"Wir müssen immer hintanstehen"

Victoria Langelott

Von Victoria Langelott

Fr, 26. Juni 2020

Efringen-Kirchen

Die Jugendlichen im JuZ Efringen-Kirchen wollen ihre Interessen besser vertreten / Geplant ist ein neues Gespräch mit Gemeinderäten.

. Mit den offenen Türen am Mittwoch von 16 bis 21 Uhr geht auch das JuZ nach der Corona-Pause wieder einen ersten Schritt Richtung Normalbetrieb. Damit rückt für Betreuer Jens Künster auch ein altes Ziel wieder in den Fokus: eine Interessenvertretung der Jugend. Darauf soll nun wieder gezielt hingearbeitet werden, engagierte Jugendliche stehen bereit. Das Anliegen, das die Notwendigkeit einer solchen Vertretung zeigt, ist für ihn eine angemessenes Bleibe. Seit fast zwölf Jahren ist das JuZ jetzt in dem Provisorium am Sportplatz untergebracht.

Mittwochabend kurz nach 19 Uhr: Zwei Handvoll junger Leute haben sich vor dem Jugendzentrum in Efringen-Kirchen eingefunden. Wie von der Coronaverordnung verlangt, sind drei Betreuer da: neben Jens Künster noch Verena de la Rey Swardt und Sergei Rogalski. Der Grill ist in Gang gesetzt, bald können die Würstchen fürs Abendessen daraufgelegt werden. Einzelne Jugendliche trudeln noch ein, die Atmosphäre ist familiär. Ins wieder eröffnete JuZ sind spontan zwei Vertreter der örtlichen SPD gekommen – der Verbandsvorsitzende Armin Schweizer und Gemeinderat Karlfrieder Hess. Sie wollen hören, was die jungen Leute bewegt und diese kommen rasch auf ihr Kernanliegen: bessere Räume.

2009 waren die Container fürs JuZ eigentlich nur als Übergangslösung beim Sportplatz aufgestellt worden. Im Winter seien die Räume eisig, im Sommer würden sie glühend, schildert Jens Künster das Problem damit. Auch seien die Räume zu klein für die Zahl der sich oft einfindenden Jugendlichen und sie erlaubten keine differenzierte Arbeit – etwa mit unterschiedlichen Altersgruppen – wofür es schon zwei Räume bräuchte. Eigentlich hat das Provisorium, wie es scheint, nur einen Vorteil. Amra (18) aus Eimeldingen formuliert diesen so: "Hier stören wir keinen".

Jens Künster weiß, ebenso wie die Jugendlichen selbst, dass die Gemeinde kaum Geld hat und die Corona-Krise die Finanznot verschärft hat. Was sie aber stört ist, dass sie "in all den Jahren immer hintanstehen" mussten. Immer habe es für die Gemeinde Dringlicheres gegeben. "Wir werden nicht gesehen, nicht wertgeschätzt", so das Fazit der Jugendlichen, für die erschwerend hinzukommt, dass ihnen vor einem Jahr beim Zusammentreffen mit Gemeinderäten und Verwaltung bis Ende 2019 Räume im alten TuS-Heim in Aussicht gestellt wurden. Davon sei dann bald schon keine Rede mehr gewesen. Inzwischen hören sie: Die Räume im Erdgeschoss des alten Vereinsheims müssten fürs JuZ umgebaut werden, doch bevor dafür teures Geld ausgegeben wird, muss erst klar sein, ob das Gebäude überhaupt erhaltenswert ist.

Einer, der die Hängepartie nicht hinnehmen will, ist Andi (20), Azubi aus Grenzach-Wyhlen. Er sei hier wegen seiner Freunde und wegen Jens, sagt er: "Ich schätze seine Arbeit und die Möglichkeiten, die er uns gibt." Er möchte, dass sich etwas ändert. "Und ich will mich dafür engagieren, soviel ich kann", sagt er. Auch die 18-jährige Amra aus Eimeldingen – sie kommt, weil es in ihrer Heimatgemeinde keinen Jugendtreff gibt – will sich einbringen. Ebenso Selima (19) aus Istein oder Dejan (16) aus Efringen-Kirchen. Die Mischung der Herkunftsorte ergibt sich für Jens Künster aus der Lebensrealtität der jungen Leute. Etwa 70 Prozent der JuZ-Besucher komme aber aus der Gemeinde, sagt er.

Wie soll sie nun aussehen, die ideale Bleibe. Vorbild ist für die jungen Leute das Jugendzentrum in Kandern. "Das ist ein ganzes Haus, es hat gescheite Möbel drin, Du kannst Abstand halten", sagt Andi. Nun geht es für sie aber zuerst einmal darum, mit den Entscheidern in der Gemeinde ins Gespräch zu kommen, mit Gemeinderäten, dem Bürgermeister. Jens Künster hält ein solches Treffen im August oder September für denkbar. Dann wollen die Jugendlichen ihr Anliegen vertreten. "Der Container ist gemietet, wieviel Geld da schon in die Übergangslösung geflossen ist", sinniert Amra. Für Künster ist es wichtig, dass die Jugendlichen ihre Interessen selbst vertreten lernen. Übrigens: Das Thema Selbstverwaltung ist nicht vom Tisch. Amra ist mit dabei, wenn Ende des Jahres wieder ein Jugendleiterkurs angeboten wird. Dann könnte sie in einem Team das JuZ in Eigenregie öffnen.