Naturschutz

Wie soll der Garten im Winter aussehen, damit Tier sich wohlfühlen?

Thomas Biniossek

Von Thomas Biniossek

Mo, 13. Januar 2020 um 17:05 Uhr

Haus & Garten

Sind im winterlichen Garten Futterstellen für Vögel nötig oder nicht? Die Antworten von Stefan Büchner vom Haus der Natur lautet: nicht unbedingt. Doch wird gefüttert, dann artgerecht.

Zum zehnten Mal fand am Wochenende die vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) ins Leben gerufene, bundesweite Aktion "Stunde der Wintervögel" statt. Auch im Hochschwarzwald trugen wieder etliche Naturfreunde mit ihren Beobachtungen zu dieser Volkszählung der Vögel bei. Das Ergebnis: Erneut ist der Spatz der Star. Doch wie muss ein Garten im Winter ausgerüstet sein, damit sich heimische und fremde Vögel, aber auch andere Tiere darin wohlfühlen? Braucht es Futterstellen oder nicht?

"Die sind eigentlich nicht notwendig", sagt Stefan Büchner, Leiter des Naturschutzzentrums Südschwarzwald, "die Tiere sind an diese Witterung seit Jahrtausenden angepasst und brauchen die Unterstützung des Menschen nicht, um über den Winter zu kommen." Lediglich bei geschlossener Schneedecke und anhaltendem Frost sei die Vogelfütterung sinnvoll. Wer die Piepmätze dennoch füttern will, "sollte dies artgerecht tun". Keinesfalls sollten etwa menschliche Essensreste ausgelegt werden, sondern Körner, zerkleinerte Nüsse und Samen. "Beim Kauf von Futter sollte darauf geachtet werden, dass darin kein Traubenkraut (Ambrosia) enthalten ist", so die Naturschutzreferentin Lilith Stelzner vom BUND Baden-Württemberg.

Wichtig sei zudem, dass das Futter an einer vor Katzen sicheren Stelle platziert wird. "Sie sind ein ganz großes Problem für die heimische Vogelwelt", sagt Büchner. Vogelhäuschen müssten so hoch angebracht werden, dass Katzen nicht herankommen könnten.

Siegfried Kognitzki, Vorsitzender des Nabu Hochschwarzwald, hat in seinem Garten in Lenzkirch Futtersäulen für die kleineren Vögel aufgehängt. "Es braucht aber auch Häuschen für größere Tiere wie Buchfink, Goldammer und Amsel", erklärt der Naturschützer. Sie kämen mit den Säulen nicht zurecht. Hilfreich sei es, wenn es im Garten Laubbäume und Hecken gibt. Hier ließen sich kleine Insekten oder Laven picken.

Ein gern gesehener Gast im Garten ist auch das Eichhörnchen, das sich derzeit auch schon mal an das ausgelegte Vogelfutter macht und vor allem die Nüsse stibitzt. "Eichhörnchen sind, anders als beispielsweise Igel, keine Winterschläfer, sondern haben im Winter nur Ruhephasen", erläutert Stefan Büchner. Immer wieder würden die Eichhörnchen aus ihrem Nest auf Futtersuche gehen. "Allerdings finden sie auch im tiefen Winter Futter." Hasel- und Walnüsse stünden ebenso auf deren Speiseplan wie Fichten- und Kiefernzapfen, dazu Bucheckern, Beeren, Knospen und Triebe frischer Zweige, Obst und Pilze.

Wer jetzt allerdings noch einen Igel in seinem Garten findet, der hat ein Problem. "Wenn jetzt noch Igel unterwegs sind, sollte man sich um sie kümmern", sagt Stefan Büchner. Keinesfalls sollte man Igel allerdings Milch geben, da sie den darin enthaltene Milchzucker nicht verdauen könnten. "Wasser ist sinnvoll. Und da Igel, die jetzt noch aktiv sind und sich nicht im Winterschlaf befinden, meist unterernährt, krank oder verletzt sind, sollte man einen Fachmann einschalten." Der BUND empfiehlt, sich im Internet des Vereins "Pro Igel" zu informieren oder einen Tierarzt anzurufen. "Oft kennen Tierärzte, der Tierschutzverein oder das Veterinäramt Igelstationen im näheren Umkreis", so Lilith Stelzner. Während unterernährten Igeln mit Unterkunft und Nahrung geholfen werden kann, benötigten kranke Tiere fachmännische Hilfe. Gefüttert werden können Igel mit Katzen- oder Hundedosenfutter, ungewürztem Rührei, gekochtem Geflügel oder durchgegartem Hackfleisch. Allerdings rät der BUND, dass Igel, sobald es friert und schneit, nicht mehr gefüttert werden sollen. "Nahrungsmangel ist ein wichtiger Auslöser für den Winterschlaf. Füttert man die Igel weiter, hält man sie künstlich wach."

Nabu-Mitglied Kognitzki hat in seinem Garten auch einen Laubhaufen, der als Igelquartier dient. Zweige bilden eine Art Gerüst, auf welches die Blätter kommen. "So ist das Ganze etwas luftiger und damit einladender für die Tiere."
Vogelzählung

Von Freitag bis Sonntag waren Gartenbesitzer vom Nabu zur "Stunde der Wintervögel" aufgerufen. Laut Siegfried Kognitzki vom Nabu Hochschwarzwald wurden im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald rund 190 Gärten gemeldet, in denen etwa 7200 Vögel aus 62 verschiedenen Arten gezählt wurden. Am häufigsten sei erneut der Spatz gesichtet worden, gefolgt von Kohl- und Blaumeise. Im Hochschwarzwald seien außerdem etliche Grün- und Bergfinken zu beobachten gewesen.