Interview

Experte: Kapitalismus zugunsten der Natur umkrempeln

Jörg Buteweg

Von Jörg Buteweg

Sa, 29. September 2012 um 00:04 Uhr

Wirtschaft

Der Wirtschaftsforscher Gerhard Scherhorn will den Kapitalismus umkrempeln, um die Natur zu schützen. Wie er das machen will? Ein Interview.

Die Politiker in Deutschland und der allergrößte Teil der Wirtschaftsforscher hierzulande wollen die aktuelle Krise mit mehr Wirtschaftswachstum lösen. Gerhard Scherhorn dagegen kämpft gegen den Wachstumszwang, der aus seiner Sicht dem Kapitalismus innewohnt. Ansetzen will er am Eigentumsrecht. Im Gespräch mit Jörg Buteweg erklärt er, wie er Marktwirtschaft und Kapitalismus voneinander trennen und eine umweltschonende, sozialere Wirtschaftsweise etablieren will.

BZ: Sind Sie ein Revolutionär?
Scherhorn: Nein.

BZ: Aber Sie wollen den Kapitalismus abschaffen.
Scherhorn: Ich setze mich zusammen mit Kollegen dafür ein, dass sich die Marktwirtschaft vom Kapitalismus löst.

BZ: Aber Kapitalismus und Marktwirtschaft sind doch das Gleiche. Das Privateigentum an den Produktionsmitteln ist der zentrale Punkt.
Scherhorn: Das denken die meisten Leute. Aber das ist nicht richtig. Kapitalismus ist nicht dasselbe wie Marktwirtschaft. Für beide ist zwar das Privateigentum an den Produktionsmitteln zentral. Beim Kapitalismus kommt aber eins hinzu: Der Vorrang der endlosen Kapitalakkumulation.

BZ: Was ist das?
Scherhorn: Die permanent fortschreitende Anhäufung von Kapital.

BZ: Was ist daran schlimm? Kapital kann ein Unternehmen nur aufbauen, wenn es Gewinn erwirtschaftet. Gelingt das nicht, ist ein Unternehmen über kurz oder lang insolvent. Das kann ja nicht Sinn der Sache sein.
Scherhorn: Gegen ein gewisses Maß an Gewinn ist nichts zu sagen. Allerdings zeigt die Geschichte, dass auf längere ...

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