Am Ende gab es leider keine Zugabe

Georg Voß

Von Georg Voß

Mo, 22. November 2021

Emmendingen

Per Tutti Orchester unter der Leitung von Nikolaus Reinke mit einer kleinen, aber feinen musikalischen Reise.

. Gut 50 Zuschauer sind beim knapp anderthalbstündigen Herbstkonzert des Per Tutti Orchesters am Samstagabend in der Elzhalle in Wasser. Das Konzert hätte durchaus mehr Besucher verdient gehabt. Denn es gab eine gute und interessante Mischung an klassischer Musik zu hören, von illustren Komponisten wie Brahms, Grieg, Händel oder Williams.

Das Per Tutti Orchester unter Leitung des langjährigen Dirigenten Nikolaus Reinke, der schon seit 21 Jahren das Sinfonie-Orchester leitet, wurde selbst vor 30 Jahren von einer kleinen Gruppe von Studierenden gegründet. Und wie es der Orchestername verlauten lässt, ist es offen für alle Musikerinnen und Musiker, die Spaß am Musizieren haben. Von den rund 60 Aktiven ist am Samstagabend etwa die Hälfte in wechselnden Besetzungen auf der Bühne. Nach den coronabedingt abgesagten Veranstaltungen ist dem Dirigenten und dem Orchester anzumerken, dass sie froh sind, einfach mal wieder vor Publikum spielen zu können. "Es ist toll, dass es wieder stattfinden kann", sagt der gut aufgelegte Nikolaus Reinke.

Der Auftakt des Konzerts ist keinem geringeren als Georg Friedrich Händel (1685-1759) gewidmet. Das Per Tutti Orchester spielt die ersten vier Sätze aus der Suite I in F-Dur aus der "Wassermusik" HWV 348-350. Die Ouvertüre ist spannend inszeniert mit einem ruhigen, schwappenden Beginn, wie Wellen, die ruhig und bedächtig im eingängigen Rhythmus an Land spülen und sich im Laufe des Stückes verstärken, ohne stürmisch zu werden. Dagegen beschreibt das Andante e staccato eher ein stilles, ruhiges Gewässer mit den Klängen der Oben und Klarinetten, die alles im Fluss halten. Nach dem dritten Satz, der das Spritzen von Fontänen vermuten lässt, folgt noch mal ein ruhiges Andante mit dem letzten Plätschern des Wassers.

Als musikalischer Kontrast dominieren bei den beiden Kopfsätzen I und V aus der fünfsätzigen "Serenade Nr. 3" von Johannes Brahms (1833-1860) die dunkleren musikalischen Farben, da Brahms gänzlich auf die hellen Streichereinsätze der Violinen verzichtete. Sein Allegro moderato klingt hier dennoch leicht und beschwingt und steigert sich zum Ende hin. Es folgt das abschließende "Rondo Allegro", ein sehr temperamentvoller Rundtanz.

Anstatt der im Programmhefts angekündigten "Sonata pian’ e forte" des italienischen Komponisten Giovanni Gabrieli spielt das Per Tutti Orchester die komplette "Holberg-Suite" des norwegischen Komponisten Edvard Grieg (1842-1907). Darin huldigt der wohl prominenteste Komponist Skandinaviens dem norwegisch-dänischen Schriftsteller Ludvig Holberg mit einer fünfsätzigen Suite, die der bekannteren "Peer Gynt Suite" durchaus das Wasser reichen kann. Entsprechend lebendig und frischanmutend mit folkloristischen Stilelementen erklingt die Holberg-Suite. Die fünf Sätze bilden auch eine Art musikalische Reise durch die Musikgeschichte mit der würdevollen, aber ruhig schreitenden Sarabande, der Gavotte, einem italienischen Gesellschaftstanz aus dem Barock, und dem finalen und temporeichen Rigaudon, einem französischen Tanz, der aber wie bei allen Sätzen mit folkloristischen skandinavische Elementen bestückt ist.

Als letzten und auch wundervollen Höhepunkt spielt das Per Tutti Orchester die "Sinfonie Nr. 5, D-Dur, 3. Satz" des englischen Komponisten Ralph Vaughan Williams (1872-1958). Das eher moderne Stück, das am 24. Juni 1943 uraufgeführt wurde, überzeugt mit seinem ruhigen und schönen Beginn. Doch es setzt immer wieder dramatische und sich steigernde Akzente mit Hornklängen oder zitternden Violinen, bevor es zum Ende hin langsam und wunderschön ausklingt. Und entsprechend gibt es viel Applaus für diesen gelungenen Konzertabend in der Elzhalle. Die Zuschauer bleiben gebannt sitzen und erhoffen eine Zugabe, die aber leider nicht kommt.