Alles steht derzeit still in Zbarazh

Gabriele Fässler

Von Gabriele Fässler

Mo, 04. Mai 2020

Gundelfingen

Corona-Krise betrifft auch ukrainische Partnerorganisation des Deutschen Roten Kreuzes in Gundelfingen / Masken dank Spende.

GUNDELFINGEN/ZBARAZH. "Abgesagt" ist derzeit ein häufig gebrauchtes Wort. Abgesagt ist auch die für Mai geplante Reise von Gundelfinger Rotkreuzlern zu ihrem Kooperationspartner nach Zbarazh in der Westukraine. Über ihre Dolmetscherin Nathalja Derkevych bekommen die Gundelfinger regelmäßig Informationen zur Lage vor Ort. Erstmals fand ein Pressegespräch mit der Leiterin der Auslandsarbeit beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Gundelfingen, Brigitte Breisacher, sowie den Delegationsteilnehmern Manuel und Robert Hisam per Video-Konferenz statt.

"In Zbarazh sind alle Einrichtungen geschlossen, der Nahverkehr liegt still", berichtet Brigitte Breisacher. Dies sei besonders hart, da die Menschen dort kaum eigene Autos besäßen und auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen seien. Die Krankenschwestern des Ukrainischen Roten Kreuzes (URK) in Zbarazh, die seit 2017 vom Gundelfinger Ortsverein finanziert werden – nachdem der ukrainische Staat die Mittel gestrichen hatte –, machen weiterhin Hausbesuche und verteilen Lebensmittelpakete. Bei den besuchten Menschen handelt es sich zum großen Teil um Alte, denen es in der Corona-Krise "nicht wesentlich anders geht als bisher. Die Rotkreuz-Krankenschwestern sind für sie die einzige Bezugsperson und Quarantäne ist ein Dauerzustand für sie", sagt Manuel Hisam. Und Robert Hisam fügt hinzu: "Aus Einsamkeit wird Quarantäne."

Mit der Unterstützung aus Gundelfingen können derzeit 75 Pakete an Bedürftige abgegeben werden. Im Mai wird die Zahl auf 100 aufgestockt, zunächst bis zum Jahresende. Die Finanzierung dieser monatlich zusätzlichen 25 Pakete im Wert von umgerechnet je zehn Euro stammt aus einer Einzelspende. Damit soll die Versorgung der Bedürftigen sichergestellt werden. Als positiver Effekt in der aktuellen Krise zeigt sich eine momentan bessere Vernetzung mit der Stadt Zbarazh, da Mitarbeiter der kommunalen Sozialarbeit die Rotkreuz-Schwestern bei der Verteilung von unterstützen.

Das Medicosoziale Zentrum in der 13 000-Einwohner-Stadt, in dem das URK Zbarazh seinen Sitz hat, Menschen medizinisch versorgt, Lebensmittelpakete abgibt und Räume vermietet, ist aktuell ebenfalls geschlossen. Damit fallen jetzt die Mieteinnahmen weg, die das Gehalt der dortigen URK-Leiterin sowie einer Buchhalterin mitfinanzieren. Ein anderer Teil ihres Gehaltes bildet der Verkauf von Rotkreuz-Marken, der momentan genauso wenig stattfindet. "Weil die beiden Frauen von etwas leben müssen, hat der Vorstand des Ortsvereins beschlossen, ihre Gehälter für April, Mai und Juni in Höhe des schon bisher verdienten Mindestlohns zu bezahlen", sagt Brigitte Breisacher. Ebenso werde das Gundelfinger DRK die Fixkosten der Räume im Medicosozialen Zentrum für zunächst drei Monate übernehmen.

Mit Hilfe einer weiteren Einzelspende lässt das Gundelfinger DRK 500 Gesichtsmasken aus Stoff anfertigen, um sie nach Zbarazh zu schicken und dort verteilen zu lassen. Neben den Rotkreuz-Schwestern sollen vor allem Angehörige von Risikogruppen Masken erhalten.

Dass eine der zwei Krankenschwestern nach wie vor zu ihrem Arbeitsort kommt, ist der Tatsache zu verdanken, dass der Leiterin des URK Zbarazh ein Auto aus dem Altbestand des Landesverbandes Ternopil zur Verfügung steht. Dieses Fahrzeug ersetzt die Fahrt mit dem pausierenden Linienbus. Um zur Arbeit zu kommen, ist die Rotkreuz-Krankenschwester täglich eine Stunde mit dem Bus und eine dreiviertel Stunde zu Fuß unterwegs – für eine Wegstrecke.

Wer die Auslandsarbeit des Deutschen Roten Kreuzes in Gundelfingen finanziell unterstützen möchte, kann Geld unter dem Stichwort "Zbarazh" auf folgendes Konto bei der Volksbank Freiburg überweisen: IBAN: DE39 68 0900 0000 2687 9191; weitere Informationen gibt es bei Brigitte Breisacher, Tel. 0761/ 589897 und im Internet unter http://www.drk-gundelfingen.de.