Pädagogen nähen für Altenheim

Zusammenhalt geht auch mit Abstand

Juliane Kühnemund

Von Juliane Kühnemund

Do, 02. April 2020 um 16:32 Uhr

Bonndorf

Lehrerinnen und Erzieherinnen unterstützen das Bonndorfer Altenpflegeheim und nähen 200 Stoffmasken. Die Corona-Krise zwingt die Bewohner in die Einsamkeit.

BONNDORF. Die Versorgung mit Schutzmasken ist in Bonndorf zunächst einmal gesichert. In einer konzertierten Aktion nähten Lehrerinnen des Bildungszentrums und Erzieherinnen der städtischen Kindergärten 200 Stoffmasken, die dem Altenpflegeheim St. Laurentius übergeben wurden. Nachdem die Corona-Infektionsschutzvorschriften in den Pflegeeinrichtungen verschärft wurden, war diese Gabe bei den Pflegekräften sehr willkommen.

Die Nähmaschinen rattern
Die Sache habe perfekt, schnell und unkompliziert geklappt, freute sich Bürgermeister Michael Scharf über das Engagement der pädagogischen Kräfte. Die Idee war gerade geboren, da ging es auch schon an die Umsetzung. Eine Nähanleitung hätten sich die kreativen Damen per Internet von der Stadt Essen besorgt, "die Stoffe kamen von überall her", so Scharf, auch Gummis und Schrägband wurden gespendet. Die Stoffe wurden gewaschen und dann ratterten die Nähmaschinen. Innerhalb eines Tages konnte sich das Ergebnis dann sehen lassen: 200 Schutzmasken waren fertig.

Freude beim Pflegepersonal
Dringend benötigt werden Masken im Altenpflegeheim und so wurden diese ersten 200 Schutzmasken ans Personal des Bonndorfer Heims übergeben. Dort war die Freude groß: Ein dickes in großen Lettern geschriebenes "DANKE!" folgte von den Mitarbeitern des St. Laurentius, die die Masken auch postwendend ausprobierten.

Corona-Gefahr bringt Einsamkeit
Wie Bürgermeister Michael Scharf in diesem Zusammenhang erläuterte, gelten für Alten- und Pflegeheime spezielle Pandemievorschriften, schließlich zählen ältere Menschen zu den Risikogruppen. Klar ist, dass Hygienemaßnahmen zu hundert Prozent eingehalten werden müssen, dazu gehöre auch eine Schutzausrüstung. Im Heim in Bonndorf verfüge man nun über Stoff-, Papier- und Handwerkermasken. Auch beim Essen läuft nichts mehr so, wie gewohnt. Das gemeinsame Essen der Heimbewohner gehört der Vergangenheit an. Wegen der Corona-Gefahr müssen die Seniorinnen und Senioren in ihren Zimmern bleiben, per Tablettservice wird das Essen dort serviert. Auch Besuche im Altenheim sind untersagt, ebenso wie gemeinschaftliche Aktionen. Für die Seniorinnen und Senioren seien diese Einschränkungen, die quasi zu einer Vereinsamung führen, teils schwer zu ertragen, weiß der Bonndorfer Rathauschef. Insbesondere Bewohner mit Demenz könnten nicht verstehen, dass ihre Angehörigen nicht mehr zu Besuch kommen. Der Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus habe aber jetzt Priorität, so Scharf.

Nähaktion geht weiter
Die Schutzmasken-Nähaktion soll im Übrigen weitergeführt werden. Lehrer und Erzieherinnen haben sich laut Michael Scharf ohnehin bereits über eine Corona-WhatsApp-Gruppe vernetzt und würden sich freuen, weiter aktiv sein zu können. In diesem Zusammenhang erging auch bereits ein Aufruf: "Wir brauchen noch Hosengummis und Schrägband". Wer etwas entbehren kann, kann dies im Bürgerservice im Rathaus abgeben.

Erzieherinnen vermissen die Kinder
Während die Pädagogen des Bildungszentrums ihre Schülerinnen und Schüler weiter mit Lernstoff für zu Hause versorgen, haben die Erzieherinnen der Kindergärten derzeit keinen Kontakt zu den Kindern. In Bonndorf gibt es laut Bürgermeister Michael Scharf auch keine Kindergarten-Notfallgruppe. Im Vorfeld der Schließung der Kindergärten hätten sich die Erzieherinnen mit allen Eltern telefonisch in Verbindung gesetzt, die Situation erklärt und die Eltern beraten. Alle Eltern hätten sich dann dafür entschieden, ihre Kinder daheim zu lassen. "Das ist auf jeden Fall die sicherste Betreuung", meinte Michael Scharf. Derweil vermissen die Erzieherinnen allerdings ihre Schützlinge. Und nach Auskunft des Rathauschefs haben sich die Frauen angesichts des bevorstehenden Osterfestes eine Überraschung für die Kinder einfallen lassen. Man darf gespannt sein. Bürgermeister Michael Scharf abschließend: "Solche Aktionen machen Hoffnung in der Krisenzeit."