Interview

Zwei Fotografen klagen mit Bildern die industrielle Landwirtschaft an

Stefan Hupka

Von Stefan Hupka

So, 08. September 2019 um 10:58 Uhr

Südwest

BZ-Plus Der Chemiker Wolf-Dietmar Unterweger und sein Sohn Philipp, Biologe, zeigen in ihren Bildbänden, was verloren geht durch die industrielle Landwirtschaft. Wir trafen sie in ihrem Dorf Wain in Oberschwaben.

BZ: Meine Herren, auf Ihren Fotos sieht man nirgends eine Steckdose, Melkmaschine, einen Traktor oder sonst etwas, das man technischen Fortschritt nennt. Haben Sie das alles herausgeschnitten?
Unterweger sen.: Nein, wenn ich auf unseren Touren einem traumhaften Bauernhaus begegnet bin und es stand ein Traktor davor, etwa im Harz, dann sind wir weitergefahren. Jammerschade, ja. Aber ich bin nie ausgestiegen und habe gefragt, ob man den Traktor vielleicht hinter den Schuppen fahren könnte...

BZ: ... Sie dulden keinen Traktor auf Ihrem Bild?
Unterweger sen.: Nein, ich will keine Technik mit CO2-Ausstoß auf meinen Bildern haben.

BZ: Ist der Sohn da so streng wie der Vater?
Unterweger jun.: Nein, bei mir ist im Bild auch eine Stromleitung erlaubt. Weil ich sage, dieser Bauer muss abends noch mit Kollegen anderswo auf der Welt kommunizieren. Austausch ist wichtig, auch für den Weltfrieden. Deshalb sind bei mir Kabel erlaubt.

BZ: Was ist mit regenerativen Energien, Windkraft, Photovoltaik, das ist ja auch alles Technik?
Unterweger sen.: Das ist sicher alles ganz wichtig – aber auch das kommt bei mir nicht vor. Unsere Bücher sind eben ein Zweigenerationenprojekt, der Vater lernt vom Sohn, und der Sohn lernt vom Vater.
Unterweger jun.: Verstehen Sie uns nicht falsch. Von musealem Denken sind wir weit entfernt. Bei manchen alten Bauernhäusern kriegt man ja schon vom Anschauen Rheuma. Wir wollen nicht, dass die Leute krank werden. Aber wir wollen den Betrachter einladen nachzudenken. Natürlich gibt es Arbeiten auf dem Hof, die man erleichtern kann, ein Rad ohne Kugellager hat heute keinen Sinn. Auch soll keiner mehr wie früher 50-Kilo-Säcke hieven müssen. Da muss Fortschritt rein. Den braucht man auch für die soziale Absicherung, die Gesundheit, das Tierwohl. Wir brauchen Strom und Energie – aber eben im gesunden Maß.

BZ: Was denkt die Nachbarschaft hier im Dorf über Sie und Ihre Ideen?
Unterweger sen.: Da gibt es schon eine gewisse Distanz. Aber damit kann ich leben.
Unterweger jun.: Als Akademiker haben Sie immer ein Problem auf dem Dorf. Schriftsteller – was ist das? Schafft der nix, dein Papa? Solche Fragen habe ich früher oft gehört. Auf dem Dorf gibt es eine ...

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