Denkmalpflege

110 Jahre altes Antilopenhaus im Basler Zoo nach Umbau wieder offen

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

So, 12. September 2021 um 13:01 Uhr

Basel

Die Bauarbeiten haben ein halbes Jahr gedauert und 1,5 Millionen Franken gekostet. Nun ist das 1910 eröffnete Antilopenhaus wieder zugänglich und Heimat von Okapis, Giraffen und Kleinen Kudus.

Nach sechsmonatigem Umbau und der folgenden Corona-bedingten Schließung öffnet das mehr als 110 Jahre alte Antilopenhaus im Basler Zoo wieder seine Türen. Das 1909 im neoklassizistischen Stil erbaute Haus verkörpert als ältestes Tierhaus im Zoo eine vergangene Epoche und ist das bedeutendste erhaltene Gebäude aus den frühen Tagen des Zoos. Inzwischen wurde es aber mehrmals umgebaut und nun erneut für rund 1,5 Millionen Franken modernisiert.



"Das Antilopenhaus zeigt eindrücklich, wie sich Zoos laufend die neuen Erkenntnisse der Tierhaltung umgesetzt haben", schildert Zoo-Direktor Oliver Pagan in einer Mitteilung. Bewohnten Anfang des 20. Jahrhunderts noch acht Tierarten das Haus, sind es heute noch drei.

Nach dem neuerlichen Umbau stehen die Bewohner – Okapis, Giraffen und Kleine Kudus – auf einem rutschfesten Bodenbelag aus Gussasphalt. Deckenstrahlplatten bieten den Tieren im Winter zusätzlich Wärme. Zudem wurden die Außenanlage der Okapis neu mit Bambus bepflanzt, und eine neue Rüstküche für die Futterzubereitung und andere Neuerungen vereinfachen die Tierpflege. Die sanierte Heizung, eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung und das gedämmte Dach verbessern zudem die Energieeffizienz.

Zoo hat Umbau mit Denkmalpflege abgesprochen

"Das Antilopenhaus repräsentiert in idealtypischer Weise die Typologie der Zooarchitektur bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts", schildert Dominique Salathé dessen Basler Büro den Umbau geplant hat. Die Arbeiten wurden auch mit der Denkmalpflege abgesprochen und durch eine Restauratorin begleitet. Während des Umbaus befanden sich die Okapis und die Kleinen Kudus auf der für das Publikum nicht zugänglichen "Schutzmatte", wo eine provisorische Stallung bereitgestellt wurde.

Nach dem großen Raubtierhaus, das 1904 seine Türen öffnete, war das Antilopenhaus das zweite Großprojekt im Basler Zoo zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Verantwortlich für den Bau waren der Architekt Fritz Stehlin und der Ingenieur Eduard Riggenbach. Den Großteil der Kosten von damals 150 000 Franken verschlangen die Erdbewegungen, die beim Bau der Berganlage nötig wurden. Sie sollte die Tiere gegen die stark befahrene Elsässerbahn abschirmen. Bei der Eröffnung im Juli 1910 war in dem Haus eine beeindruckende Auswahl von Antilopenarten zu sehen unter anderem Elenantilopen.

Als Hauptattraktion waren auch Giraffen vorgesehen. Die dem Zolli durch den Basler Zoologen, Afrikaforscher und Großwildjäger Adam David vermittelten Tiere starben aber noch vor ihrer Abreise aus dem Sudan an einer Infektionskrankheit. Giraffen galten damals als schwierig zu halten und zu transportieren, weshalb sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts nur selten in Zoologischen Gärten zu sehen waren. 1912 klappte es dann trotzdem und erstmals zogen zwei Giraffen-Bullen aus Tansania in das Haus ein.

In den 1950ern kamen Kleine Kudus und Okapis hinzu

Wie bei vielen Tierhäusern aus dem 19. Jahrhundert wurde die Außenanlage sternförmig konzipiert. Die Ställe waren alle von einer zentralen Halle aus einsehbar und die Tiere in einer Art Panorama ausgestellt. Diese Bauweise entsprach der Absicht der damaligen Zoo-Verantwortlichen, die Tiere systematisch zu präsentieren und eine vergleichende Betrachtung zu ermöglichen. Die Zooarchitektur spiegelte die Bemühungen der Wissenschaft wider, die Natur zu katalogisieren. Über die Jahrzehnte veränderte sich der Tierbestand im Antilopenhaus immer wieder. In den 1950er-Jahren wurden erstmals erfolgreich Kleine Kudus und Okapis gehalten und gezüchtet.

Das Antilopenhaus wurde im Verlauf der vergangenen 111 Jahre immer wieder modifiziert: 1951 erhielten die Giraffen einen erweiterten Auslauf, 1959 bis 1961 gestaltete der Landschaftsarchitekt Kurt Brägger die Gehege neu. 1974 wurden alle Bodenbeläge erneuert, 1988 für die Kleinen Kudus eine Wurfbox mit einer Sichtblende gegen das Publikum eingerichtet und in den 1990er-Jahren die Tragsäulen, das Dach und die Fassade saniert. Die letzte größere Veränderung erfolgte 2009, als die neue Giraffen-Außenanlage eröffnet wurde.