Abitur in Mathe zu schwierig?

Abitur-Protest: Am Schopfheimer Gymnasium gibt es bisher keine Beschwerden übers Mathe-Abi

Stefan Ammann

Von Stefan Ammann

Mi, 08. Mai 2019 um 16:39 Uhr

Schopfheim

Die THG-Schulleitung hält die diesjährigen Prüfungsaufgaben für anspruchsvoll, aber fair. Auch bei den ersten Korrekturen gibt es bisher keine Überraschungen

Bundesweit tobt zurzeit ein Entrüstungssturm von Schülern, die ihre Abiturprüfungen in Mathematik für zu schwer und unfair halten. Vor allem in Bayern, Niedersachsen und Hamburg fordern tausende Schüler, dass der Notenschlüssel gesenkt werden soll. Auch die Abiturienten am Schopfheimer Theodor-Heuss-Gymnasium (THG) haben vergangene Woche ihre Matheprüfungen abgelegt. Von dort gibt es jedoch bisher keine Beschwerden. Laut Schulleitung sei das diesjährige Mathe-Abi anspruchsvoll, aber fair gewesen. Die Schüler seien darauf gut vorbereitet worden, was sich auch bei den ersten Korrekturen zeige.

Beschwerden im Internet
"Wir Abiturienten bitten darum, den Notenschlüssel des Mathematik-Abiturs in Bayern 2019 zu senken und dem Schwierigkeitsgrad anzupassen", heißt es in einer Online-Petition, die schon über 68 000 Mal unterzeichnet wurde. Die bayerischen Schüler beklagen, dass sie schlecht aufs Abi vorbereitet wurden und die Aufgabenstellungen teilweise unverständlich und extrem textlastig gewesen seien. Die Prüfungen seien vorher nicht geübt und in der vorgegebenen Zeit nicht zu lösen gewesen.

Wie lief das Mathe-Abi am THG?
"Unsere Lehrer schätzen die diesjährigen Prüfungen als normales Abi mit Niveau ein", sagt Tobias Roths, Lehrer und Abteilungsleiter für Mathe und Naturwissenschaften am Schopfheimer Theodor-Heuss-Gymnasium: "Es kam genau das dran, was wir gedacht haben und wie es die Schüler vorbereitet haben." Es lasse sich allerdings seit einigen Jahren eine gewisse Änderung im Aufgabenformat beobachten. Die Mathe-Aufgaben würden zunehmend problemorientierter gestellt. Aber das sei eine allmähliche Entwicklung, die sich schon seit längerem abzeichne. "Ich glaube, das Mathe-Abi entwickelt sich da grundsätzlich in eine gute Richtung im Sinne einer umfassenden Bildung", so Roths: "Die Kollegen wurden darauf vom Regierungspräsidium sehr gut vorbereitet, insofern konnten wir die Schüler auch auf alle Aufgabenformate richtig vorbereiten." Weder während der Prüfungen noch im Nachhinein habe es von den Schülern negative Reaktionen gegeben. Dieser Eindruck wird übrigens auch von der Schuldirektion geteilt. Bei ihr hätten sich keine Schüler oder Eltern wegen des Mathe-Abis beschwert, so THG-Leiterin Claudia Tatsch. "Auch bei den Korrekturen gab es – ohne jetzt zuviel verraten zu wollen – bisher keine Überraschungen", erklärt Tobias Roths.

Sind die Aufgaben vergleichbar?
Das Abitur ist in Deutschland eigentlich ausschließlich Sache der Länder. Seit vergangenem Jahr kooperieren die Bundesländer jedoch bei den Prüfungen in einigen Fächern, auch in Mathe. Gemeinsam erstellen sie einen bundesweiten Auswahlpool an Abituraufgaben, aus dem sich die einzelnen Kultusministerien bedienen können. Am Morgen des Prüfungstags bekommen die Schulen diese Auswahl per USB-Stick geliefert. In Mathe gibt es einen Pflichtteil, der Grundlagenwissen prüft. Im sogenannten Wahlteil suchen sich die Fachlehrer individuell für ihre Kurse je eine Aufgabe aus den Bereichen Geometrie, Analysis (Kurvendiskussion) und Stochastik (Wahrscheinlichkeitslehre) heraus. Die Schüler haben – anders als zum Beispiel im Fach Deutsch – selbst keine Wahlmöglichkeit. Die Schopfheimer Abiturienten haben ihre Mathe-Prüfung also aus dem gleichen Pool bezogen wie die bayrischen oder niedersächsischen Schüler, aber nicht notwendigerweise die gleichen Aufgaben gestellt bekommen.

Entspannte Stimmung
Warum in anderen Bundesländern Aufregung ums Mathe-Abitur herrscht, mag Tobias Roths nicht einschätzen. Nur soviel dazu: "Im Internet lässt sich Entrüstung optimal aufschaukeln." Am Freitag habe bei den Schülern und Lehrern am THG vor und nach der Prüfung eine entspannte Stimmung geherrscht. Und zum Schluss hat der Mathelehrer noch ein dickes Lob für die Schopfheimer Abiturienten: "Da hat man gesehen: Wir haben Schüler, die sozial-emotional reif sind. Unsere Schüler können sich und die Umwelt richtig einschätzen und sich auf eine Prüfung fokussieren."