Jack Wolfskin

"Wir planen keine größeren Schließungen"

Alexander Sturm/Monia Mersni

Von Alexander Sturm/Monia Mersni (dpa)

So, 14. April 2019 um 20:30 Uhr

Wirtschaft

Der Idsteiner Outdoor-Hersteller Jack Wolfskin bleibt in Deutschland, will nach seiner Übernahme aber vor allem in den USA wachsen.

Der deutsche Outdoor-Hersteller Jack Wolfskin will nach der Übernahme durch den US-Golfausrüster Callaway wieder an bessere Zeiten anknüpfen. Mit dem neuen Eigner könne der Eintritt in den lukrativen US-Markt gelingen, sagt Chefin Melody Harris-Jensbach. "Unsere Wettbewerber haben ein großes Geschäft in den USA, wir wollen dort langfristig stark zulegen." Der amerikanische Sportmarkt sei hart umkämpft, "aber nicht gesättigt".

Der Outdoor-Hersteller mit Sitz in Idstein nahe Frankfurt könne in den USA mit europäischem Image und dem englischen Markennamen punkten, meint die Managerin. Bislang erzielt Jack Wolfskin in den USA erst einen Bruchteil der Erlöse. "Wir machen insgesamt 40 Prozent unseres Umsatzes im Ausland, das soll mehr werden", so Harris-Jensbach.

Callaway hatte Jack Wolfskin zu Jahresbeginn für 418 Millionen Euro gekauft. Die Hessen ergänzen nicht nur das Portfolio rund um Golfbälle, Golfschläger und Golftaschen, sondern erweitern das US-Unternehmen auch geografisch: Während Callaway in den USA und Japan stark ist, machen die Deutschen mit der Tatze im Logo ihre Geschäfte vor allem in Europa und China. Mit einem Umsatz von umgerechnet 1,1 Milliarden Euro 2018 sind die Amerikaner gut drei Mal so groß wie die Deutschen.

Jack Wolfskin war in den Jahren des Outdoor-Booms, zwischen 2006 und 2010, rasant gewachsen und hatte viele Filialen eröffnet. Das hatte den Finanzinvestor Blackstone angezogen, der viel Geld für die Firma zahlte. Outdoor-Jacken und Bergschuhe entwickelten sich vom Nischenprodukt zur Alltagsware – bis der Markt gesättigt war und die Konkurrenz groß. Jack Wolfskin geriet in Schieflage, die Schulden drückten. Der Einstieg einer Gruppe von Finanzinvestoren im Sommer 2017 verschaffte Luft. Inzwischen habe sich Jack Wolfskin von den schwierigen Jahren erholt, sagt die Chefin, die seit 2014 am Ruder sitzt. "Die Kredite an die Finanzinvestoren haben wir zurückgezahlt und 2018 Gewinn geschrieben." Der Firma mit knapp 1200 Mitarbeitern kommt zugute, dass Outdoor bei jungen Menschen im Trend liegt.

Der Umsatz soll dieses Jahr auf dem Vorjahresniveau von 334 Millionen Euro stagnieren und erst mittelfristig zulegen. Der Betriebsgewinn (Ebitda), der 2018 um ein Fünftel auf 42 Millionen Euro stieg, werde dieses Jahr fallen. "Wir müssen Geld in Marketing, Design und Infrastruktur investieren", sagt Harris-Jensbach. So solle das Online-Geschäft, das fünf Prozent am Umsatz bringt, enger mit den Läden vernetzt werden. Das solle aber nicht auf Kosten der 160 Jack-Wolfskin-Läden in Deutschland gehen. "Wir planen keine größeren Schließungen."