Konservativer Politiker schlägt Alarm

Will die grüne Stadtregierung die Straßburger Münsterbeleuchtung abschaffen?

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 20. Februar 2021 um 18:00 Uhr

Straßburg

Alain Fontanel heizt die Gerüchteküche an, das Straßburger Rathaus kontert. In Lothringen steigt die Inzidenz mutantengetrieben wieder an. Kein Höhenflug am Straßburger Flughafen.

Es ist nur ein Katzensprung von der Ortenau ins Elsass und in die Europastadt Straßburg. Was sich – auch abseits der aktuellen Corona-Sorgen – jenseits des Rheins so alles tut, beleuchtet unser "Blick ins Elsass".

Wirklich Kein Lichtspektakel?

Es war der frühere erste Beigeordnete und Kandidat um das Oberbürgermeisteramt in Straßburg bei der Kommunalwahl im vergangenen Sommer, Alain Fontanel, der diese Woche Alarm geschlagen hat: Die Stadtverwaltung plane ein Sommerprogramm ohne Münsterbeleuchtung hat er über die Straßburger Tageszeitung Dernières Nouvelles d’Alsace kundgetan. Seine Information stammte aus der nichtöffentlichen Vorbesprechung zur Sitzung des Gemeinderats am kommenden Montag. Sechs Jahre lang – über die Amtszeit der grünen Stadtregierung – werde nun die beliebte Münsterbeleuchtung nicht mehr stattfinden, lamentiert er und mutmaßt darüber hinaus, dass der Weihnachtsmarkt das nächste Opfer von Oberbürgermeisterin Jeanne Barseghian & Co. sein werde. Die Nachricht verbreitete sich schnell in Straßburg und sowohl Hoteliers als auch Restaurantbetreiber äußerten ihr Unverständnis. Die städtische Pressestelle reagierte erst am Montagabend und ohne die Münsterbeleuchtung zu erwähnen. Die Unternehmen, die sich auf die Ausschreibung des diesjährigen Sommerprogramms bewürben, müssten die Herausforderungen durch die Corona-Pandemie mit Kreativität sowie Anpassungsfähigkeit beachten. Vier Parks und vier Plätze in der Stadt sollen die Kulisse für ein Sommerspektakel bieten, das Verbindung verschaffe, sich an ein möglichst großes Publikum richte und dazu beitrage, dass die Wirtschaft wieder anlaufe, heißt es in der Mitteilung trocken. Das Münster und sein Platz blieben das Herz des Sommerprogramms, dort könnten – von 2022 an – wieder Aufführungen mit großer Ausstrahlung stattfinden.

Neun Virusvarianten im Elsass

Neun Virusvarianten haben Virologen der Uniklinik Straßburg inzwischen bei Corona-Patienten im Elsass entdeckt. Bereits Ende Januar wurde bei der Untersuchung eines Corona-Clusters in Saverne laut einem Bericht der Straßburger Tageszeitung Dernières Nouvelles d’Alsace eine kalifornische Mutation festgestellt. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich diese im Elsass noch vor der britischen und der südafrikanischen Virusvariante verbreitet hat. Analysen der Proben hätten gezeigt, heißt es in dem Artikel, dass sich 70 Prozent mit dem Wildtyp angesteckt hätten – und 20 Prozent mit einer Variante, die weder die britische noch die südafrikanische gewesen sei. Neben der kalifornischen Mutation sei bei zwei Kranken noch eine unbekannte Variante X festgestellt worden. Außerdem zirkulierten die in den Nerzfarmen in Holland und Dänemark aufgetauchten Varianten, die brasilianische Mutation sowie drei weitere veränderte Corona-Viren, die in der wissenschaftlichen Literatur noch nicht beschrieben seien. Bislang noch nicht gefunden wurde im Elsass die Variante, die sowohl die britische als auch die südafrikanische Mutation vereint. Noch wirken sich die Virusvarianten nicht auf die Infektionszahlen im Elsass aus: Sowohl im Unter-Elsass als auch auf dem Gebiet der Eurométropole stagnieren die Sieben-Tages-Inzidenzen nach einigen Tagen der Rückläufigkeit bei etwa 160 und 186 Fällen bezogen auf 100 000 Einwohner und Woche. In den Krankenhäusern geht die Zahl der Corona-Patienten etwas zurück; auf den Intensivstationen werden im Unter-Elsass zwischen 70 und 75 schwer an Covid-19 Erkrankte behandelt. Zum Vergleich: In Lothringen, wo die südafrikanische Variante verbreitet ist, ist die Sieben-Tages-Inzidenz im Großraum Metz auf 349 angestiegen; am Dienstag sind 70 Corona-Infizierte in die Krankenhäuser eingeliefert worden.

