"Wir wollen in der Region bleiben"

Boris Burkhardt

Von Boris Burkhardt

Fr, 19. Juli 2019

Rheinfelden

BZ-INTERVIEW mit dem Karsauer evangelischen Pfarrer Ivo Bäder-Butschle, der nach 15 Jahren nach Rötteln wechselt.

RHEINFELDEN. Fünfzehn Jahre wirkte Ivo Bäder-Butschle in der evangelischen Johannesgemeinde in Karsau, Minseln, Adelhausen und Eichsel. Nach den Sommerferien wird er in die Gemeinde Rötteln wechseln; der Abschiedsgottesdienst findet am Sonntag, 21. Juli, statt. BZ-Mitarbeiter Boris Burkhardt sprach mit dem Familienvater über den Wechsel und seine Zeit in Rheinfelden.

BZ: Seit wann wissen Sie, dass Sie Rheinfelden verlassen werden?

Bäder-Butschle: Familienintern sprechen wir seit anderthalb Jahren darüber. Nach den Sommerferien 2018 habe ich mich dann ernsthaft umgeschaut. Wir wollten unbedingt in der Region bleiben. Meine Frau arbeitet in Nollingen, die Kinder gehen in Lörrach zur Schule. Rötteln war damals vakant; es hätte aber noch andere Stellen gegeben.

BZ: Warum gehen Sie gerade jetzt? Gibt es nicht die Regel, dass Pfarrer bereits nach sieben Jahren die Gemeinde wechseln sollten?

Bäder-Butschle: Dieses Gerücht hält sich offensichtlich hartnäckig. Tatsächlich sieht die Evangelische Landeskirche in Baden nach zwölf Jahren ein Gespräch zur Berufsperspektive vor; auf eigenen Wunsch können Pfarrer aber problemlos länger bleiben. Und es gefällt mir sehr gut auf dem Dinkelberg. Nach 15 Jahren habe ich inzwischen meine ersten Täuflinge konfirmiert und einige Konfirmanden von damals getraut. Aber wenn man als Pfarrer zu lange an einem Ort bleibt, entsteht ein Umfeld, das nur noch auf einen selbst zugeschnitten ist. Deshalb bin ich nun an dem Punkt angekommen, wo es gut für mich und die Gemeinde ist, sich neu zu orientieren. Ich merke das an konkreten Beispielen: Im Familiengottesdienst an Erntedank habe ich mit den Kindern schon alle Bibelgeschichten durch, und die Predigttexte am Sonntag wiederholen sich mittlerweile zum dritten Mal. Der Ältestenkreis schreibt die Stelle für meine Nachfolge auch bewusst erst im September aus, weil eine Übergangszeit sinnvoll ist für meinen Nachfolger.



BZ: Wie wird sich Ihre Arbeit in Rötteln verändern?

Bäder-Butschle: Rötteln ist eine selbständige Gemeinde in Tumringen und Haagen. Es etabliert sich zwar gerade eine Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden Tüllingen, Hauingen und Brombach, aber es gibt keine übergeordnete Struktur wie die Gesamtkirchengemeinde in Rheinfelden. Das bedeutet zum Beispiel nur noch ein Gremium statt zwei Hauptgremien und vier Ausschüssen. Andererseits hat die Kirchengemeinde Rötteln eigene Kindergärten, womit ich mich in der Johannesgemeinde nicht direkt beschäftigen musste.

BZ: Welche guten Eindrücke nehmen Sie aus der Johannesgemeinde mit?

Bäder-Butschle: Es gibt in Karsau und Minseln eine sehr gute Gemeindekultur. Eine mittelgroße Kirchengemeinde wie diese war genau das Richtige für meine erste Stelle. Anfangs hatte ich das Gefühl, ich müsste immer der Motor sein und Dinge voranbringen. Das machte mich oft unzufrieden. Ich bin froh, dass die Ältesten mehr und mehr die Schwerpunkte mit mir gemeinsam geplant und auch praktisch mit angepackt haben. Manchmal war ich konservativer als sie, zum Beispiel beim erfolgreichen Sonntagabendgottesdienst "Feierabend" – ich experimentiere gerne, hänge aber sehr am Gottesdiensttermin sonntags um 10 Uhr. Ich arbeite zum Beispiel sehr gerne mit Konfirmanden zusammen, die in der Johannesgemeinde mittlerweile vier Got-tesdienste im Jahr gestalten. Ein Drittel des Konfirmandenunterrichts widmen wir der Vorbereitung. Die Konfirmandenarbeit ist in den 15 Jahren nicht nur quantitativ gewachsen, weil sie von immer mehr Jugendlichen bis 25 Jahre, den sogenannten Konfiteamern, unterstützt wird, sondern auch qualitativ. Ich musste erst lernen, was für ein solches Team wichtig ist, welche Umgangsformen, welche Prioritäten, sodass weiterhin die Konfirmanden im Mittelpunkt stehen. Was ich in meiner Zeit in Karsau eher vernachlässigt habe, sind die Hausbesuche.



BZ: Auch Musik spielt bei Ihnen eine große Rolle.

Bäder-Butschle: Ich komme aus einem musikalischen Elternhaus. Immer, wenn ich meine Eltern am Bodensee besuche, packen wir die Instrumente aus. Aber keiner von uns ist Berufsmusiker, das ist ein Familienhobby. Ich selbst spiele Geige, Klavier und Gitarre. Meine Frau und mein ältester Sohn musizieren ebenfalls. Ich bin auch froh, dass wir in den vergangenen Jahren die lose Konzertreihe in Minseln in Zusammenarbeit mit der AWO etablieren konnten.

Info: Die offizielle Abschiedsfeier findet am Sonntag, 21. Juli, um 17 Uhr im Gemeindezentrum Karsau statt.