Kurzsaison und höhere Eintrittspreise vom Tisch

Wieder Ruhe ums Freibad Neustadt

Peter Stellmach

Von Peter Stellmach

Di, 14. Januar 2020 um 17:50 Uhr

Titisee-Neustadt

Für eine Diskussion über das Freibad Neustadt sieht Meike Folkerts keine Notwendigkeit. Das Mittelzentrum brauche ein Schwimmbad, sagt die Bürgermeisterin.

TITISEE-NEUSTADT. Es erfülle eine wichtige soziale Funktion, unter anderem deshalb, weil nicht jeder im Sommer in den Urlaub fahren könne. Folkerts macht sich Gedanken darüber, wie man die Badestelle Titisee aufwerten kann.

Stadtrat Christian Winterhalder (CDU) rückte in der Gemeinderatssitzung am Montag ab von seinem Vorschlag, das Freibad Neustadt nur noch im Juli und August öffnen zu wollen (die BZ berichtete). Das Argument, derlei dürfte personell kaum machbar sein, hatte ihn überzeugt. Der Brisanz seines Vorschlags war sich der Titiseer offenbar bewusst geworden, er stellte klar: "Ich kämpfe nicht gegen das Freibad Neustadt." Weil jedoch das Defizit der Freizeiteinrichtung dringend verringert werden müsse, schlug er vor, die Eintrittspreise deutlich anzuheben. Nach seiner Einschätzung wären 5 Euro statt 3,60 Euro für eine Einzelkarte sowie 50 Euro Aufschlag für die Familiensaisonkarte (bisher 110 Euro) vertretbar. Bei der Abstimmung stand er aber nahezu allein.

Das Freibad hat nach vorliegenden Zahlen 2017 und 2018 Defizite von 275 000 und 320 000 Euro eingefahren, 2019 ist noch nicht abgeschlossen.

Folkerts stellte fest, es bestehe "ein Brass in Titisee wegen der Schließung des Strandbads", aber Schwimmbäder ohne Defizit gebe es nicht. Aus ihrer Sicht muss das Neustädter Bad offen bleiben, aber wirtschaftlicher betrieben werden, um das Defizit zu verringern. Der BZ kündigte sie an, sich für die bessere Energieeffizienz auch an die Klimamanagerin des Landkreises anhängen zu wollen, zu deren konzeptioneller Arbeit ein Leitfaden für Kommunen gehören soll. Sie sieht das Bad als Teil des künftigen städtischen Liegenschaftsmanagements.

CDU-Fraktionssprecher Gustl Frey hatte nichts übrig für punktuelle Lösungen wie den Winterhalderschen Vorschlag. Daniela Evers (Grüne), die selbst ehrenamtlich für den Freibadförderverein Kassendienst leistet, nannte den Unterhalt für das Bad Daseinsfürsorge für die Bevölkerung und führte als Beispiele das Bewegungsangebot und den Gesichtspunkt Soziales an. Sie sagte, "eine Gebührenerhöhung wäre falsch", Pino Curia von der LEB formulierte es drastischer: "Dann geht keiner mehr, dann ist das Bad tot." Curia ergänzte, ein Freibad betreibe man nicht, um Gewinn zu machen. Markus Schlegel (SPD) merkte an, ja, das Strandbad in Titisee sei wegen Personalmangels geschlossen, aber es gebe die Badestelle. Diesen Grundsatzbeschluss pro Badestelle sofort zu revidieren sei nicht möglich, stellte Bürgermeisterin Folkerts klar, die Badestelle bleibe vorerst, müsse jedoch attraktiver entwickelt werden. Was ihr nicht gefällt, ist der schmerzliche Eindruck, den der Bauzaun um das leere Becken hinterließen. Die Idee, das Becken mit Sand oder Hackschnitzeln zu befüllen und daraus eine Beachliegewiese zu gestalten, wäre bei Kosten von 50 000 Euro nicht zu verwirklichen, sie ist verworfen, höchstens 10 000 Euro stehen zur Verfügung. Für den Bauzaun könnte sie sich vorstellen, für Gucklöcher zu sorgen, Pinnwände anzubringen, womöglich dort Bürgersprechstunden anzubieten – oder andere "Ideen, die kein Geld kosten". Sie sieht die Zukunft des Areals – neben dem Kurgarten der einzige Platz der Stadt am See, mit dem man entsprechend behutsam umgehen müsse – im Zusammenhang mit dem anstehenden Stadtentwicklungskonzept. Sie will nicht, das die Verwaltung etwas durchsetzt, sondern von den Titiseern deren Bedürfnisse und Wünsche hören und verarbeiten, unter Umständen seien Geldgeber zu finden. Für diesen Sommer allerdings sei noch keine große Veränderung absehbar.