutzer aus einigen Ortsteilen oder aus Malsburg-Marzell hätten insbesondere tagsüber Schwierigkeiten gehabt, weil die Internetleitungen mit Homeoffice und Homeschooling ausgelastet gewesen seien. Ein Nutzer habe ihm erzählt, so Diegel, dass es ihm erst gegen Mitternacht gelungen sei, das gewünschte E-Book herunterzuladen. Dafür brauche man eine Internetgeschwindigkeit von mindestens 6000 Mbit pro Sekunde, manche Nutzer hätten aber nur halb so viel zur Verfügung gehabt.

Die Wiedereröffnung der Stadtbücherei Anfang Mai habe keinen nachhaltigen "Run" auf die Bibliothek ausgelöst, sagt Diegel. "Vor allem in der ersten Woche war viel los," erzählt er. Es hätten sich Schlangen von Menschen gebildet, die entliehene Medien zurückgeben und neue ausleihen wollten. Maximal fünf Personen dürfen sich vorerst gleichzeitig in der Bücherei aufhalten. Nach 14 Tagen habe sich der Betrieb wieder auf gewohntem Niveau eingependelt, eine große Zahl an Neuanmeldungen habe es nicht gegeben. Gerade Eltern, die Homeoffice und Kinderbetreuung unter einen Hut bringen müssten, kämen nun aber deutlich häufiger als früher, um ihre Kinder mit neuen Büchern und Hörbüchern bei Laune zu halten. "Gott sei Dank habt ihr wieder auf", habe eine Mutter ihm bei der Wiedereröffnung gesagt, so Diegel.

Ein Buchtipp für die Krise

Auch in der Bücherei ist vieles gewohnt ungewohnt: Die Mitarbeiter sitzen hinter Plexiglasscheiben, Besucher können die in der Bibliothek vorhandenen Arbeitsplätze nicht nutzen und dürfen generell nicht mehr sitzend verweilen. Stehend Regale durchstöbern ist erlaubt, aber mit Mundschutz.

Einen Buchtipp zur Corona-Krise hat Peter Diegel, der am liebesten Sachbücher liest, auf Nachfrage parat: "Sei du selbst" von dem Philosophen Richard David Precht. In dem Buch widmet sich dieser der Philosophie zur Zeit der Industrialisierung. Die damals geführten Debatten über die Art zu Leben und zu Wirtschaften und die verwandte Frage, worauf es im Leben wirklich ankommt, haben für Diegel eine besondere Aktualität.