Dreiländereck

Wiedereröffnung der Grenze lockt viele Schweizer Kunden an

Franz Schmider, Daniel Gramespacher, Karl Heidegger, AFP

Von Franz Schmider, Daniel Gramespacher, Karl Heidegger & AFP

Mo, 15. Juni 2020 um 09:16 Uhr

Südwest

In Autowaschanlagen und Supermärkten im Kreis Lörrach ist wieder vielfach Schweizerdeutsch zu hören: Grenzkontrollen gibt es nicht mehr – das macht sich im Dreiländereck bemerkbar.

Die Grenzen zwischen Deutschland und seinen Nachbarländern sind wieder geöffnet. Die Bundespolizei beendete um Mitternacht in der Nacht zum Montag auf Anordnung von Bundesinnenminister Horst Seehofer die Grenzkontrollen, die vor drei Monaten wegen der Corona-Pandemie eingeführt worden waren. Zugleich liefen die Reisewarnungen des Auswärtigen Amts für die meisten europäischen Länder aus.

Im Dreiländereck sind die Folgen bereits unübersehbar: Schon vor 9 Uhr war das Parkhaus im Rhein-Center, einem großen Einkaufsparadies vis-à-vis der Grenze, nahezu komplett voll – fast ausnahmslos mit Autos aus der Schweiz. Auch an Reifendienst-Werkstätten und Autowaschanlagen in Lörrach dominieren Schweizer Kennzeichen. Lange Schlangen gibt es außerdem an der Packstadion der DHL in Weil am Rhein: Hierhin lassen sich viele Eidgenossen bestellte Ware aus Deutschland schicken. Während der Corona-Krise konnten die Pakete aber nicht abgeholt werden. Nun ist Gelegenheit dazu – und diese wird genutzt.

Schon am Sonntag gab es in Stetten keine Kontrollen mehr

Am Grenzübergang in Lörrach-Stetten ist die Situation dagegen noch überschaubar: "Ruhig, wie zu Ferienzeiten" – so stuft ein Beobachter den Verkehrsfluss ein. Bundespolizisten oder Zollbeamte waren hier bereits am Sonntag nicht mehr zu sehen gewesen.

Nicht alle der wegen des Coronavirus innerhalb Europas verhängten Einreisesperren sind jedoch aufgehoben. So gelten in Finnland und Norwegen die Einreiseverbote in bestimmten Fällen weiterhin. In Großbritannien müssen die meisten Einreisenden für zwei Wochen in Quarantäne. Das Auswärtige Amt warnt deshalb auch weiterhin vor nicht notwendigen Reisen in diese Länder.
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Zudem öffnet Spanien seine Grenzen erst am 21. Juni – ursprünglich war die dortige Grenzöffnung allerdings erst für den 1. Juli anvisiert worden. Auf die Balearen dürfen die ersten deutschen Touristen aber bereits ab Montag wieder reisen. Im Zuge eines Pilotprojekts sollen nach Angaben der Regionalregierung in Palma de Mallorca fast 11.000 deutsche Urlauber einreisen.

Die offiziellen Reisewarnungen des Auswärtigen Amts gelten weiterhin für mehr als 160 Staaten außerhalb Europas – zunächst befristet bis Ende August. Betroffen sind davon auch beliebte Reiseziele wie die Türkei, Nordafrika, Südostasien und die USA.

"Die letzten Wochen haben gezeigt: Man kann nicht einfach wieder einen künstlichen Schnitt zwischen unsere Länder ziehen, ohne das Zusammenleben und den Binnenmarkt hart zu treffen" Andreas Jung
Wegen der Pandemie hatte Deutschland am 16. März Kontrollen an den Grenzen zu Österreich, der Schweiz, Frankreich, Luxemburg und Dänemark eingeführt. Nach dem Ende dieser Kontrollen zogen deutsche und französische Abgeordnete nun ein kritisches Fazit. Eine Schließung der gemeinsamen Grenze dürfe es selbst dann nicht mehr geben, wenn eine zweite "Corona-Welle" auftreten sollte, erklärten Unions-Vizefraktionschef Andreas Jung (CDU) und der französische Abgeordnete Christophe Arend.

"Die letzten Wochen haben gezeigt: Man kann nicht einfach wieder einen künstlichen Schnitt zwischen unsere Länder ziehen, ohne das Zusammenleben und den Binnenmarkt hart zu treffen", kritisierten Jung und Arend. Die beiden Politiker stehen gemeinsam der deutsch-französischen Parlamentariergruppe von Bundestag und Nationalversammlung vor. "Für den Fall des Falles müssen wir aber besser vorbereitet sein und von vornherein eine europäische Antwort geben", forderten Jung und Arend. "Es darf keine Schlagbäume und Einreisesperren mehr an unseren Grenzen geben." Das Bekenntnis zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit sei "nicht etwas nur für Schönwetterphasen, es muss gerade auch in stürmischer Zeit bestehen".

Lockerung der Corona-Maßnahmen in Frankreich

In Frankreich wurden zeitgleich mit der Öffnung der Grenze die Corona-Maßnahmen weiter gelockert. In Paris und Umgebung dürfen alle Restaurants und Cafés wieder öffnen. Zudem können Alten- und Pflegeheime landesweit wieder Besucher empfangen. Ab dem 22. Juni sollen auch die meisten Schulen wieder öffnen.

Präsident Emmanuel Macron sagte am Sonntag in einer Fernsehansprache, dass ein "erster Sieg gegen das Virus" errungen worden sei. Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus hatte sich in Frankreich zuletzt deutlich verlangsamt. Auch sank dort die Zahl der neuen Todesfälle durch die Pandemie am Sonntag auf einen Tiefstand. Nur noch neun weitere Todesfälle wurden binnen 24 Stunden verzeichnet. Dies war die niedrigste Zahl seit Beginn der offiziellen französischen Corona-Statistiken Mitte März.