Dritter Prozesstag

Zeugen nahmen Hussein K. nicht als erkennbar betrunken wahr

Joachim Röderer, bz

Von Joachim Röderer & BZ-Redaktion

Mi, 13. September 2017 um 07:45 Uhr

Freiburg

Vor dem Landgericht Freiburg wurden Zeugen gehört, denen Hussein K. vor der Gewalttat an Maria L. in einer Bar begegnet ist. Sie haben mehrheitlich den Angeklagten nicht als betrunken erlebt.

Fazit: Hussein K. hatte in seinem Geständnis angegeben, dass er bei der Tat stark unter Einfluss von Alkohol und Drogen stand. Zeugen, die ihn in den Stunden vor der Tat in der "Sonderbar" in der Altstadt erlebt haben, können diese Schilderung allerdings nicht bestätigen. Im Gegenteil: "Gangart, Gestik waren völlig normal – nichts, was einem Betrunkenen nahekommt", erklärte der Betreiber der Bar vor Gericht. Eine Frau fühlte sich vom Angeklagten belästigt. Weil er ihr mehrfach zu nahe gekommen war, hatte sie ihn einmal richtiggehend weggestoßen. Zwei Gäste hatten durchaus positive Erinnerungen an den Angeklagten und das Gespräch mit ihm. Kurios: Ein Zeuge, dem Hussein K. ein sexuelles Angebot gegen Geld gemacht hatte, schilderte ihn als betrunken – und zählte diverse Vorfälle auf, die diese Ansicht stützen sollten. Auf dem Video aus der Überwachungskamera sind die beschriebenen Szenen allerdings nicht zu sehen. Wie der Zeuge, der im Zeugenstand sehr eloquent auftrat, zu seiner Einschätzung kam, blieb am Ende offen.

17:30 Uhr: Für heute ist der Prozess vorbei. Am 28. September wird weiter verhandelt.

17:20 Uhr: Nachdem das Überwachungsvideo aus der "Sonderbar" im Gericht abgespielt wurde, meldet sich Oberstaatsanwalt Eckart Berger zu Wort und gibt eine Erklärung ab: Das Video hätte eindeutig gezeigt, dass Hussein K. beim Tanzen nicht zu Boden gegangen sei – anders als vom 54-jährigen Zeugen zuvor dargestellt. Auch, dass er weder stark geschwankt habe noch zu betrunken gewesen sei, um eine Tür zu öffnen. Das Videomaterial widerspräche da also einer Zeugenaussage. . "Diese Aussage ist damit nachweislich falsch. Warum, das steht hier nicht zu bewerten", so Berger.

Auch Verteidiger Sebastian Glathe kommt zu Wort. Man werde prüfen müssen, ob das Video zu Verzerrungen führe, was die Beurteilung des Trunkenheitsgrades von Hussein K. angehe. Außerdem merkt Glathe an, dass klar gestellt werden müsse, ob die Aufnahme durchgängig sei oder ob Teile des Abends darauf fehlten.

15.30 Uhr: Aktuell wird das Überwachungsvideo aus der "Sonderbar" gezeigt – zwei Stunden im Schnelldurchlauf.

14.55 Uhr: Ebenfalls als Zeugin vor Gericht erschien an diesem dritten Verhandlungstag eine 32 Jahre alte Industriekauffrau. Sie war am 15. Oktober mit zwei Freundinnen für einen "Mädelsabend" in der "Sonderbar". Gemeinsam hätten sie ein paar Shots getrunken. "Wir waren überrascht, wie günstig es in dieser Bar war." Sie sei heiter gewesen, aber nicht betrunken und könne sich noch an alles erinnern.

"Ich hatte nicht den ...

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