Vierter Prozesstag

Zellengenosse verstrickt sich in widersprüchlichen Aussagen – Vernehmung der Pflegeeltern verschoben

Florian Kech

Von Florian Kech

Do, 28. September 2017 um 07:58 Uhr

Freiburg

Am vierten Prozesstag im Mordfall Maria L. sollten vor dem Freiburger Landgericht vier Zeugen vernommen werden. Zunächst werden ein afghanischer Zeuge und der Zellengenosse von Hussein K. gehört. Dieser verstrickt sich in widersprüchlichen Aussagen. Die Vernehmung der Pflegeeltern musste verschoben werden.

Fazit
Der mit Spannung erwartete Auftritt der Pflegeeltern von Hussein K. musste verschoben werden. Zu lange hatte die Vernehmung des ehemaligen Zellengenossen gedauert, der weite Teile seiner früheren Aussagen aus dem Polizeiprotokoll zur allgemeinen Verwunderung widerrief. Dazu gehörten insbesondere die schweren Vorwürfe gegen den Angeklagten. Dass dieser ihm in der Zelle gestanden habe, Maria L. "wie ein Tier" getötet zu haben, wollte der Zeuge so plötzlich nicht mehr zu Protokoll gegeben haben. Was ihn zu diesem Widerruf bewogen haben mag, darüber kann nur spekuliert werden. Hatte der Dolmetscher einst tatsächlich falsch übersetzt? Oder hatte der Zeuge es mit der Angst zu tun bekommen vor dem Ex-Zellengenossen K.? Insgesamt verlief der sechsstündige Verhandlungstag sehr zäh. Richterin Schenk ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und machte einen durchweg souveränen Eindruck.

14:57 Uhr – und Ende des Prozesstages
"Ich halte es kaum mehr aus", sagt Zeuge S. nach stundenlanger Befragung. Verteidiger Glathe verweist auf drei Seiten mit weiteren Fragen. Diese müssen allerdings am nächsten Prozesstag gestellt werden. "Ich will nicht mehr aussagen. Ich muss lange hierher fahren", klagt der Zeuge. "Dafür haben Sie den Vorteil, flexibel zu sein", antwortet die Richterin dem Häftling.

Um 15 Uhr endet der Prozesstag.

14:48 Uhr:
Der Zeuge S. wiederholt, dass ihm der Dolmetscher im Dezember geraten habe, eine Aussage zu machen. Dies würde sich günstig auf sein Asylverfahren auswirken. Außerdem habe der Dolmetscher unabhängig vom anwesenden Polizisten eigene Fragen gestellt. Der Polizist habe ungefähr zwei Minuten nur zugehört. Ohne das Versprechen des Dolmetschers hätte er die Aussage nicht gemacht.

"Das war das Thema, nicht nur in der Stadt, sondern auch in der JVA." Verteidiger Glathe S. gibt an, er habe von dem Dreisam-Mord wochenlang nichts mitbekommen. Erst ein Landsmann habe ihm in der Haft davon erzählt. Dieser Behauptung will Hussein-Verteidiger Glathe keinen Glauben schenken: "Das war das Thema, nicht nur in der Stadt, sondern auch in der JVA."

14:35 Uhr:
Staatsanwalt Thorsten Krapp wendet sich an den Zeugen S.: "Sie erinnern sich an viele Details, doch es fällt auf, immer, wenn es um Husseins sexuelle Delikte geht, verlässt Sie die Erinnerung." S. verweist erneut auf die Fehler des Dolmetschers. Der Staatsanwalt fragt den Zeugen, ob er weiß, dass er sich mit einer Falschaussage strafbar mache. "Ich habe nichts Falsches gesagt", sagt S.

Der Staatsanwalt kommt noch einmal auf die Chinesin zu sprechen, die Hussein K. an der Endhaltestelle in Littenweiler belästigt haben soll. Im Dezember hatte Zeuge S. noch ausgesagt, Hussein habe ihm gestanden, er habe die chinesische Frau vergewaltigen und töten wollen. Jetzt bestreitet S. diese Aussage. Der Staatsanwalt nimmt den Zeugen jetzt in die Mangel: "Auf dem Protokoll steht Ihre Unterschrift." "Das wurde mir so nicht vorgelesen", behauptet S.

"Nein, das hat er nicht gesagt. Gott ist mein Zeuge." Zeuge S. Der Zeuge berichtet außerdem von einer Tätowierung an Husseins Körper. Es habe sich um ein Hakenkreuz gehandelt. Hussein habe es sich entfernen lassen, "weil die Polizei ihn belästigt hatte". Er sei im griechischen Gefängnis von den Wärtern wegen der Tätowierung geschlagen worden. Er habe sich das Hakenkreuz dann mit Zigarettenkippen selbst weggebrannt.

Auf eine Nachfrage des Nebenklage-Anwalts Bernhard Kramer, erklärt S., dass es in Afghanistan vorkomme, dass kleine Jungen in Mädchenkleider gesteckt und missbraucht werden. Hussein K. hatte sich in ...

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