Wo sollen welche Bäume hin?

Hans-Peter Müller

Von Hans-Peter Müller

Fr, 27. Mai 2022

Staufen

Der Staufener Gemeinderat beschließt die Forsteinrichtungserneuerung für die nächsten zehn Jahre.

. Beim Stichwort "Einrichtung" denkt man gemeinhin an Sofa, Schrankwand oder Esstisch. Doch auch ein Wald will "eingerichtet" werden. Man muss sich Gedanken machen, welche Bäume wo stehen sollen, wie sie dahin kommen und ob dafür andere Bäume weichen sollen. Dieser Aufgabe der "Forsteinrichtung" hat sich die Stadt Staufen gestellt. Nach einer ausgiebigen Begehung des Stadtwaldes durch den Gemeinderat Anfang Mai galt es nun den zwischenzeitlich vorliegenden Vorschlag der Förster für die "Forsteinrichtungserneuerung" zu beraten.

"Die Herausforderung für die nächsten zehn Jahre ist es, den Stadtwald fit zu machen für die vom Klimawandel bestimmte Zukunft," betonte Bürgermeister Michael Benitz, "wie wichtig es ist, dass wir uns intensiv mit dem Thema befassen."

Dies hatte Tobias Mathow, der neue Leiter des Forstbezirks Staufen (BZ vom 22. April), zusammen mit Revierförster Wolfgang Mangold getan und stellte dem Gemeinderat in dessen jüngster Sitzung am Mittwochabend das 32-seitige Werk mit dem Titel "Allgemeiner Teil zur Forsteinrichtungserneuerung im Stadtwald Staufen für den Einrichtungszeitraum 2022-2031" vor.

Die Vorschläge basierten auf einer statistisch belastbaren Stichprobe mit 700 Messpunkten, so Mathow. Der Staufener Stadtwald mit seinen 690 Hektar Holzbodenfläche sei demnach schon gut durchmischt und biete mit seiner Mischung aus Laub- und Nadelhölzern schon gute Voraussetzungen für eine Anpassung an den Klimawandel.

Probleme sehe er am ehesten beim sogenannten Verjüngungsvorrat, also den aus eigener Kraft nachwachsenden Jungbäumen, die man nicht gesondert anpflanzen müsse. Gründe für die mit 15 Prozent nur halb so gut wie wünschenswerte natürlich Verjüngungsquote könnten fehlendes Licht und Wasser sowie Wildverbiss sein, erläuterte Mathow.

Mit dem derzeit zweithöchsten Holzvorrat seit Beginn der Messungen vor 180 Jahren rate er dazu, nun mit dem wie seit langem eingeplanten und üblichen Holzeinschlag fortzufahren, so der 37-jährige Diplom-Forstwirt. Man solle in den kommenden zehn Jahren nur andere Bäume als früher gedacht ernten, nämlich bevorzugt Fichten und Tannen, da diese durch den Klimawandel und die daraus folgende Hitze, Trockenheit und Dürre die nächsten 20 Jahre so oder so kaum überleben dürften und an sich schon eher alt seien.

Wenn man sie jetzt planmäßig ernte, könne man die Erlöse in einen klimafitten Wald investieren, in dem man das Baumartenspektrum erweitere und pro Einheit mindestens drei bis fünf unterschiedliche Arten pflanze, um das Monokultur-Risiko von Ausfällen zu minimieren.

Als Richtgröße für das Ernte- und daraus folgende Anpflanzungsprogramm der nächsten zehn Jahre nannte Mathow vier Hektar pro Jahr, also vier bis fünf Fußballfelder. Dem gegenüber solle man 30 bis 40 Hektar als Waldrefugium unangetastet lassen. Das von der Stadt und seinem Vorgänger Michael Kilian vorgegebene Ziel, den Wald nachhaltig für künftige Generationen umzubauen und so lange keinen Profit zu erwirtschaften, aber zumindest eine "schwarze Null" könne man auf diese Weise erreichen, stellte der neue Forstamtsleiter in Aussicht. Ein solcher Umbau werde Beeinträchtigungen für die Waldnutzer nach sich ziehen, weshalb er zu einer Kommunikationskampagne mit entsprechenden Hinweisschildern und Diskussionsrunden riet.

Auf Nachfrage von Andreas Cullmann (Grüne) nannte Mathow einen Betrag von rund 10 000 Euro, den man aufwenden müsse, bis eine neu angepflanzte Kultur für die Zukunft gesichert sei.

Franz Wiesler (CDU) wollte wissen, was dies für die Jagd bedeute. Mathow meinte, dass man zur Sicherung neuer Anpflanzungen den Abschuss wohl erhöhen sollte. Jagdpächter Heiner Ulmann (FWV) mahnte, die Sache differenziert zu sehen, und stellte in Aussicht, dass man Abschüsse gezielt steuern könne.

Der Ansicht von Armin Gysler (FWV), dass man versuchen müsse, neue Feuchtgebiete anzulegen, stimmte Mathow zu und sah dafür auch einige Möglichkeiten im Staufener Stadtwald.

Das Ratsrund zeigte sich angetan vom Vortrag des neuen Forstbezirksleiters und befürwortete die Vorlage einstimmig.

Zum kompletten, 32 Seiten umfassenden Text der Forsteinrichtungserneuerung: mehr.bz/forststaufen22-31