WIR ÜBER UNS: Sprache ist eine Frage der Identität

Franz Schmider

Von Franz Schmider

Sa, 18. Mai 2019

Wir über uns

Wechsel beim "Lueginsland" – seit mehr als 20 Jahren veröffentlicht die Badische Zeitung samstags ihre Mundartkolumne.

Mundart hat Konjunktur, das beweisen nicht nur die Trainer des SC Freiburg und der Nationalmannschaft, auch der Ministerpräsident des Landes pflegt sie. Und als der damalige Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sein Ultimatum an Griechenland formulierte, tat er dies sozusagen auf Badisch 2.0: "Um 24 Uhr isch over". Bei der Badischen Zeitung ist Alemannisch keine Frage der Mode oder des Trends, wir pflegen die Sprache der Heimat seit Jahrzehnten in unserer samstäglichen Kolumne, die seit mehr als 20 Jahren den Titel "Lueginsland" trägt. Wenn Sprache Identität bildet, dann gilt dies eben auch für Alemannisch.

Wer sich tiefer mit dem Sprachraum beschäftigt, wird freilich wissen, dass es das eine Alemannisch nicht gibt, dass der große Sprachraum neben Baden Teile der Schweiz, des Elsass’ sowie von Schwaben umfasst. Dazu gibt es regionale Varianten wie Hoch-, Nieder- und Bodenseealemannisch. Und am Kaiserstuhl wird wiederum ein anderes Alemannisch gesprochen als im Wiesental oder in der Ortenau.

Diese reiche Vielfalt versucht die Badische Zeitung durch die Autorinnen und Autoren abzudecken. Wendelinus Wurth aus Gutach klingt eben anders als Ulrike Derndinger, die in der Sprache der westlichen Ortenau, dem Ried, schreibt. Markus Manfred Jung ist Wiesentäler durch und durch. Friedel Scheer-Nahor lebt zwar am Kaiserstuhl, doch der Geschäftsführerin der Muettersproch-Gsellschaft sind die lokalen und regionalen Feinheiten bestens vertraut. Hinzu kommt, dass die Form der Kolumne den Autorinnen und Autoren auch inhaltlich großen Spielraum einräumt: Es darf eine literarische Miniatur sein, eine Beobachtung aus dem Alltag oder eine knappe Reflexion über die Zeit, einen Ort oder ein Geschehnis.

Nun wird sich im Autorenteam ein Wechsel vollziehen: Martin Schley, ein echter Freiburger, der als Kabarettist unterwegs war und Theater gemacht hat, verabschiedet sich nach mehr als 20 Jahren vom Lueginsland. Mit 68 hat er sich den Ruhestand und ein Dankeschön verdient.

An seine Stelle treten Beate Ruf und Martin Wangler. Wir wollen dadurch das Spektrum noch etwas erweitern. Beate Ruf stammt aus Teningen und lebt seit 30 Jahren in Freiburg. Sie arbeitet in der Verwaltung einer Behinderteneinrichtung und betreibt seit 2016 den eigenen Mundart-Blog "Em Rénate si Blog", in dem sie die Mundart pflegt. Das tut auch Fidelius Waldvogel, eine Kunstfigur für die Kabarettbühne (aktuell ist er mit seinem Programm "Nächste Ausfahrt: Heimat" unterwegs), hinter der sich der Schauspieler Martin Wangler aus Breitnau verbirgt.