Freiburg-Landwasser

Am neuen Standort ist das Quartiersbüro nur schwer erreichbar

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Fr, 06. November 2020 um 00:05 Uhr

Freiburg

Das Quartiersbüro in Landwasser musste ins "Haus der Begegnung" umziehen. Doch dort ist es nur über Treppen erreichbar. Daran gibt es Kritik – auch wenn es nur um eine Übergangslösung geht.

Aus dem Einkaufszentrum, das abgerissen wird, sind alle ausgezogen – doch nebenan am "Platz der Begegnung" in Landwasser tut sich einiges: Mittwochs und samstags findet weiter der Wochenmarkt statt, im Haus der evangelischen Zachäusgemeinde macht nach der Corona-Pause das Eiscafé "Palma" weiter – und ins "Haus der Begegnung" (HdB) ist zusätzlich zu dessen anderen Angeboten vorübergehend das Quartiersbüro gezogen. Der HdB-Trägerverein kritisiert, statt Barrierefreiheit gebe es Treppen.

Was wird aus denen, die mit Rollstuhl oder Rollator unterwegs sind? Alle, die nicht die Treppen bis zum neuen Quartiersbüro schaffen, müssten nun draußen vor dem "Haus der Begegnung" beraten werden, sagt HdB-Leiter Harald Pessentheiner. Er findet die Situation "entwürdigend". Bisher seien ins Quartiersbüro besonders ältere Menschen gekommen, von denen viele in Landwasser leben. Etliche seien in ihrer Mobilität eingeschränkt. Zurzeit könne das Quartiersarbeitsteam wegen Corona zwar ohnehin nur bei konkreten Anliegen beraten, doch normalerweise galt das Quartiersbüro auch als Begegnungsort, wo Menschen ins Gespräch kommen.

Stadt sieht keine Chance für Zwischenlösung im Container

Die Stadtverwaltung habe dem Quartiersarbeit-Team angeboten, regelmäßig Sprechstunden an barriereärmeren Orten anzubieten, sagt der städtische Pressesprecher Toni Klein. Dafür käme laut Harald Pessentheiner nur das – derzeit geschlossene – Eiscafé "Palma" in Frage. Dort aber gebe es keine Rückzugsräume für persönliche Gespräche ohne Zuhörer. Einig sei man sich mit der Stadtverwaltung, dass aufsuchende Arbeit auf der Straße wichtig sei.

Doch es müsse auch dabei immer Orte geben, um zum Beispiel gemeinsam einen Rentenantrag auszufüllen. Deshalb hatte sich der HdB-Trägerverein gewünscht, übergangsweise mit einer vorläufigen Baugenehmigung in einen gemieteten Container neben dem HdB auszuweichen. Toni Klein argumentiert, dass ein längerfristig gemieteter Container eine Baugenehmigung brauche, das dauere. Auch sonst sei ein Container nicht geeignet, weil sich dort nur wenige aufhalten dürften. Klar ist aber: Die jetzige Lösung soll nicht dauerhaft sein.

Mittelfristig soll es einen Neubau geben

Derzeit wird ein Neubau an der Nordseite des HdB geplant, der in Modulbauweise errichtet und relativ schnell fertig werden soll. Der Trägerverein befürchtet laut Harald Pessentheiner, dass sich die Pläne unter anderem wegen der Bäume und einer Sickergrube auf dem Gelände nicht ohne weiteres umsetzen lassen. Die Stadtverwaltung gehe davon aus, dass es klappt, sagt Toni Klein. Zudem ist der Trägerverein besorgt, weil durch den Neubau 250 000 von den 600 000 Euro, die im städtischen Doppelhaushalt eigentlich für den längst geplanten Umbau zu einem barrierefeien HdB zur Verfügung gestellt worden seien, abgezwackt würden. Um den Umbau trotz des Neubaus zu stemmen, wurde vereinbart, Förderung durch die "Aktion Mensch" zu beantragen. Die Stadtverwaltung sei nicht bereit, genügend in Landwasser zu investieren, obwohl es im Stadtteil "an allen Ecken und Enden fehlt", kritisiert Harald Pessentheiner. Toni Klein weist das zurück: Es handele sich um "nicht unerhebliche kommunale Investitionssummen."