Fragen & Antworten

Alles, was Sie jetzt zur Corona-Booster-Impfung wissen müssen

Thomas Steiner, dpa, afp

Von Thomas Steiner, dpa & afp

Di, 23. November 2021 um 13:44 Uhr

Gesundheit & Ernährung

Der Andrang auf die Corona-Boosterimpfungen ist derzeit riesig. Die Empfehlungen, wer sie sich geben lassen sollte und ab wann, setzen keine klaren Grenzen. Auch die Impfangebote sind vielfältig.

Durch eine Booster-Impfung wird der Immunschutz gegen das Coronavirus noch einmal stark verbessert - das ist klar. Dennoch fragen sich viele Menschen gerade: Brauche ich den dritten Pieks wirklich, oder reicht die Abwehrkraft der bisherigen Impfungen noch aus?
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Wer sich diese Frage stellt, denkt vielleicht über einen Antikörpertest nach, um eine Entscheidung für oder gegen den Booster zu treffen. Doch Fachleute halten das nur bedingt für sinnvoll. Warum? Wir beantworten wichtige Fragen zu diesem Thema.

Was bringt eine Auffrischungsimpfung?

Sie stärkt das Immunsystem nochmals gegen das Sars-CoV-2-Virus. Daher kommt die Bezeichnung Booster, also Verstärker. Eigentlich sei schon der Begriff Auffrischung nicht ganz korrekt, schreibt der Immunologe Carsten Watzl auf Twitter. Dadurch scheine es, dass mit der Impfung etwas wieder hergestellt wird, das verloren gegangen sei. Doch mit dem Booster stelle man nicht nur den Zustand nach der zweiten Impfung wieder her: Die Immunität sei nach dem Booster besser als nach der zweiten Impfung. Das mache auch Sinn, so der Experte. Denn jedes Mal, wenn das Immunsystem mit dem Erreger oder dem Impfstoff in Kontakt komme, werde die Immunität stärker, besser und dauerhafter.

Ist es ein Problem, wenn man nach einer Erst- und Zweitimpfung mit Biontech den Booster mit Moderna bekommt oder umgekehrt?

Nein, das ist kein Problem. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt einfach den Booster mit einem mRNA-Impfstoff. Mit welchem der zwei Impfstoffe geboostert werde, sei egal, betonte Hartmut Hengel, Ärztlicher Direktor des Instituts für Virologie an der Freiburger Uniklinik, vergangene Woche im Gespräch mit der BZ. Daten aus den USA zeigen nur kleine Unterschiede bei der Booster-Wirkung. Eine Auffrischungsimpfung mit Moderna nach den ersten Impfungen mit Biontech hat sogar eine etwas bessere Wirkung als die Kombination von Biontech mit Biontech und die von Moderna mit Biontech sowie von Moderna mit Moderna. Der Booster mit Moderna soll allerdings laut jüngster Empfehlung der Stiko für Menschen unter 30 Jahre nicht mehr zum Einsatz kommen. Wer seine Grundimmunisierung mit einem der Vektorimpfstoffe von Astrazeneca oder Johnson & Johnson bekommen hat, erhält als Booster einen mRNA-Impfstoff, der dem Immunschutz dann laut bisher vorliegenden Daten einen enormen Schub bringt.

Wie lang wird der Booster wirken?

Ugur Sahin, Chef der Impfstoff-Firma Biontech, sagte in der jüngsten Ausgabe der Bild am Sonntag, er erwarte, dass der Schutz länger anhalten werde "als der Schutz nach der Doppelimpfung". Auch der Immunologe Leif Erik Sander geht davon aus, dass die Wirkung der Booster-Impfung "lange andauern wird". Das sagte der Vakzin-Forscher von der Berliner Charité am Montag auf der Pressekonferenz mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in Berlin. Er räumte allerdings ein, dass sich die Dauer der Wirkung noch nicht abschließend einschätzen lasse. "Wir wissen ja auch nicht, welche Tricks das Virus noch drauf hat", sagte er mit Blick auf mögliche Mutationen. "Aber ich denke, dass wir mit der dritten Impfung die Immunisierung erst mal abgeschlossen haben werden." Sahin rechnet damit, dass künftig wohl eine jährliche Auffrischung nötig sein wird.

Sollte man vor dem Booster einen Antikörpertest machen?

Der Hintergedanke erscheint sinnvoll: Wissen, wie hoch der durch die bisherigen Corona-Schutzimpfungen aufgebaute Immunschutz ist. Und so abschätzen können, ob die Auffrischungsimpfung notwendig oder (noch) verzichtbar ist.



