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Zehn Monate auf Bewährung für Welfenprinz Ernst August

Matthias Röder

Von Matthias Röder (dpa)

Di, 23. März 2021 um 20:30 Uhr

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Der Welfenprinz Ernst August von Hannover ist in Österreich zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Er hatte von ihm selbst gerufene Polizisten mit dem Tode bedroht und sie auch attackiert.

. Der Urenkel des letzten deutschen Kaisers ist vom Landgericht Wels in Österreich zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Ernst August von Hannover (67) im Zustand voller Berauschung Beamte attackiert und einen auf seinem Anwesen tätigen Verwalter massiv bedroht hat. Ein zweiter Aspekt des Urteils scheint den Welfenprinzen sehr zu schmerzen.

Die Maske durfte Ernst August auf dem Stuhl in der Mitte des Schwurgerichtssaals vorübergehend abnehmen. Sie wolle seine Mimik sehen, sagte Richterin Teresa Bergthaler. Doch zu einer Befragung kam es vor dem Landgericht Wels in Österreich nicht. Der 67-Jährige verlas eine Entschuldigung: "Ich übernehme die Verantwortung, bedauere das Geschehene außerordentlich und bin bereit, für die Schäden aufzukommen." Zugleich bekannte er sich nicht schuldig. Die Richterin stellte ihrerseits klar: "Ich spreche Sie als ,Herr Hannover‘ an." In Österreich sind Adelstitel seit 1919 verboten.

Nach seinem Statement entschwand der Spross einer der ältesten Fürstenfamilien Europas zunächst aus dem Saal. Er gehöre als Ex-Krebspatient einer Hochrisikogruppe an, und er habe Angst, sich im Gerichtssaal mit dem Coronavirus anzustecken, so Ernst August von Hannover.

Die 20 verfügbaren Plätze im Saal waren für Pressevertreter nicht zuletzt aus Deutschland reserviert. Und Medien spielen auch eine Nebenrolle im Prozess. Die Verteidigung wiederholte ihren Vorwurf einer "Vorverurteilung" durch die Berichterstattung. Das ließ die Staatsanwaltschaft nicht gelten. Die Ermittlungen seien objektiv geführt worden. "Es gab weder einen Promi-Bonus noch gereichte ihm sein Name zum Nachteil", so die Vertreterin der Anklage.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Widerstand gegen die Staatsgewalt, schwere Körperverletzung, gefährliche Drohung und Nötigung vor. Der Prozess dreht sich um Vorfälle im Sommer 2020. Ausgangspunkt war der Notruf eines als verwirrt eingeschätzten älteren Herrn bei der Polizei, der sich bedroht fühlte und sich als krank bezeichnet hatte. Beim Eintreffen der Streife auf dem idyllischen oberösterreichischen Anwesen des Anrufers, der sich als Ernst August herausstellte, wurden die Beamten nach eigenen Angaben zunächst Zeugen eines aggressiven Auftretens des Angeklagten gegen seinen Verwalter. Die Wut des offenkundig betrunkenen 67-Jährigen habe sich dann schnell gegen die Polizisten gerichtet.

"Er hat mir ins Gesicht geschlagen", sagte einer der als Zeugen befragten Polizisten aus. Seinen Kollegen soll Ernst August mit beiden Händen am Kopf gepackt haben, bevor der Welfenprinz bei einer Abwehrhandlung des Beamten zu Boden gestürzt sei. Außerdem sei er auf die Beamten mit einem Messerschleifer losgegangen. Der Welfenprinz habe gedroht: Er werde "seine Söldner schicken" und die Beamten umbringen lassen.

Als Beamte später ein gegen den Welfenprinzen ausgesprochene Waffenverbot vollstrecken und ihm Lang- und Kurzwaffen abnehmen wollten, habe er erneut getobt. Schließlich, Wochen später, habe er aus einem Taxi heraus einer Polizistin, die bei dem Einsatz auf seinem Grundstück dabei war, mit einem mitgeführten Baseballschläger zu verstehen gegeben, dass er ihr den Schädel einschlagen werde, sagte die Beamtin vor Gericht. "Er wirkte sehr klar, wie bei einem Rachefeldzug." Sie habe Angst um ihre Sicherheit und die ihrer Kinder gehabt. "Noch nie habe ich es mit einer Partei zu tun gehabt, die mich derart oft mit dem Tod bedroht hat", verwies sie auf viele Anrufe des Prinzen auf ihrer Polizeiwache.

Die Verteidigung betonte, dass sich ihr Mandant nach einer Krebsoperation und wegen eines Konflikts mit seinem Sohn in einer Ausnahmesituation befunden habe.

Das Gericht entschied: Ernst August darf in den nächsten drei Jahren nicht an seinem Wohnsitz im oberösterreichischen Almtal leben. "Unmöglich", "undenkbar", reagierte dieser entsetzt. Er lebe dort seit 50 Jahren. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.