Zwei Eishockeyspieler auf freiem Feld

Heidrun Simoneit

Von Heidrun Simoneit

Di, 02. März 2021

Eishockey

Fabio und Laurin Lauble haben den Profitraum aufgegeben, spielen für die Stuttgart Rebels und basteln an ihrer beruflichen Zukunft.

Als Jugendliche träumten sie von einer großen Karriere, ihr Ziel war die Eishockey-Profiliga in Nordamerika. Talent und Ehrgeiz brachten sie mit. Doch mittlerweile ist der Traum ausgeträumt: Verletzungen, eine andere Lebensplanung und auch eine vernünftige Selbsteinschätzung haben die Brüder Fabio (22) und Laurin Lauble (19) aus Löffingen dazu bewogen, ihre Profiträume aufzugeben. Eishockey begleitet sie dennoch weiter durchs Leben.

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Mittlerweile gehen beide für den Regionalligisten Stuttgart Rebels in der vierten Liga aufs Eis, Corona-bedingt pausieren die Vereine jedoch. Fabio studiert, Laurin macht gerade das Abitur – sie haben inzwischen andere Ziele und Träume. Aufmerksame Spaziergänger trauten ihren Augen nicht. Waren es wirklich zwei junge Männer, die da auf Schlittschuhen und mit Schläger über die holprige Natureisfläche flitzten? Beim Näherkommen sah man den kleinen, schwarzen Puck zwischen beiden hin- und hersausen. Manch sonntäglicher Luftschnapper blieb fasziniert stehen und dachte verwundert: Mensch, die können das aber gut. Fabio Laule, ehemaliger Juniorennationalspieler mit Stationen in Schwenningen, Köln, Regensburg und Schaffhausen und mit Angeboten von amerikanischen Universitäten, hatte nach langer Suche eine kleine Fläche auf einem freien Feld gefunden, wo sich eine stabile Eisdecke gebildet hatte: "Ich war gestern schon am Kirnbergsee, aber da ging gar nichts. Der See ist nicht komplett zugefroren."

Hier aber geht endlich was. Ein kurzer Test und ein genauer Blick auf den unebenen Naturboden – der Daumen geht nach oben. Auch sein Bruder Laurin, ehemaliger Spieler der Schwenninger Wild Wings, schnürt die Schlittschuhe, holt Handschuhe und Schläger raus. Rasante Zweikämpfe der beiden Stürmer folgen, die kalte Luft spüren sie schon nach wenigen Minuten nicht mehr. Für Eishockey brennen die Brüder immer noch. Besonders Fabio hatte es nach zahlreichen Verletzungen nicht leicht: Mit 16 Jahren riss die Patellasehne, neun Monate Pause. Zwei Bänder rissen in der linken Schulter, ein Außenband riss am Fuß, und ein Leistenbruch stand kurz bevor:

"Ich war immer der besttrainierte Spieler, aber ich war auch derjenige, der am anfälligsten war", sagt Fabio. "Fast keine Saison konnte ich durchspielen. Auch in Stuttgart war ich wieder verletzt, diesmal an der Leiste. Vielleicht hatte ich in der Jugend einfach zu früh zu viel Belastung." Als ihm irgendwann klar wurde, dass er das Ziel Profikarriere nicht mehr verwirklichen konnte, wechselte er von Schaffhausen nach Stuttgart. Mittlerweile studiert Fabio Laule an der dortigen Universität Wirtschaftspädagogik im fünften Semester und spielt nebenher Eishockey.

"Fabio hat das Talent, ich den Ehrgeiz", sagt Laurin. Er blieb bis auf zwei Gehirnerschütterungen von schweren Verletzungen verschont. Mit 15 Jahren bekam Laurin ein Angebot von der Düsseldorfer EG, die spielte damals eine Liga höher als Schwenningen: "Aber nachdem die Wings in dieselbe Liga aufgestiegen waren, blieb ich hier." Ein Wechsel ins benachbarte Ausland kam für ihn nie in Frage: "Da dürfen nur zwei Ausländer spielen. Das wäre schwierig geworden." Nach dem Abitur in Donaueschingen will er auch nach Stuttgart ziehen.

Ein Studium der Elektrotechnik ist geplant. Für die Rebels will er weiter spielen: "Man wird gut betreut, hat das Gefühl, ein Profi zu sein. Ein Aufstieg wäre cool, aber dann müssten wir wieder mehr trainieren."