Streitgespräch

Pro & Contra: Ist das bedingungslose Grundeinkommen eine echte Alternative?

Moderation: Bernhard Walker

Von Moderation: Bernhard Walker

Do, 21. Juni 2018 um 12:28 Uhr

Wirtschaft

BZ-Plus Der Hamburger Professor Thomas Straubhaar plädiert für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Der frühere Caritas-Generalsekretär Georg Cremer widerspricht und wirbt für Reformen im Sozialsystem – ein Streitgespräch.

Der aus dem 19. Jahrhundert stammende deutsche Sozialstaat sei nicht geeignet, im 21. Jahrhundert für soziale Sicherheit zu sorgen, sagt der Hamburger Professor Thomas Straubhaar und plädiert deswegen für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Bedingungslos meint, dass die Zahlung an keine Voraussetzung geknüpft ist. Der frühere Caritas-Generalsekretär Georg Cremer widerspricht und wirbt für Reformen im Sozialsystem – ein Streitgespräch auf Einladung der Badischen Zeitung.

BZ: Herr Straubhaar, in Ihrem Buch zum bedingungslosen Grundeinkommen schreiben Sie, dass viele ein solches Grundeinkommen für naive Weltverbesserung halten. Sehen Sie das auch so, Herr Cremer?

Cremer (schmunzelt): Nein, das wäre mir ein bisschen zu platt. Ich finde aber schon, dass das bedingungslose Grundeinkommen viel weniger hoffnungsfroh ist, als die Befürworter meinen. Nehmen wir an, es betrage 1000 Euro im Monat. Davon müsste man dann aber die Kosten für eine Krankenversicherung bezahlen, was mindestens 250 Euro wären. Und wenn Sie jetzt noch zum Beispiel auf München mit seinen hohen Mieten schauen, kommt ein ganz nüchternes Ergebnis zustande: Dann ist das Grundeinkommen deutlich unterhalb des heutigen Hartz-IV-Niveaus. Das heißt: Auch in der fabelhaften Welt des bedingungslosen Grundeinkommens sind die Leute von Arbeit und ihrem Arbeitseinkommen abhängig.

Straubhaar: Da widerspreche ich überhaupt nicht. Wenn ich für ein Grundeinkommen plädiere, geht es mir nicht darum, Arbeit und Einkommen grundsätzlich zu entkoppeln, sondern nur darum, den Sozialstaat von seiner Fixierung auf die Erwerbstätigkeit zu befreien. Ihr Hinweis auf die Krankenversicherung führt zu einem wesentlichen Punkt – nämlich dem Grundeinkommen einerseits und dem Sozialstaat andererseits, wie ihn Deutschland seit weit mehr als 100 Jahren mit der Kranken- und Rentenversicherung, der Sozialpartnerschaft von Arbeitgeber und Gewerkschaften und vielem mehr kennt und schätzt.

"Ich habe, ehrlich gesagt, die große Sorge, dass die Debatte die Illusion schürt, dass etwas angeblich Neues und Einfaches geschaffen wird. Was radikal einfach ist, wird aber ganz schnell radikal ungerecht." Georg Cremer BZ: Genau diesen Sozialstaat stellen Sie infrage.
Straubhaar: Dass er in den vergangenen Jahrzehnten enorm viel Gutes für die deutsche Gesellschaft bewirkt hat, liegt auf der Hand. Die Frage ist aber, wie soziale Sicherung im 21. Jahrhundert aussehen muss. Und da hilft uns die Struktur, wie sie ...

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