Zyklon wütet über Südasien

Anne-Sophie Galli, Siddhartha Kumar, Nazrul Islam /KNA

Von Anne-Sophie Galli, Siddhartha Kumar, Nazrul Islam (dpa)/KNA

Fr, 22. Mai 2020

Panorama

Mindestens 80 Tote in Indien und Bangladesch / Tausende Häuser zerstört / Nothilfe läuft an.

. Mehr als 80 Menschen sterben, Tausende Häuser werden dem Erdboden gleich gemacht: Das ist die erste Bilanz von Zyklon Amphan, der mit viel Wind, Regen und Gewitter über Indien und Bangladesch hinweggefegt ist. In der 15-Millionen-Einwohner-Stadt Kolkata wurde der Flughafen überflutet, Strom und Telekommunikation in Teilen der Metropole im Nordosten Indiens fielen aus. Besonders vom Wirbelsturm betroffen war der Bundesstaat Westbengalen mit mindestens 72 Toten.

Die zuständige Regierungschefin sagte, dass die Naturkatastrophe ihr Gebiet stärker treffe als Corona und es wohl drei, vier Tage brauche, um das ganze Ausmaß der Schäden abzuschätzen. Ein Mann, der in der Nähe des Ortes lebte, an dem der Sturm am Mittwoch mit 185 Kilometern pro Stunde auf Land traf, sagte dem Fernsehsender NDTV: "Viele Gebiete sind verwüstet und es gibt keine Wasserversorgung. In unserem Dorf hat dieser schreckliche Sturm alles platt gemacht." Eine Bewohnerin der Stadt Kolkata sagte: "Unsere Fenster haben gerüttelt und unser Haus hat sich wegen des Sturms bewegt. Ich habe sowas noch nie erlebt."

In beiden Ländern wurden vor dem Eintreffen des Sturms mehr als drei Millionen Menschen in Notunterkünfte gebracht. Indien und Bangladesch haben viel Erfahrung mit starken Wirbelstürmen, die im Golf von Bengalen immer wieder vorkommen.

Bei einem großen Zyklon 1999 starben knapp 10 000 Menschen. Experten gehen davon aus, dass die Intensität der Stürme in den vergangenen Jahren auch wegen des Klimawandels tendenziell zugenommen hat. Die Opferzahlen waren aber in den vergangenen Jahren generell kleiner, da die beiden Länder inzwischen gute Notunterkünfte gebaut und Evakuierungspläne entworfen haben.

Einige Leute wollten aber nicht in die Notunterkünfte, so Behörden und Hilfsorganisationen. Manche hätten Angst gehabt, ihr Hab und Gut zurückzulassen, andere, sich in den Notunterkünften mit dem Coronavirus zu infizieren. Die Behörden beider Länder sagten, sie hätten mehr Notunterkünfte zur Verfügung gestellt, um Abstand zu gewährleisten. Es würden etwa leerstehende Schulen genutzt. Doch mehr Gebäude zu finden, sei schwierig gewesen, da einige Notunterkünfte zurzeit als Quarantäne-Gebäude oder temporäre Unterkünfte für gestrandete Wanderarbeiter dienten. In den Unterkünften wurden teils Masken und Desinfektionsmittel verteilt. Aber Fernsehbilder und Fotos zeigen, dass die Abstände nicht immer eingehalten wurden.

Angesichts der Zerstörungen hat die Hilfsorganisation Caritas international seinen Partnern vor Ort in einem ersten Schritt finanzielle Unterstützung in Höhe von 30 000 Euro versprochen. "Besonders dringend auf Unterstützung angewiesen sind insbesondere Arme, Alte und Kranke, die der Verlust ihres Hab und Guts existenziell trifft", teilte das Hilfswerk am Donnerstag in Freiburg mit. Caritas-Nothilfe-Teams hätten in schwer getroffenen Regionen Tausende Überlebens-Pakete für Familien in Schutzbauten und Evakuierungszentren bereitgestellt. Benötigt würden vor allem Lebensmittel, sauberes Trinkwasser, Hygiene-Artikel sowie Werkzeug und Material für die Reparatur der vom Sturm beschädigten Häuser.

Am Donnerstagnachmittag hatte sich Sturm Amphan abgeschwächt. Einige Menschen verließen die Notunterkünfte darauf bereits, wie Behörden mitteilten.