BZ-Interview

Carl Christian von Weizsäcker über Wachstum und Demokratie

Bernd Kramer

Von Bernd Kramer

Sa, 07. November 2015 um 00:00 Uhr

Wirtschaft

Wirtschaftlicher Wohlstand für breite Bevölkerungsschichten – funktioniert das auch ohne Demokratie? Nein, sagt der Ökonom Carl Christian von Weizsäcker. Ein Interview.

ind Marktwirtschaft und Demokratie untrennbar miteinander verbunden? Geht der freie Güteraustausch mit freien Wahlen einher? Sorgt die Möglichkeit, Regierungen abzuwählen für eine höhere Wirtschaftsleistung? Im BZ-Interview spricht der Ökonom Carl Christian von Weizsäcker über das Verhältnis der beiden Ordnungsprinzipien. Er hält die diesjährige Hayek-Vorlesung an der Uni Freiburg. Mit ihm diskutierte Bernd Kramer.

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BZ: Herr von Weizsäcker, die Europäische Zentralbank hat während der Eurokrise eine zentrale Rolle gespielt. Das ist nicht verwunderlich: Die Geldpolitik ist ein mächtiger wirtschaftspolitischer Hebel. Leitzinsveränderungen beeinflussen den Konjunkturverlauf. Über die Geldpolitik entscheiden unabhängige Experten in den Zentralbanken, die nicht demokratisch gewählt wurden. Haben wir der Demokratie die Zähne gezogen?
Von Weizsäcker: Das ist in der Tat umstritten. Aber es gibt ja auch Gerichte. Richter entscheiden dort unabhängig. Dadurch soll sichergestellt werden, dass nicht alles dem Willen der Mehrheit unterliegt, sondern Recht und Gesetz beachtet werden. Die Unabhängigkeit der Zentralbank ist ein Garant für die Stabilität des Geldes. Sie soll dafür sorgen, dass die Geldpolitik nicht missbraucht wird, um kurzfristige wirtschaftspolitische Erfolge verbuchen zu können, die die Bürger später mit Inflation bezahlen müssen.

BZ: Liberale sprechen gerne vom Wandel durch Handel. Wenn Menschen auf den internationalen Märkten Güter erwerben und verkaufen, reden sie miteinander. Sie besuchen sich, vergleichen die Lebensumstände. Ideen aus dem Ausland wandern so über die Grenzen. Fördert der Welthandel Demokratie?
Von Weizsäcker: Er kann die Entwicklung zu einer Demokratie erleichtern. Wer einmal in ...

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