Hotelprojekt beim Flughafen Enzheim gekippt

Die Betreibergesellschaft des Straßburger Flughafens muss ihre Strategie überarbeiten: Nachdem der Flugverkehr im Corona-Jahr um 60 Prozent eingebrochen ist und insgesamt nur 513 579 Passagiere abgefertigt wurden – und damit etwa so viele wie 1980 – ist auch der Umsatz um 37 Prozent gesunken. Zum ersten Mal, seit 2011 die neue Betreibergesellschaft gegründet wurde, hat diese rote Zahlen geschrieben. Die 95 Beschäftigten wurden in Langzeit-Kurzarbeit geschickt und die Betreibergesellschaft musste auf staatliche Kredite in Höhe von fünf Millionen Euro zurückgreifen, so die Tageszeitung Dernières Nouvelles d’Alsace. Das Vorhaben, am Flughafen Entzheim ein Hotel zu errichten, wurde erstmal da acta gelegt; während die Erneuerung der Startbahnoberfläche realisiert werden soll. Auch die Bauarbeiten für das 1300 Quadratmeter große Gebäude für Dienstleister sind laut Zeitungsbericht begonnen worden. Die Pläne für einen VIP-Pavillon sind zunächst vom Tisch; ein neuer Architektenwettbewerb soll nicht vor 2022 organisiert werden. Dafür soll es im Bereich der Energiewende vorangehen; der Bau eines mit Holz befeuerten Biomassekraftwerks ist vorgesehen. Das aus den 1970er-Jahren stammende Flughafengebäude soll ins Nahwärmenetz eingebunden werden. Insgesamt belaufen sich die vorgesehenen Investitionen auf 6,7 Millionen Euro, die nur mit Hilfe einer Kapitalerhöhung gestemmt werden können. Während derzeit nur 40 bis 50 Flugzeuge pro Woche von Entzheim abheben, geht die Betreibergesellschaft im zweiten Halbjahr davon aus, dass Urlaubsreisen in diesem Sommer deutlich häufiger am Straßburger Flughafen beginnen werden als 2020.

Grüner Wasserstoff made in Straßburg

Der Fernsehsender France 3 Alsace bezeichnet es als Weltpremiere: Eine vom Start-up-Unternehmen Eiphytec entwickelte Technologie erlaubt es, Wasserstoff aus Biomasse herzustellen. Ein thermischer Verdichter wurde mit einem Schwertransport im Straßburger Gewerbegebiet Plaine des Bouchers bei einer Filiale von Gaz de Strasbourg angeliefert. Von 2023 an soll hier eine Wasserstoff-Tankstelle entstehen. Um den grünen Wasserstoff zu erzeugen, wird laut France 3, Holz auf mehr als 500 Grad erhitzt. Das entstehende Gas wird aufgespalten, am Ende des Prozesses bleiben kleine Moleküle und viel Wasserstoff, der als Kraftstoff genutzt werden kann. Der thermische Kompressor soll im Vergleich zur mechanischen Wasserstoffherstellung drei wesentliche Vorteile haben: Er ist leiser, braucht weniger Unterhaltung und ist billiger. Die in Straßburg angelieferte Anlage kostet laut France 3 elf Millionen Euro. 1500 Fahrzeuge könnten damit täglich mit Wasserstoff versorgt werden. Als mögliche Kunden gelten sowohl die Straßburger Verkehrsbetriebe (CTS) mit ihren Bussen, aber auch das Transportgewerbe mit seinen Lastwagen. Schließlich werden – voraussichtlich von 2025 an – keinerlei Dieselfahrzeuge das Gebiet der Eurométropole mehr befahren dürfen.

Fans in Sorge um den Weihnachtsmarkt

Die Business-School Ecole du Management (EM) hat mit einer Umfrage zum Straßburger Weihnachtsmarkt offenbar zahlreiche Fans der Veranstaltung aufgeschreckt. Über einen Online-Fragebogen versucht die EM herauszufinden, was die Menschen am Weihnachtsmarkt schätzen. Weil die Internetnutzer auch darüber Auskunft geben sollen, ob Verkaufshütten für sie unbedingt zum Weihnachtsmarkt gehören, fürchtet nun offenbar so mancher, dass die grüne Stadtregierung überlegt, einen Weihnachtsmarkt ohne Buden zu organisieren. Die Stadt habe an der Erarbeitung des Fragenkatalogs nicht teilgenommen, erklärte der zuständige Beigeordnete.

Wer Französisch kann, hier geht’s zur Umfrage https://bit.ly/3pgyiyJ