Zickenheiner eröffnet grünen Salon mit Thema Klima

Ansgar Taschinski

Von Ansgar Taschinski

Fr, 22. November 2019

Lörrach

Neue Veranstaltungsreihe des Lörracher Bundestagsabgeordneten mit Ueli Mäder, Océane Delin, Katrin Engler und Bernd Laserstein.

LÖRRACH. "Wozu politische Klimaproteste?" Dieser Frage widmete sich am Dienstagabend der Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, Gerhard Zickenheiner, in seiner neuen Veranstaltungsreihe "Zickenheiners Grüner Salon" im Alten Rathaus in Lörrach. Eingeladen waren der Basler Soziologe Ueli Mäder sowie Vertreterinnen und Vertreter von Fridays for Future und Extinction Rebellion. Der Veranstaltungssaal war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Soziale Frage muss im Blick bleiben

Ueli Mäder ging in seinem kurzen Impulsvortrag auf die Probleme, Ursachen, Ziele und Konsequenzen der aktuellen Klimapolitik und -proteste ein. Bereits bei der ersten Umweltkonferenz der Uno 1972 habe es Bedenken gegeben, dass bei der Klimapolitik soziale Fragen auf der Strecke bleiben könnten. Auch heute müsse die soziale Frage beim Klimaschutz im Blick behalten werden. So würden bis 2030 bis zu 300 Millionen Menschen aufgrund des steigenden Grundwasserpegels weltweit zur Flucht gedrängt. Während die Macht der Wirtschaft seit Jahrzehnten stetig zunehme, fehle ein staatliches und demokratisches Gegengewicht, so der Basler Soziologe. Man dürfe die notwendigen Veränderungen nicht vom guten Willen der Mächtigen abhängig machen, sondern jeder Einzelne sei in der Pflicht, Druck zu machen und zu handeln. "Wir scheitern nicht an unseren Niederlagen, sondern an den Auseinandersetzungen, die wir nicht wagen", so Mäder.

In der Diskussion mit Océane Delin und Katrin Engler von Fridays for Future sowie Bernd Laserstein von Extinction Rebellion sagte Engler, es sei unglaublich gewesen, als gleich zur ersten Fridays for Future-Demo in Lörrach 800 Schülerinnen und Schüler kamen. Auf die Verabschiedung des Klimakonzepts der Bundesregierung reagierte sie "wütend und enttäuscht", sagte Delin. Zugleich sei es ein Ansporn weiter Druck zu machen. Laserstein stellte die Ziele der Extinction-Rebellion-Bewegung vor. Sie habe drei Hauptforderungen: Die Politik müsse die desaströse Lage klar benennen, schnell zur Tat schreiten und neue demokratische Beteiligungsformen finden. Um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, nutze man zivilen Ungehorsam, verhalte sich dabei aber stets gewaltfrei.

Mäder lobte die Selbstreflexion der Bewegungen. Statt sich in ideologischen Grabenkämpfen und Radikalität zu verzetteln, seien sie bereit, Widersprüche zuzulassen und Pluralität anzuerkennen. Zickenheiner wollte wissen, wie mit dem Zeitdruck durch den Klimawandel umzugehen sei. Engler betonte, mehr Radikalität sei der falsche Weg. Die jungen Aktivistinnen erwähnten die Schwierigkeit, Schüler jenseits des Gymnasiums zu erreichen. Mäder forderte, nicht missionarisch aufzutreten, sondern sein Gegenüber ernst zu nehmen.

Eine der Anwesenden erinnerte daran, wie sie bereits zu Schulzeiten von den Erkenntnissen des Club of Rome und den Grenzen des Wachstums erfahren und dennoch nichts unternommen habe. Die neuen Bewegungen machten dieses Wissen endlich lebendig. Zickenheiner forderte, die positiven Aspekte des Klimaschutzes zu betonen und die attraktive Zukunft, die möglich sei, hervorzuheben. Auf lokaler Ebene könne viel erreicht werden. Laserstein hingegen betonte, Klimaschutz sei ein globales Thema: "Die spannende Frage ist, wie wir die Global Player dazu bringen können, Veränderungen vorzunehmen." Der alleinige Fokus auf das persönliche Handeln könne auch zu einer Art Trostpflaster werden.

Mäder: Demokratie muss demokratisiert werden

Auf die Frage, wie man Klimaschutz trotz wechselnder Regierungen weltweit etablieren könne und ob es nicht auch Reformen in der Ausgestaltung der Demokratie brauche, betonte Mäder die Notwendigkeit eines starken demokratischen Staates, um als Korrektiv gegenüber Wirtschaftsinteressen zu dienen. Zugleich gelte es, die Demokratie zu demokratisieren, etwa durch die Ausweitung von neuen Formen der Teilhabe. Delin machte auf den nächsten Klimastreik in Lörrach aufmerksam. Die Teilnehmenden treffen sich heute, Freitag, 12 Uhr, auf dem Lörracher Bahnhofsplatz.