Spitzenkandidatur

Annalena Baerbock will die Grünen ins Kanzleramt führen

dpa/afp/bz

Von dpa, afp & BZ-Redaktion

Mo, 19. April 2021 um 11:03 Uhr

Deutschland

"Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass dieses Land einen Neuanfang braucht", sagt die frischgebackene Kanzlerkandidatin: Die Grünen ziehen mit Annalena Baerbock an der Spitze in den Bundestagswahlkampf.

Nach monatelangen Spekulationen haben die Grünen die Frage beantwortet, wer die Partei in die Bundestagswahl führen soll. Nun steht fest: Es ist die 40-jährigen Annalena Baerbock, wie zunächst Habeck am Montag bekanntgab und anschließend Baerbock bei einem gemeinsamen Auftritt des Führungsduos bestätigte. Zuvor hatten sich Baerbock und Habeck untereinander geeinigt. Die formale Entscheidung fällt dann auf dem Grünen-Parteitag vom 11. bis 13. Juni. Die Zustimmung gilt aber als sicher.

Die Grünen haben sich angesichts der seit 2018 hohen Umfragewerte erstmals für eine Kanzlerkandidatur entschieden. Derzeit sind sie mit mehr als 20 Prozent zweitstärkste Kraft hinter der CDU/CSU und vor der SPD.

"Klimaschutz ist die Aufgabe unserer Zeit, die Aufgabe meiner Generation." Annalena Baerbock
"Wir haben eine klare Idee einer Kanzlerschaft für Deutschland", sagte Baerbock am Montag und führte aus: "Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass dieses Land einen Neuanfang braucht." Sie wolle eine Politik anbieten, die vorausschaue. Und sie betonte: "Klimaschutz ist die Aufgabe unserer Zeit, die Aufgabe meiner Generation." Die Politik der neuen Bundesregierung müsse Klimaschutz für alle Bereiche zum Maßstab machen, um das Pariser Klimaabkommen zu erfüllen.

Habeck: "Wir beide wollten es"

Habeck beschrieb seine Co-Vorsitzende am Montag in Berlin als "kämpferische, fokussierte, willensstarke Frau", die genau wisse, was sie wolle. Er selbst und Baerbock hätten in den vergangenen Wochen vertraute, manchmal auch schwierige Gespräche darüber geführt, wer von beiden die Kandidatur übernehmen solle. "Wir beide wollten es, aber am Ende kann es nur eine machen", sagte Habeck. Er selbst wolle sich aber gleichfalls in den Wahlkampf werfen. Die Gemeinsamkeit habe die Grünen so erfolgreich gemacht. "In dieser Situation führt der gemeinsame Erfolg dazu, dass einer einen Schritt zurücktreten muss."

Baerbock steht gemeinsam mit Habeck seit Januar 2018 an der Spitze der Grünen. Die studierte Völkerrechtlerin ist in der Partei gut vernetzt. Sie gilt als ausgewiesene Expertin für Klimafragen. Die am 15. Dezember 1980 in Hannover geborene Baerbock war von 2009 bis 2013 Landesvorsitzende der Grünen in Brandenburg, bevor sie 2013 in den Bundestag einzog. Bei den gescheiterten Jamaika-Sondierungen Ende 2017 machte sich Baerbock nicht nur in der Klima-, sondern auch der Europapolitik einen Namen.

"In diesem Jahr ist alles möglich, in diesem Jahr ist alles drin." Annalena Baerbock
Anders als bei CDU und CSU hat es bei den Grünen keine größeren öffentliche Diskussionen über die Kandidatenkür geben, was ungewöhnlich für die einst so streitlustige Partei ist. In Umfragen lag die 40-jährige Baerbock bei den Sympathiewerten bisher hinter dem 51-jährigen Habeck, hat in den vergangenen Monaten aber aufgeholt. Habeck hat als Agrarminister und Vize-Ministerpräsident schon Regierungserfahrung in Schleswig-Holstein gesammelt. Das hat Baerbock nicht, gilt dafür als inhaltlich stärker.

Geräuschlose Kandidatenkür – ganz anders als bei der CDU

Sie ist bei der 20. Bundestagswahl seit 1949 erst die zweite Frau nach Angela Merkel, die sich für das höchste Regierungsamt bewirbt. Die SPD zieht mit Finanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz in die Wahl am 26. September, die Union muss sich noch zwischen den Vorsitzenden von CDU und CSU entscheiden, Armin Laschet und Markus Söder. Auch nach einem Treffen der beiden Protagonisten in der Nacht zum Montag ist noch kein Ende des Machtkampfs in Sicht.

Baerbock und Habeck waren am Samstag von ihren Heimatverbänden für die Bundestagswahl nominiert worden. Die Brandenburger Grünen machten Baerbock mit 106 von 109 Delegiertenstimmen auf einem Landesparteitag zu ihrer Spitzenkandidatin. Robert Habeck wurde von den Kreisverbänden Flensburg und Schleswig-Flensburg im Norden Schleswig-Holsteins mit 72 von 73 Stimmen als Direktkandidat nominiert. Auf der Landesliste tritt er auf Platz 2 an.

Spitzenduo unterstreicht grünen Machtanspruch

In seiner Rede machte Habeck den Machtanspruch der Grünen noch einmal deutlich. "Ich will die Grünen in die Regierung führen", sagte er. Deutschland sei zu lange nicht von den Grünen regiert worden. "Das war nicht gut." Ähnlich kämpferisch gab sich Baerbock: "Wir fordern die Union heraus", sagte die 40-Jährige. "In diesem Jahr ist alles möglich, in diesem Jahr ist alles drin."

Die Grünen waren nur einmal auf Bundesebene an der Macht: Zwischen 1998 und 2005 als Juniorpartner in einer rot-grünen Koalition unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder.

"Wir wollen das Land in die Zukunft führen." Michael Kellner
Grünen-Geschäftsführer Michael Kellner hat nun als Wahlziel ausgegeben, dass die Grünen das Kanzleramt erobern. "Wir wollen das Land in die Zukunft führen. Darum kämpfen wir für das historisch beste grüne Ergebnis aller Zeiten und die Führung der nächsten Bundesregierung." Ihr bisher bestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl erzielten die Grünen 2009 mit 10,7 Prozent, bei der letzten Wahl 2017 kamen sie nur auf 8,9 Prozent.

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