Ziel ist "ein fast perfektes Bahnsystem"

Wolfgang Mulke

Von Wolfgang Mulke

Mi, 01. Juli 2020

Wirtschaft

Schienenpakt vorgestellt.

. Zwei Jahre haben Bahnunternehmen, Verbände, Industrie und Verkehrsministerium an einem Fahrplan für ein modernes Bahnsystem in Deutschland gearbeitet. "Wir haben 2040 ein fast perfektes Bahnsystem", meint Enek Ferlemann, der Bahnbeauftragte der Bundesregierung. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Ein erster Schritt ist der "Schienenpakt", den Vertreter der beteiligten Branchen und Behörden am Dienstag unterzeichneten.

Ein Kernpunkt ist die Einführung des Deutschland-Takts. Fernzüge sollen die Metropolen halbstündlich, Großstädte stündlich miteinander verbinden. Der Takt wird mit den Regionalzügen abgestimmt. "Eine kleine Revolution" nennt Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) dies. Der Startschuss fällt beim Fahrplanwechsel im Dezember auf der Strecke Hamburg- Berlin. Gleichzeitig soll der 30-Minuten-Takt zwischen München und Zürich eingeführt werden, wo sich die Reisezeit um eine halbe Stunde verkürzt. Ein Jahr darauf geht es zwischen Ulm und Lindau los, Ende 2022 zwischen Stuttgart und Ulm, 2023 zwischen Braunschweig und Wolfsburg. In der zweiten Hälfte des Jahrzehnts folgen München-Mannheim, München-Würzburg, Kassel-Hamburg und Hannover-Berlin.

Güterverkehr befürchtet Engpass

Damit dies klappt, müssen die Kapazitäten des Schienennetzes deutlich erhöht werden. "Für viele gute Ideen gibt es noch nicht einmal eine Finanzierungszusage der Bundesregierung", kritisierte der bahnpolitische Sprecher der Grünen, Matthias Gastel. Auch wenn die Ziele des Schienenpakts partei- und branchenübergreifend unterstützt werden, unterscheiden sich die Interessen der Beteiligten. Die größte Konfliktlinie verläuft zwischen der Bundesregierung und der Deutschen Bahn auf der einen und den gut 400 privaten Bahnunternehmen auf der anderen Seite. Das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) befürchtet, dass die Güterbahnen durch den Halbstundentakt zwischen Hamburg und Berlin ausgebremst werden. Die Kapazität der Trasse reiche nicht für alle Verkehrsarten aus.