Orkan Sabine

Bis zu 300 Wehrleute im Einsatz, sturmfrei an den Schulen

Tanja Bury

Von Tanja Bury

Mo, 10. Februar 2020 um 09:55 Uhr

Titisee-Neustadt

Alle Feuerwehren des Hochschwarzwalds sind mit bis zu 300 Personen im Einsatz. "Insgesamt zählten wir 186 Einsätze", sagt Gotthard Benitz, stellvertretender Kreisbrandmeister.

Es handelte sich vor allem um Bäume, die umgestürzt waren und Fahrbahnen blockierten. "Es waren so viele Straßen gesperrt, ich konnte sie gar nicht alle aufzählen", so Benitz, der mit der Führungsgruppe der Feuerwehren Hochschwarzwald die Einsätze im Feuerwehrhaus Neustadt koordinierte. Auch Straßen, die am Vormittag bereits geräumt wurden, waren gegen Mittag wieder gesperrt, weil erneut Bäume auf die Fahrbahnen gestürzt waren. Nach und nach räumten die Wehrleute die Straßen frei, dabei aber habe die Sicherheit der Einsatzkräfte höchste Priorität. "Es gab kurze Sturmpausen, in denen wir viel erledigen konnten. Aber wenn der Wind wieder zunimmt, müssen wir aus den Waldstücken raus", erklärt Benitz. Gegen 15 Uhr war das Meiste abgearbeitet, die Straßen wieder frei.

Sturmfrei an den Schulen

Zwei von insgesamt 39 Schülern zählte die Grundschule Feldberg am Montagmorgen. Schulleiterin Ruth Dold war vor Ort, so dass eine Betreuung gewährleistet gewesen wäre. Ihre eigenen drei Kinder – zwei davon in der Schule, eines im Kindergarten – hatte Dold mit in die Schule genommen. "Es gab allerdings auch im Kindergarten eine Notbetreuung." Langweilig war es der Schulleiterin ohne Schüler nicht: "Ich nutze das Sturmfrei für einen Bürotag."

Ein ähnliches Bild zeigte sich in der Grundschule St. Märgen. "Drei von 77 Kindern standen heute Morgen vor der Tür", berichtete Sekretärin Uschi Faller. Am Sonntagabend sei nach Rücksprache von Bürgermeister und Schulleiter die Empfehlung per Mail rausgegangen, die Kinder am Sturmtag zu Hause zu lassen. "Eine Familie hatte die Nachricht nicht gelesen, weil das Internet ausgefallen war, die andere hat keinen Mailanschluss", so Faller.

Eine Eins-zu-eins-Betreuung gab es an der Realschule Neustadt: 15 Schüler sind laut Schulleiterin Christina Bronner auf 15 Lehrer getroffen. Auch ihre Schule hat über die Homepage die Empfehlung des Landratsamts weitergegeben und es den Eltern freigestellt, ihre Kinder zu Hause zu lassen. Zehn von 630 – so sah das Verhältnis von erschienenen und zu Hause gebliebenen Schülern am Montagmorgen am Kreisgymnasium aus. Es habe sich gelohnt, schon am Sonntag auf verschiedenen Kanälen die Eltern darüber zu informieren, die Kinder nicht zur Schule zu schicken. Auch von den knapp 70 Lehren hätte es nur zwölf in die Schule geschafft. Schulleiterin Jutta Brecht und andere Kollegen waren bereits um 6.30 Uhr im Haus, um die Betreuung zu gewährleisten. Mit dem Auto auf der Bundesstraße von Freiburg kommend, habe es keine Behinderungen gegeben, sagt Brecht. "Da ist es an manch’ einem Wintertag mit Schnee schlimmer." Sturmfrei – die Schüler wird es gefreut haben, ist sich die Schulleiterin sicher. Sie nutzte die Ruhe im leeren Schulhaus für wichtige Büroarbeiten.

Wichtiger Ämter im Rathaus sind besetzt

Titisee-Neustadts Bürgermeisterin Meike Folkerts hatte es den Rathausmitarbeitern am Sonntagabend per Mail und über Facebook freigestellt, ob sie heute zur Arbeit kommen. "Keiner soll sich in Gefahr begeben", hatte sie geschrieben. Am Montagmorgen waren alle für die Bürger wichtigen Ämter besetzt, wie Lothar Willmann vom Hauptamt sagt: "Die Kernmannschaft ist da." Vor allem Kollegen aus den Bereichen Eisenbach, St. Märgen und Lenzkirch hätte aufgrund der gesperrten Straßen nicht zur Arbeit kommen können.

Ab 5 Uhr war in Breitnau der Strom ausgefallen, gegen 8.30 Uhr funktionierte das Netz wieder, wie Bürgermeister Josef Haberstroh sagt. "Allerdings nicht überall. Wir haben Außenbereiche, da wird es wohl heute nichts mehr mit Strom werden. Es hat doch einige Leitungen zusammengeschlagen", so der Rathauschef. Auch seien Zufahrten zu Privatgrundstücken teils von so massiven Bäumen versperrt gewesen, dass sich die Feuerwehr beim Freisägen Unterstützung von einem Forstunternehmen holen musste. "Ja, es sind Schäden da, aber wir sind wohl mit einem blauen Auge davongekommen. Sturm Lothar vor 20 Jahren war um einiges stärker", meint Haberstroh.