500 Kilo Steinchen

48 junge Baumeister bauten in Lörrach eine Stadt aus Lego

Lukas Müller

Von Lukas Müller

Mo, 22. Juli 2019 um 16:00 Uhr

Lörrach

Rund 100.000 Legosteine wurden bei einer Aktion der Evangelischen Kirchengemeinde Lörrach in der Alten Feuerwache verbaut. Am Ende stand das Großprojekt.

Aus gut 100.000 Legosteinen bauten Kinder auf Einladung der Evangelischen Kirchengemeinde Lörrach in der Alten Feuerwache am Wochenende eine Stadt. Verteilt auf zwei Räume und mehrere kleine Stationen, waren 48 Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren am Werk – unterstützt von 13 ehrenamtlich helfenden "Großbauleitern". Alle trugen wie richtige Bauarbeiter farbenfrohe Warnwesten.

"Bauwerk ist fertig!" "Ein weiteres Bauwerk ist fertig!" – so schallt es durch die Alte Feuerwache, die das Gemeindehaus der Matthäusgemeinde ist. Dazu ertönt eine Glocke. Dutzende Kinder stürmen aus allen Richtungen herbei, gemeinsam wird der neue Bau, in diesem Fall eine Kirche, abgenommen. Alle versammeln sich um eine L-förmige, mit Platten ausgelegte Tischreihe, auf der nach und nach eine Legostadt entsteht. Unter großem Applaus wird die Kirche auf ihren Platz gestellt. Sekunden später flitzen die Kinder zurück zu ihren Bauprojekten.

Jede Sekunde zählt

Hochhäuser, Hotels, besagte Kirche, ein Fußballstadion oder Traumhäuser – dies und mehr braucht eine Stadt. Jede Sekunde zählt. Samstagmittag, strahlender Sonnenschein und 31 Grad. Eben gab es wie auf einer echten Baustelle eine gemeinsame Stärkung hinter der Kirche. Kaum ist verkündet, dass weitergebaut wird, stürmen die Kinder an ihre Plätze zurück, die sie genau kennen. Hochkonzentriert wird gebaut, gesprochen vor allem, um die Arbeitsschritte abzustimmen. "Ich hab’ noch eine Idee, wir bauen einen Zaun", sagt ein Junge und flitzt davon. Er steuert die Boxen an, die fein sortiert den Nachschub an Steinen enthalten – etwa "Große Fenster + Türen", "Dünne Fenster", "Flugzeugteile". An Auswahl mangelt es nicht. Während sich die kreativen Köpfe nach eigenen Vorstellungen verwirklichen, können andere im Team ein Großbauprojekt, etwa ein Parkhaus, nach Anleitung hochziehen. Im Raum liegt eine aufgeregte Betriebsamkeit – was nicht heißt, dass man sich nicht um Details bemüht. "Ich brauch’ noch mehr Blumen!", hallt das Kommando durch den Raum. Schließlich soll der Kirchgarten keine grüne Rasenfläche bleiben. Stein auf Stein wächst die Stadt und wird mit Leben gefüllt. Straßen, Zuggleise, Bahnstationen, Passanten, sogar die Andeutung des Lörracher Steigenberger-Hotels finden nach und nach hier Platz.

Möglich wurde das Projekt auch dank des Forums Wiedenest, eines christlichen Bildungs- und Veranstaltungszentrums, das die Steine als Set angeschafft hat und sie verleiht. Ein Transporter holte das 500 Kilogramm schwere Set ab, am Montag muss alles wieder zurück, erzählt Miriam Tepel, Gemeindediakonin der Stadtkirche und verantwortlich für das Projekt. Beim Familiengottesdienst wird die Stadt vorgestellt.

Wieder geht die Glocke. Gemeinsam wird eine Schule auf die Platte gehievt, begleitet von Applaus. Das ist Anerkennung für die einen, Reiz und Ansporn für die, die noch bauen. Schnell sind sie wieder am Werk. Gewisse Großprojekte im richtigen Leben würden sich glücklich schätzen, wenn es so gut voranginge...