"Beitragen, was ich kann"

Noa Cloete, Klasse 4a, Tunibergschule

Von Noa Cloete, Klasse 4a, Tunibergschule (Opfingen)

Fr, 26. März 2021

Zisch-Texte

ZISCH-INTERVIEW mit Katastrophenhelferin Damaris Frick über ihre Einsätze weltweit und die Freude über eine Tafel Schokolade.

Zisch-Reporterin Noa Cloete aus der Klasse 4a der Tunibergschule in Freiburg-Opfingen hat ihre Tante Damaris Frick, die in London lebt, interviewt. Sie ist seit 2006 Katastrophenhelferin bei der Heilsarmee.

Zisch: Was genau bedeutet es, Katastrophenhelferin zu sein?
Frick: Als Katastrophenhelferin hat man es mit Naturkatastrophen wie Erdbeben, Wirbelstürmen, Überflutung und so weiter zu tun, aber auch mit von Menschen gemachten Katastrophen wie Krieg und Vertreibung. Wenn eine Katastrophe passiert, brauchen viele Menschen schnell Hilfe. Das kann medizinische Hilfe bedeuten, Hilfe mit Lebensmitteln, Decken, Kleidern, aber auch Notunterkünften oder Nottoiletten. Nach der Soforthilfe geht es um Wiederaufbauhilfe, da hilft man mit Projekten zum Wiederaufbau von Häusern, Schulen, Krankenhäusern und so weiter. Und vor den Katastrophen ist man damit beschäftigt, zu helfen, dass Menschen besser vorbereitet sind, dass zum Beispiel Häuser erdbeben- oder hochwassersicher gebaut werden.

Zisch: Und was genau ist deine Aufgabe?
Frick: Ich arbeite für die Katastrophenabteilung der internationalen Heilsarmee. Unsere Einrichtung gibt es in 131 Ländern und viele davon sind von Katastrophen betroffen. Ich arbeite meist mit lokalen Landesleitern oder Projektmanagern unserer Organisation zusammen und unterstütze sie. Meine Aufgaben sind vielfältig. Das kann bedeuten, dass ich nach einer Katastrophe schnell irgendwo hinfliege und mit den Kollegen vor Ort entscheide, welche Hilfe wir anbieten können, für wie viele Familien und in welcher Gegend genau. Ich helfe den Kollegen beim Schreiben von Projektanträgen und stelle sicher, dass unsere Arbeit mit der dortigen Regierung und anderen Hilfsorganisationen koordiniert wird. Zu anderen Zeiten halte ich Trainingskurse für unsere lokalen Mitarbeiter, so dass sie bei der nächsten Katastrophe noch besser und schneller reagieren können.

Zisch: Wie verständigst du dich denn?
Frick: Meine Hauptsprache bei der Arbeit ist Englisch. Außerdem kann ich noch ein bisschen Französisch und Spanisch. In vielen nicht-englischsprachigen Ländern arbeite ich mit Übersetzern.

Zisch: Wie lange dauert ein Einsatz?
Frick: Das kommt darauf an. Wenn ich nur für ein Training irgendwohin gehe, ist es auch mal nur für eine Woche. Nach einer Katastrophe sind es aber eher mehrere Wochen bis zu drei Monaten.

Zisch: Wow, das ist lange! Wie ist das, so lange von zuhause weg zu sein?
Frick: Am Anfang waren meine Einsätze meist mehrere Monate lang und zwischen den Einsätzen war ich oft nur kurz zu Hause. Im Laufe der Jahre hat sich meine Rolle verändert und dadurch auch manche meiner Aufgaben. Daher habe ich jetzt gerade kaum mehr Einsätze, die länger als vier Wochen gehen. Da ich zuvor immer viel länger weg war, kommen mir vier Wochen gar nicht mehr so lang vor. Klar vermisst man Familie und Freunde und auch das eigene Bett oder eine Tafel Schokolade, aber das kann man ja alles wieder genießen, wenn man zurück ist.

Zisch: Wie viele Einsätze hattest du schon?
Frick: Ich hatte sicherlich schon fast 100 Trips, seit ich diesen Job begonnen habe, aber das beinhaltet natürlich auch kurze, für ein Meeting oder eine Konferenz.

Zisch: Und in wie vielen Ländern warst du schon?
Frick: Insgesamt war ich schon in 109 Ländern, aber nicht nur wegen Katastrophen, sondern da sind auch Urlaube und so dabei.

Zisch: Was war denn dein spannendster Einsatz? Und was dein schönster?
Frick: Jeder Einsatz ist besonders, mit tollen Menschen und Begegnungen. Mein allererster Einsatz für drei Monate in Nord-Pakistan wird immer eine besondere Erinnerung für mich bleiben, einfach weil es das erste Mal war. Aber auch andere Einsätze, wie nach einem Wirbelsturm in Myanmar, nach dem großen Erdbeben in Haiti, nach kriegerischen Konflikten im Kongo, Wirbelstürmen in den Philippinen oder in Vanuatu oder einem Erdbeben in Nepal oder einem Tsunami in Indonesien waren spannende, traurige, aber auch sehr bewegende und schöne Zeiten.

Zisch: Was ist für dich die größte Herausforderung?
Frick: Die größte Herausforderung bleibt immer, dass man in einer Situation, in der die Not unglaublich groß ist, nicht den Mut und die Kraft verliert. Man muss sich daran erinnern, dass man alleine nicht alles wieder gutmachen kann. Meine Aufgabe ist es, das, was ich kann, dazu beizutragen, dass manche Menschen wieder ein Leben in Würde leben können. Andere Menschen und andere Organisationen tragen dann ihren Beitrag dazu bei.

Zisch: Wie hat Corona deine Arbeit verändert?
Frick: Vor Corona waren Katastrophen eher in einem Land oder einer Region, jetzt haben wir es mit einer globalen Katastrophe zu tun. In fast allen Ländern, wo es die Heilsarmee gibt, finden Hilfsprojekte statt, und meine Aufgabe ist es, diese zu koordinieren, Richtlinien auszugeben und so weiter. Reisen kann ich gerade nicht, ich bin viel in virtuellen Meetings mit Menschen überall auf der Welt.

Zisch: Gibt es spezielle Sicherheitsvorkehrungen während eines Einsatzes?
Frick: Ja, die gibt es immer, denn manchmal ist man ja in einer Gegend, die von politischen Unsicherheiten oder einer hohen Kriminalität betroffen ist. Da muss man vorher wissen, was man vermeiden oder in welche Gegenden man nicht ohne Begleitung gehen sollte.