Beschäftigung

Am Arbeitsmarkt gibt es Anzeichen für eine Stabilisierung

So hoch war die Arbeitslosigkeit in Deutschland lange nicht mehr. Der Herbst könnte zwar Entspannung bringen. Doch Fachleute sind sich sicher: Ohne Impulse wird es langfristig keine Erholung geben.  

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Es ist ein symbolischer Schwellenwert für die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in der Bundesrepublik: Erstmals seit mehr als zehn Jahren sind mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland arbeitslos gemeldet. Für einen August liegt die Arbeitslosigkeit damit sogar so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr.

"Der Arbeitsmarkt ist nach wie vor von der wirtschaftlichen Flaute der vergangenen Jahre geprägt", erläuterte BA-Chefin Andrea Nahles. Die Arbeitslosigkeit in Deutschland wachse seit Ende 2022 stetig. "Es gibt allerdings auch erste – wenn auch zarte – Anzeichen einer Stabilisierung." So sei die Kurzarbeit seit Jahresbeginn rückläufig, und im August hätten wieder mehr Unternehmen freie Stellen gemeldet.

Dass die Arbeitslosenzahlen über den Sommer hochgehen, ist üblich, weil Unternehmen vor den Ferien weniger einstellen und Ausbildungsverhältnisse enden. In den vergangenen Jahren sei der Anstieg aber kräftiger gewesen, so dass die Zahl in diesem Jahr sogar saisonbereinigt zum Vormonat um 9.000 gesunken sei, erläuterte Nahles.

Im bundesweiten Vergleich lag die Arbeitslosenquote in den Stadtstaaten Bremen (11,8 Prozent) und Berlin (10,5) weiterhin am höchsten, in den südlichen Bundesländern Bayern (4,2) und Baden-Württemberg (4,7) am niedrigsten. Die Bundesagentur griff für die Statistik auf Datenmaterial zurück, das bis zum 13. August vorlag.

Auf den Herbst blickt die Bundesagentur-Chefin Nahles zunächst optimistischer: Im September werde die Arbeitslosigkeit wieder zurückgehen, wenn viele junge Leute nach dem Ende der Ausbildung eine neue Stelle antreten, zeigte sich Nahles überzeugt. Doch ob diese langfristig unter drei Millionen bleibe, sei abhängig von der konjunkturellen Entwicklung in den nächsten Monaten. "Es kann durchaus sein, dass wir die Marke von drei Millionen im Winter dann noch mal überschreiten werden."

In Mannheim ist die Arbeitslosenquote im Südwesten am höchsten

Der Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg bleibt angespannt. Im August stieg die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat um 4,1 Prozent auf 305.352, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Stuttgart mitteilte.

Angesichts der Herausforderungen am Arbeitsmarkt sei es wichtiger denn je, jetzt in Bildung, Ausbildung und berufliche Qualifizierung zu investieren, sagte Martina Musati, Chefin der Regionaldirektion. Sie bittet deshalb die Unternehmen, den Jugendlichen, die noch einen Ausbildungsplatz suchten, eine Chance und damit auch eine Perspektive zu geben. Diese jungen Menschen sicherten als gut ausgebildete Fachkräfte von morgen die Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft.

Die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles  | Foto: Daniel Löb (dpa)
Die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles Foto: Daniel Löb (dpa) 

Der Anstieg der Anzahl der arbeitslosen Menschen um 4,1 Prozent ist für den Monat August als saisonüblich zu bewerten, wie die Regionaldirektion weiter mitteilte. In der Regel steigt die Arbeitslosigkeit von Juli zu August um 4 bis 6 Prozent. Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) sagte, über 300.000 Arbeitslose im Land seien ein klares Warnsignal für den Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg. "Es ist ein Einschnitt, der uns vor Augen führt, wie verletzlich der Südwesten trotz seiner immer noch starken Wirtschaftskraft geworden ist." Die höchste Arbeitslosenquote im Land gibt es in Mannheim mit 8,0 Prozent, die niedrigste Quote in Biberach mit 2,9 Prozent. Die südbadischen Städte sind in der Grafik aufgelistet.

Schlagworte: Andrea Nahles, Nicole Hoffmeister-Kraut, Martina Musati

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