Serie "Was wir glauben" (5)

Wieviel Amt braucht Kirche?

Jens Schmitz

Von Jens Schmitz

Sa, 03. September 2011

Deutschland

BZ-INTERVIEW mit Andreas Knapp, der von 1993 bis 2000 in Freiburg das größte Priesterseminar Deutschlands leitete – und heute einfaches Ordensmitglied ist .

arum haben Religionen besondere Gottesmänner? Was unterscheidet Pfarrer von Schamanen? Wer sollte sie aussuchen? Andreas Knapp hat Geistliche ausgebildet, bevor er die katholische Hierarchie verließ; Priester ist er geblieben. Der 53-Jährige lebt in Leipzig als Mitglied des Ordens "Kleine Brüder vom Evangelium". Mit Melanie Wolfers schrieb er "Glaube der nach Freiheit schmeckt". Jens Schmitz hat mit ihm gesprochen.

WBZ: Herr Knapp, können Sie sich erinnern, wann Sie zuletzt gezweifelt haben, ob es einen Gott gibt?

Knapp: Hm. Ich glaube, letzte Woche (schmunzelt). Ich denke, dass der Zweifel mit dem Glauben eng zusammenhängt, und dass es einen Glauben, der ganz sicher ist, eigentlich nicht gibt. Das wäre Sicherheit, vielleicht sogar eine falsche. Glauben ist immer ein Weg, ein Suchen. Es ist wie in einer Beziehung, wo man gemeinsam weitergeht und einen anderen nicht einfach hat oder festhält, sondern in der sich Vertrauen immer wieder neu entwickeln muss. Ich hatte lange Phasen, in denen Gott für mich ganz selbstverständlich war und ich mich im Glauben getragen fühlte. Es gab aber auch längere Zeiten, in denen ich an der Existenz Gottes sehr gezweifelt habe.

BZ: Gab es diese Zeiten auch, als Sie das Priesterseminar in Freiburg leiteten ?

Knapp: Die gab es dort genauso.

BZ: Konnten Sie das thematisieren? Das stelle ich mir schwierig vor für jemanden, der nicht nur den Glauben verkünden soll, sondern auch Nachwuchs ausbilden.

Knapp: Ich habe mich bemüht, auch darüber ganz offen zu sprechen. Auch Amtsträger haben den Glauben nicht gepachtet oder eingepackt wie in einer Schachtel, so dass man ihn den anderen einfach auf den Tisch legen könnte. Wenn man vom Priester erwartet: Du musst es wissen, oder dein Glaube muss fest sein, weil meiner wackelig ist – damit kann ich einen Menschen auch überfordern. Amtsträger müssen das kritische Denken nicht an der Kirchentür abgeben oder irgendwie perfekt sein. Ich bin froh, dass ich immer wieder auch bei Bischöfen lese, dass sie in ...

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