Analyse

Wovon die Deutschen in der Corona-Krise besonders viel kaufen

Joshua Kocher

Von Joshua Kocher

Do, 26. März 2020 um 17:55 Uhr

Deutschland

Jetzt ist es amtlich: Deutsche kaufen in der Corona-Krise vermehrt Mehl, Seife und Toilettenpapier – aber nur wenig Bier. Das zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamt.

Desinfektionsmittel machen nicht nur die Hände virenfrei, sie sind auch ein guter Seismograph für die Stimmung im Land. Als Ende Februar bekannt wurde, dass nach einer Kappensitzung im Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen mehrere Hundert Menschen vorsorglich zum Schutz vor dem Coronavirus für zwei Wochen in Quarantäne leben müssen, stieg der Ansturm auf Sagrotan, Sterilium und Co. – und das deutschlandweit. Innerhalb von sieben Tagen wurde sechs Mal so viel Desinfektionsmittel verkauft wie im Wochenschnitt der sechs Monate zwischen August 2019 und Januar 2020.

Das zeigen am Mittwoch veröffentlichte Daten des Bundesamts für Statistik, die laut einer Pressemitteilung aus einer Sonderauswertung "experimenteller Daten" stammen. Die Behörde hatte nach eigenen Angaben digital verfügbare Kassendaten, sogenannte Scannerdaten ausgewertet.



Eine erste kleine Spitze gab es den Zahlen zufolge, als Ende Januar der erste Corona-Fall in Bayern gemeldet wurde. Die zweite, extremere Spitze kam – wie gesagt – mit dem Ausbruch im Kreis Heinsberg. Zusammengefasst: Steigt die Verunsicherung, steigen auch die Verkaufszahlen von Desinfektionsmittel.

Doch auch Mehl und Seife wurden plötzlich zwei bzw. drei Mal so oft verkauft und waren in vielen Supermärkten ausverkauft. Weniger schnell, aber auch sehr stark, stieg der Ansturm auf Toilettenpapier. Und der hält wohl bis heute an, denn die Kurve bricht nicht ab.

Die Verkaufszahlen der Desinfektionsmittel brechen derweil massiv ein. Das könnte einerseits daran liegen, dass jetzt wirklich jede und jeder damit eingedeckt ist. Wahrscheinlicher ist aber vielmehr, dass es schlicht kaum mehr welches zu kaufen gibt.



Ebenfalls überdurchschnittlich verkauft wurden in den vergangenen vier Wochen Zucker, Äpfel, passierte Tomaten und Hefe. Bier hingegen verkaufte sich in allen vier Wochen sogar schlechter als im Vergleichszeitraum zwischen August und Januar. Was das wohl aussagen mag?