Zwei Musiker steigen in die Politik ein

Ulrike Derndinger

Von Ulrike Derndinger

Sa, 22. Juni 2019

Meißenheim

NEU IM GEMEINDERAT: Bodo Lange und Sven Kirner, beide Blechbläser im Musikverein Kürzell, wollen verstärkt Vereine voranbringen.

MEISSENHEIM. Zwei Meißenheimer und zwei Kürzeller der Freien Liste sind frisch in den Gemeinderat gewählt worden. Heute im Porträt: Die beiden Kürzeller Bodo Lange und Sven Kirner.

Bodo Lange
Gedanken über die Kommunalpolitik hat sich der 30-jährige Bodo Lange bis jetzt grundsätzlich keine gemacht, räumt er freimütig ein. Dann kam sein Nachbar und Chef der Freien Liste, Hugo Wingert, auf ihn zu und lud ihn zum Treffen der Freien Liste ein. Danach entschied er sich, mitmischen zu wollen: "Es war schnell klar, dass ich mich für die Gemeinde einsetzen will. Mein Großonkel hat immer gesagt: Dagegen geschwätzt ist schnell. Wenn man sich nur beklagt, kommt man nicht voran."

Mit 955 Stimmen landete er im Mittelfeld des Gemeinderats. Seinen Wahlerfolg schreibt Bodo Lange seinem Bekanntheitsgrad zu. Er bezeichnet sich selbst als Vereinsmenschen. Im Musikverein Kürzell spielt er Posaune und Bariton, er leitet das Jugendorchester des Musikvereins Ottenheim, bei den Sportfreunden Kürzell pausiert er derzeit mit dem Fußballspielen wegen einer Verletzung. Vereinen und ihrer Nachwuchsarbeit fühlt er sich verbunden. Deshalb will er sich dafür einsetzen, dass gerade der Nachwuchs in den Vereinen gefördert wird und Vereine generell unterstützt werden.

Bodo Lange ist mit einem Zwillingsbruder und einer Schwester in Kürzell aufgewachsen, hat eine Freundin und lebt bis heute in seinem Elternhaus. In Stuttgart hat er Architektur studiert und mit dem Abschluss Bachelor of Arts in der Tasche arbeitet er nun im Architekturbüro Schlager und Partner. In seinem Job hat Lange auch schon Projekte in Gemeinderatssitzungen vorgestellt und weiß daher, wie zäh es manchmal zugehen kann. "20 Köpfe, 20 Meinungen kann ein Gemeinderat bedeuten. Mir ist klar, dass man sich oft auf der Stelle bewegt und manche Probleme nicht in zwei oder vier Wochen gelöst sind." Auch wenn er wisse, dass er nicht alles umkrempeln könne, gehe er das Amt mit Elan an.

Der Lückenschluss im Lärmschutzwall und die Gestaltung der Ortsmitte von Meißenheim sind Themen, die er als wichtig einstuft. Letzteres interessiert ihn auch von Berufs wegen. Auf die Frage, wie er die Idee findet, dort Seniorenwohnungen zu bauen, meint er: "Grundsätzlich würde ich mich nicht nur auf eine Sache fixieren. Meistens ist eine Mischung, bei der dann jeder was abbekommt, besser."

Bodo Lange freut sich, Teil des neuen, verjüngten Gemeinderats zu sein. Er findet gut, dass seine Generation die Gemeinde selbstverständlich als Einheit wahrnimmt. Er ist gespannt, wie das Ganze nun in der Praxis abläuft. Und er hofft, dass daneben Zeit bleibt für seine Freundin, seine Vereine und sein Hobby, das Pferdekutschenfahren.

Sven Kirner
Beim zweiten Versuch ist es Sven Kirner gelungen. Er wurde in den Gemeinde- und Ortschaftsrat gewählt. 832 Stimmen haben dem 41-jährigen Kürzeller den Weg über ein Ausgleichsmandat in die Gremien geebnet. Er freut sich über das Vertrauen, das ihm die Wähler geschenkt haben. "Ich finde es gut, auch wenn ich jetzt nicht unbedingt dafür gekämpft habe", sagt Kirner und schmunzelt.

Mit seinem Namen verbindet sich untrennbar der Musikverein Kürzell. Seit 30 Jahren ist Kirner Mitglied, spielte Posaune und jetzt Tuba. Seit 22 Jahren ist er Vorstandsmitglied im Verein, seit 14 Jahren ist er selbst in Vorstandsfunktion, die er sich seit 2011 mit vier weiteren Mitgliedern teilt. Kirner denkt, dass ihm diese Erfahrungen auch im Gemeinderat helfen werden: Menschenkenntnis habe ihm das Vereinsamt eingebracht und reichlich Finanzwissen: "Ich war auch schon Rechner." Er will sich generell für Vereine einsetzen, darunter dafür, dass das Gebäude (die alte Zigarrenfabrik), in der der Musikverein probt, auf Vordermann gebracht wird.

Vermutlich wird auch Sven Kirners Berufserfahrung in das Amt einfließen. Der Elektromeister, der in der Firma Herrenknecht Tunnelvortriebstechnik gelernt hat und dort jetzt stellvertretender Ausbildungsleiter ist, braucht in seinem Job Gefühl für Jugendliche und ihre Bedürfnisse. Das Thema Bildung und dazu die Freizeitgestaltung Jugendlicher, wozu ja auch die Nachwuchsförderung gehöre, seien deshalb Themen, die ihn interessierten. Er freut sich, dass sich der Gemeinderat verjüngt und damit frischer Wind hereinkomme. Sorge, das komplizierte Verwaltungsdeutsch in den Vorlagen nicht zu durchschauen, macht sich Kirner indes keine: "Zahlen und Statistiken machen mir Spaß."

Der verheiratete Vater von drei Kindern im Alter von zwölf, zehn und drei Jahren, der mit seiner Familie im Eigenheim im Luckenloch wohnt, blickt mit Spannung aufs neue Amt. Auch wenn er ohne natürlich mehr Freizeit hätte, sagt er und lacht herzlich. Dass man Zeit investiert, gehöre für ihn aber selbstverständlich dazu. Letztlich profitiere von seiner neuen Aufgabe auch seine Familie: "Schlussendlich haben die Kinder ja auch was davon."