Hier könnten Antikörpertests Klarheit schaffen, sagt Andreas Bobrowski, Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Laborärzte. Er stellt aber auch klar: Es mache keinen Sinn, diese Tests pauschal zu empfehlen. Wer allerdings etwa anfällig für Infekte oder allgemein immungeschwächt ist, dem gibt so ein Test womöglich eine wichtige Info dazu, wie gut die Impfungen angeschlagen haben.



Das Robert Koch-Institut (RKI) hat indes eine klare Botschaft: Es sei nicht empfohlen, vor der Auffrischungsimpfung einen Antikörpertest zu machen, um zu prüfen, ob weiterhin Schutz vor Covid-19 bestehe. Ein Grund dafür sei, dass man noch gar nicht genau wisse, ab welchem Antikörperwert man von einem ausreichenden Schutz ausgehen kann. Diese Tests sind in der Regel keine Kassenleistung, die Kosten muss man also selbst tragen. Angemessen für Antikörpertests, bei denen die Wirkung schon erfolgter Impfungen gecheckt wird, sind gut 20 Euro.

Ab wann soll man sich den Booster geben lassen?

Von der Stiko wird empfohlen, sich sechs Monate nach der Zweitimpfung den Booster geben zu lassen. Theoretisch kann man auch schon eher impfen. Für immungesunde Menschen ist laut Watzl alles zwischen vier und acht Monaten "wohl okay". Menschen mit stark geschwächten Immunsystem können sich laut Empfehlung der Stiko schon nach 28 Tagen die dritte Dosis abholen. Dies gilt auch für alle, die als erste Impfung den Johnson & Johnson-Impfstoff bekommen haben.

Ist es ein Problem, wenn zwischen Zweitimpfung und Booster mehr als sechs Monate vergangen sind?

Bei älteren Menschen ja. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) fällt bei ihnen die Immunantwort nach der Impfung insgesamt geringer aus, und sie lässt früher als bei jüngeren Menschen nach. Impfdurchbrüche treten deshalb bei älteren Menschen vermehrt auf und es kommt, vor allem bei Älteren mit Vorerkrankungen, häufiger zu schweren Krankheitsverläufen. Deshalb werden die Booster für Menschen ab 70 nach sechs Monaten vom RKI dringend empfohlen. Was die anderen Altersgruppen angeht, sagte Ugur Sahin der Bild am Sonntag, kürzlich veröffentlichte Studien zeigten, dass der Schutz vor einer schweren Erkrankung noch bis zum neunten Monat sehr hoch sei.

Wo kann ich eine Booster-Impfung bekommen?

Es gibt zwei Wege. Der eine ist eine Impfung bei der Hausärztin oder dem Hausarzt. Auch Fachärzte bieten Impfungen an. Allerdings macht – aus verschiedenen Gründen – bei weitem nicht jede Arztpraxis mit bei der Impfkampagne, im Moment ist es in Baden-Württemberg rund jede dritte bis vierte. Auch deswegen sind die Praxen, in denen geimpft wird, mit Anfragen überlastet, die Impftermine dort sind meist mehrere Wochen im Voraus ausgebucht. Ruft man in den Praxen an, landet man oft in einer Warteschleife. Es gibt aber auch Arztpraxen, die nun eigens entsprechende Impftage anbieten, zum Beispiel an Samstagvormittagen im November und Dezember.

Der zweite Weg sind die in vielen Kommunen entstehenden Impfstützpunkte. In Freiburg und Offenburg haben am Montag die Impfzentren auf den dortigen Messen wieder eröffnet. Es sind Nachfolger der im September geschlossenen Zentralen Impfzentren. In Freiburg muss man sich anmelden, dort sind derzeit alle Termine ausgebucht. In Offenburg ist keine Anmeldung erforderlich (siehe Seite 5). Das hat am Montag zu langen Warteschlangen geführt. Auch bei Impfaktionen wie im Freizeitbad Aquarado in Bad Krozingen entstehen derzeit wegen des Andrangs stets lange Schlangen.

Wann wird die Lage besser?

Vermutlich nicht so bald. Weil die meisten Zweitimpfungen im Land im Juni und Juli vorgenommen wurden, fallen die meisten Drittimpfungen im Dezember und Januar an. Das Angebot in Arztpraxen und Impfstützpunkten sowie bei Impfaktionen reicht aber nicht aus, um der jetzt schon hohen und noch steigenden Nachfrage nachzukommen.