Frankreich

Anti-Terror-Ermittlungen nach Explosion mit Verletzten in Lyon

Knut Krohn

Von Knut Krohn

Fr, 24. Mai 2019 um 18:40 Uhr

Ausland

Ein sonniger Freitagabend in Lyon, dann ein Knall. Bei der Explosion vermutlich einer Paketbombe werden mehrere Menschen verletzt. Die Polizei sucht nach einem Mann, der per Fahrrad geflüchtet ist.

Bei einer Explosion in Lyon sind am frühen Freitagabend mindestens 13 Menschen verletzt worden. Die Polizei geht von einem "Angriff" aus. Sie sucht nach einem Mann, der auf einem Fahrrad nach der Detonation geflohen sein soll. Auch der französische Präsident Emmanuel Macron, der am Abend ein Live-Interview mit einem bekannten Youtuber zur Europawahl führte, sprach von einer "Attacke".

Nach der Explosion in Zentrum der Stadt im Südosten Frankreichs übernahmen Anti-Terror-Spezialisten der Pariser Staatsanwaltschaft die Ermittlungen. Der Unglücksort im historischen Zentrum der Großstadt wurde geräumt und abgesperrt. Aurélie Bonnet Saint-Georges, Stellvertreterin des Bürgermeisters von Lyon, erklärte, es würden Bilder einer Überwachungskamera von der Polizei ausgewertet. Bei dem Gesuchten handle es sich um einen etwa 30 bis 35 Jahre alten Mann. Er habe einen Helm getragen, der das Gesicht verdeckte, und sei deswegen nur schwer zu identifizieren. Der Mann habe gegen 17 Uhr einen Gegenstand in der Rue Victor Hugo in der Nähe einer Bäckerei abgestellt, der rund eine halbe Stunde später explodiert sei.

Ein Sprengsatz mit Schrauben

Der Sender Franceinfo berichtete unter Berufung auf das französische Innenministerium von einem Beutel auf dem Boden an einer Straßenkreuzung, der einen Sprengsatz mit Schrauben enthalten haben soll. Nach der Detonation habe es gequalmt und die Leute seien mit weißem Staub bedeckt gewesen, erzählte ein Anwohner einem Reporter. Die Detonation sei nicht sehr stark gewesen, es seien nicht einmal Fensterscheiben zu Bruch gegangen.

"Wir sind eher erleichtert, weil es offensichtlich keine Schwerverletzten gab, aber wir wissen mit Sicherheit, dass es ein Sprengsatz war", sagte der Bezirksbürgermeister des betroffenen zweiten Arrondissements von Lyon, Denis Broliquier. Die örtliche Präfektur dementierte am Abend Gerüchte, wonach es weitere Explosionen gegeben haben soll. Ein Sicherheitsbeamter in Lyon erklärte, dass in alle Richtungen ermittelt werde und noch nicht wirklich geklärt sei, ob es sich um einen Anschlag oder eine kriminelle Tat wie etwa einem Racheakt handle.

Konzert mit Ed Sheeran findet statt

Frankreichs Innenminister Christophe Castaner machte sich noch am Abend auf in Richtung Lyon und rief die Bevölkerung zu erhöhter Vorsicht auf. Vor allem auf Veranstaltungen wie Sportwettkämpfen oder Konzerten würden die Sicherheitsvorkehrungen erhöht. So fand ein Konzert von Ed Sheeran mit mehreren Tausend Besuchern trotz der Explosion statt.

Die Explosion trifft Frankreich kurz vor der Europawahl. Premierminister Édouard Philippe sagte seine Teilnahme an einer Abschluss-Wahlkampfveranstaltung ab. Die Rechtspopulistin Marine Le Pen sprach von einem "terroristischen Anschlag". Frankreich wird seit Jahren von einer islamistischen Terrorwelle erschüttert. Erst im Dezember hatte der mutmaßliche Islamist Chérif Chekatt in der Straßburger Innenstadt das Feuer eröffnet - es starben letztlich fünf Menschen, zudem wurden zahlreiche verletzt.