Anti-Gewalt-Training für junge Straftäter soll Strafen ergänzen

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Di, 30. Juni 2020

Offenburg

Kreis investiert jährlich rund 32 000 Euro / Kreisjugendamtschef: "Sanktionen allein reichen nicht aus, nachhaltige Verhaltensänderungen zu erreichen".

(BZ). Der Kreis will Anti-Gewalt-Training für straffällige Jugendliche mit jährlich rund 32 000 Euro fördern. Dem stimmte der Jugendhilfeausschuss des Kreistags in seiner jüngsten Sitzung zu. "Sanktionen alleine reichen nicht aus, nachhaltige Verhaltensänderungen zu bewirken", sagte Kreisjugendamtsleiter Heiko Faller. Nach zwei Jahren soll Bilanz gezogen werden. Die Trainings sollen Jugendstrafverfahren ergänzen und dadurch weitere Verfehlungen sowie eine frühzeitige Stigmatisierung als Straftäter vermeiden. Je schneller und unmittelbarer pädagogisch reagiert werde, desto wirkungsvoller könnten sie sein, sagte Faller. Neben den bereits bestehenden ambulanten, teilstationären und stationären Hilfen zur Erziehung, der Erziehungsberatung oder sozialer Gruppenarbeit sowie dem seit 2013 eingesetzten Täter-Opfer-Ausgleich sei das Anti-Gewalt-Training eine gute Methodik. Es sei als sozialpädagogische Interventions- und Trainingsmaßnahme konzipiert und werde bundesweit bereits seit vielen Jahren erfolgreich eingesetzt. Hier in der Region habe die Soziale Rechtspflege Ortenau verstärkt im Erwachsenenbereich und in reduzierter Form bei Jugendlichen ebenfalls gute Erfahrung gemacht. Gerade durch die Kooperation verschiedener Behörden in dem im Frühjahr in Offenburg neu geschaffenen Haus des Jugendrechts mit Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugendgerichtshilfe und Jugendgerichten seien gute Voraussetzungen für den Einsatz geschaffen worden.

Die Trainings richten sich an Jugendliche und Heranwachsende, die mehrfach durch gewalttätiges Verhalten auffällig geworden oder bereits strafrechtlich in Erscheinung getreten sind. Sie können im Vorfeld eines Strafverfahrens oder auf richterliche Weisung erfolgen. Voraussetzung sei jedoch die Bereitschaft, kontinuierlich teilzunehmen. Als Gruppentraining finden sie einmal wöchentlich für drei bis vier Stunden statt und umfassen 50 Stunden insgesamt.

Da Bußgelder in Höhe und Häufigkeit schwanken und deshalb nicht so zuverlässig sind, sollen sie künftig durch eine fixe Fördersumme als Finanzierung ersetzt werden.