"Wir sollten realistisch bleiben"

Benedikt Hecht

Von Benedikt Hecht

Di, 15. Oktober 2019

Tischtennis

BZ-INTERVIEW mit Jonas Degen, Mannschaftsführer des TTSF Hohberg, über den guten Start des Aufsteigers in die Tischtennis-Oberliga.

HOHBERG. Eine Überraschung folgt auf die nächste bei den Tischtennisfreunden Hohberg. Schon der Aufstieg in die Tischtennis-Oberliga Baden-Württemberg durch den Sieg in der Relegation sorgte für Aufsehen. Jetzt findet sich das Team sogar in der – zugegebenermaßen noch etwas schiefen – Tabelle auf dem Spitzenplatz mit 5:1 Punkten wieder. Über den tollen Start hat sich Benedikt Hecht mit Teamsprecher Jonas Degen unterhalten.

BZ: Herr Degen, zwei Siege, ein Remis stehen nach drei Spieltagen zu Buche. Sind Sie überrascht über den guten Auftakt?
Degen: Definitiv. Dass es so gut läuft, wir mit 5:1 Punkten starten, hat keiner erwartet. Allerdings sollte etwas berücksichtigt werden, dass wir noch nicht das härteste Programm hatten. Altshausen und Kornwestheim sind schon eher Mannschaften, die in der Tabelle vermutlich hinten stehen werden. Nichtsdestotrotz fielen die Ergebnisse gegen beide Teams unerwartet hoch aus. Dass wir dort punkten können, haben wir uns aber schon zugetraut.
BZ: Am Wochenende gab es einen ungefährdeten 9:1-Erfolg beim TTF Altshausen. Wie bewerten Sie das Spiel?
Degen: In der Höhe war das nicht zu erwarten. Am Samstag haben wir absichtlich unsere Nummer zwei Li Shidong (50 Jahre) eingesetzt. Er ist ja nur bei ausgewählten Begegnungen dabei. Deswegen brachten wir ihn gegen Altshausen, weil das wichtige Punkte gegen den Abstieg sind. Diesmal hat einfach alles gepasst, die knappen Spiele konnten wir für uns entscheiden – und auch die drei Doppel zum Start, was ja eher selten ist. Mein Einzel habe ich auch erst im fünften Satz in der Verlängerung gewonnen.
BZ: Hängt der gute Start auch mit der vorhanden Aufstiegseuphorie zusammen?
Degen: Die ist definitiv noch vorhanden. Gerade in der Relegation haben wir uns viel Selbstvertrauen geholt, speziell was die Doppel angeht. Damals haben wir kein einziges Doppel verloren – und ein guter Start ist schlicht entscheidend. Deswegen trainieren wir auch explizit die Doppel, damit wir möglichst oft mit einem 2:1 starten können.
BZ: Erklärtes Ziel vor der Saison war der Klassenerhalt. Halten Sie daran fest oder wird bereits umgedacht?
Degen: Natürlich steht diese Frage im Raum, doch sollten wir realistisch bleiben. Wir sind froh über den guten, aber nicht allzu schwierigen Start, die echten Härtetests stehen allerdings in den kommenden Wochen an, so wie im kommenden Spiel, indem wir auf den SC Staig treffen. Die haben mit dem TTV Ettlingen gerade den Meisterschaftsfavoriten geschlagen. Jetzt ist die Frage, ob wir auch gegen solch ein Team bestehen können. An der Zielsetzung Klassenerhalt ändert sich daher nichts. Alles was darüber hinaus herausspringt, ist ein schöner Bonus.
BZ: Wohin kann es langfristig für die Mannschaft gehen?
Degen: Wenn wir zusammenbleiben und die jungen Spieler sich gut entwickeln, dürfte in Zukunft viel möglich sein. Tom Schaufler ist ja erst 16 Jahre jung, Marcel Neumaier gerade 19 geworden. Die beiden haben am meisten Potenzial. Wenn alle noch etwas drauflegen, können wir vielleicht in zwei Jahren oben mitspielen.
BZ: Wie hilfreich ist ein so erfahrener Spieler wie Li Shidong?
Degen: Sehr. Keiner wusste so richtig, wie gut er in der Oberliga vorne bestehen wird, da er ja ein paar Jahre nicht mehr spielte. Man sieht bei ihm sofort sein taktisches Verständnis. Dazu gibt er uns jüngeren immer wieder wichtige Tipps mit.
BZ: Was muss noch besser werden?
Degen: Eigentlich kann derzeit nicht gemeckert werden. So gut, wie unser Start lief, gibt es keine einzelnen Punkte, die auf Anhieb verbessert werden müssen.
BZ: Was zeichnet die Mannschaft und den Verein aus?
Degen: Es gibt hier Grundsätze, dass Leistungs- und Breitensport gleichberechtigt sind, auch was die Aufmerksamkeit angeht. Erster Leitsatz ist, dass Fairness und Respekt über dem sportlichen Erfolg stehen.

Zur Person: Jonas Degen, 24 Jahre, studiert Sportmanagement und ist seit sieben Jahren für den TTSF Hohberg aktiv.