Ausgezeichnet

Zwei Unternehmen aus der Region Freiburg erhalten den Umwelttechnikpreis des Landes

Holger Schindler

Von Holger Schindler

Mi, 21. August 2019 um 19:48 Uhr

Freiburg

Der Raum Freiburg ist der große Gewinner beim baden-württembergischen Umwelttechnikpreis 2019. Zwei Betriebe aus der Region gehören zu den vier Kategorie-Siegern des landesweiten Wettbewerbs.

Rund 50 Prozent Einsparung – das verspricht das Freiburger Unternehmen Nexwafe für die Herstellung sogenannter Siliziumwafer, die in riesiger Zahl in Solarmodulen zum Einsatz kommen. Möglich sei dies durch ein neues, selbst entwickeltes Produktionsverfahren. Das neue Verfahren könnte die Solarbranche weltweit durcheinander wirbeln. Dafür gab es nun den Umwelttechnikpreis der Landesregierung. Auch die Firma Luftmeister in Kirchzarten wurde ausgezeichnet – für einen neuartigen Luftenergiezähler.

Der Raum Freiburg ist der große Gewinner beim diesjährigen baden-württembergischen Umwelttechnikpreis. Gleich zwei Betriebe aus der Region gehören dieses Mal zu den vier Kategorie-Siegern des landesweiten Wettbewerbs. "Wir sind sehr stolz auf die Auszeichnung", sagt Stefan Reber (50), Mitgründer und Geschäftsführer des Freiburger Unternehmens Nexwafe, "denn die Konkurrenz war groß."

Doch die Gedanken des Nexwafe-Teams – der Betrieb zählt 25 Mitarbeiter – drehen sich schon um das nächste Projekt. Die Freiburger planen eine ausgewachsene Wafer-Fabrik in Bitterfeld, Sachsen-Anhalt. "Wir werden dort einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag investieren", sagt Frank Siebke (55), ebenfalls Mitgründer. "Wir werden in Bitterfeld fertigen und in Freiburg weiter forschen", ergänzt Reber – die beiden Standorte seien für die verschiedenen Unternehmensbereiche optimal geeignet.

20 Jahre Forschung stecken im Herstellungsverfahren

An Optimismus und offenbar auch an Geldgebern mangelt es Nexwafe nicht. Kein Wunder, stecken doch bereits rund 20 Jahre Forschung in dem neuen Wafer-Herstellungverfahren. Nexwafe ist eine Ausgründung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE), wo Reber und Kai Schillinger, ein weiterer Mitgründer, tätig waren. Der Clou an der Nexwafe-Fertigungsmethode namens "Epinex" ist, dass die Siliziumwafer, hauchdünne, quadratische, graue Scheiben mit 15 Zentimeter Kantenlänge, dabei nicht aus großen Siliziumsäulen gesägt, sondern per Anlagerung unter hoher Temperatur geklont werden. Das heißt, dass die Materialverluste durch die sonst übliche Sägemethode entfallen, die fast die Hälfte der ursprünglichen Siliziummenge ausmachen. Siliziumwafer sind wesentliche Bausteine von Solarmodule.

Derzeit mietet Nexwafe 700 Quadratmeter Büro- und Laborfläche bei TDK-Micronas im Industriegebiet Nord. Die dortige Pilotfertigungsanlage muss für die geplante Fabrik in Bitterfeld um den Faktor 20 vergrößert werden. "Da kommt nochmals viel Arbeit auf uns zu", sagt Reber. Letztlich erwarten die Nexwafe-Macher allerdings, dass ihr patentgeschütztes Verfahren die ganze Industrie umwälzen könnte. "Damit wird nämlich Wafer-Herstellung auch in Deutschland wieder konkurrenzfähig", erklärt Frank Siebke.

Ein Luftenergiezähler hilft, Verbräuche zuzuordnen

Ähnlich bahnbrechend erscheint eine Erfindung des Wirtschaftsingenieurs Jens Amberg (52), Chef der Firma Luftmeister in Kirchzarten. Dahinter stehen als Muttergesellschaft das ebenfalls in Kirchzarten beheimatete Unternehmen Halstrup-Walcher sowie als weitere Geldgeber die Gaswerke Zürich und das Versorgungsunternehmen Danpower in Potsdam. Amberg hat einen Luftenergiezähler entwickelt und patentieren lassen, mit dessen Hilfe man genau messen kann, welche Wärme- und Kälteenergie durch die Kanäle von Lüftungs- und Klimaanlagen strömen. Damit wird es beispielsweise möglich, die Verbräuche etwa in Einkaufszentren oder Bürogebäuden den einzelnen Mieter exakt zuzuordnen. Bislang werden diese Kosten meist einfach per Fläche zugerechnet. "Mit unserem Zähler entsteht nun ein starker Anreiz, sparsam beim Kühlen und beim Heizen zu sein", erklärt Amberg.

Um die nötige Eichfähigkeit des Zählers hinzubekommen, musste Amberg zunächst sogar noch die Schaffung einer eigenen Din-Produktnorm anstoßen. Mittlerweile liegt diese vor: DIN 94701 regelt, welche technischen Anforderungen Luftenergiezähler erfüllen müssen.
Umwelttechnikpreis

Der Umwelttechnikpreis Baden-Württemberg ist dieses Jahr zum sechsten Mal vergeben worden. Alle zwei Jahre zeichnet das Umweltministerium in Stuttgart dabei herausragende und innovative Produkte und Verfahren in der Umwelttechnik aus. Der Preis ist insgesamt mit 100 000 Euro dotiert. Dieses Jahr erhielten die vier Gewinner der ersten Preise und eines Sonderpreises jeweils 9000 Euro Preisgeld.