Nach Gemeinderatsbeschluss

Anwohner in Ringsheim wollen Feuerwehrhaus-Neubau stoppen

Klaus Fischer

Von Klaus Fischer

Sa, 04. Juli 2020 um 13:00 Uhr

Ringsheim

Die Grasweg-Bewohner in Ringsheim wollen per Anwalt den Bau eines Feuerwehrhauses an der Sporthalle stoppen. Ein Bürgerbegehren dazu ist derweil vom Tisch.

Der Gemeinderat hat in der Frage nach dem Standort für ein neues Feuerwehrhaus ein klares Votum (9:1 Stimmen) abgegeben. Beendet ist die Debatte damit nicht. Die künftigen Nachbarn im Grasweg akzeptieren die Entscheidung nicht und prüfen, ob sie im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens diese noch kippen können. Vom Tisch scheint derweil ein Widerstand über ein Bürgerbegehren. Joachim Pfeffer hatte vor der Sitzung ein solches angekündigt, er erklärte am Freitag indes, dass er derzeit ein Bürgerbegehren nicht mehr anstrebe.

Mit markigen Worten in Richtung Bürgermeister und Gemeinderäte spart Pfeffer in seiner zweiseitigen Erklärung, die er am Freitagmorgen den Medien zuspielte, gleichwohl nicht. Das Votum in der Gemeinderatssitzung vom Dienstag sei eine "krasse Fehlentscheidung der Mandatsträger". Die Bürger seien in Infoveranstaltungen und über das Gemeindeblatt über die wahren Kosten für die Standortalternativen Kahlenberghalle, nördlicher Grasweg und Weglänge "getäuscht worden". Und: "Infrastrukturmaßnahmen wurden zugunsten des Standorts Kahlenberghalle schöngerechnet."

Interessengruppe Grasweg wehrt sich gegen Standort

Solch scharfer Worte bedient sich die Interessengruppe Grasweg, die sich auch gegen den Standort Kahlenberghalle wehrt, indes nicht. Ihre Garten- und Freisitzbereiche grenzen an die Fläche an, auf der hinter einem Erdwall das neue Feuerwehrhaus gebaut werden soll. Diesen Erdwall haben sich die Anwohner vor drei Jahrzehnten erstritten. Damals wollte die Gemeinde die Kahlenberghalle direkt westlich angrenzend an die Grasweg-Grundstücke bauen – ohne zusätzlichen Lärmschutz für die Anwohner.

Herbert Müller war damals einer der Anrainer, die für einen aktiven Lärmschutz kämpften – mit Erfolg. Die Gemeinde musste einen etwa drei Meter hohen Erdwall zwischen Grundstücke und Halle anschütten. Mehr noch, nach 22 Uhr darf der motorisierte Verkehr von der Halle nicht mehr über den Grasweg abfließen. Und: Der damals aufgestellte und immer noch rechtskräftige Bebauungsplan lässt auf der grünen Wiese südlich der Kahlenberghalle eine weitere Sportfläche, nicht aber ein weiteres Gebäude zu.

Anwohner wollen Bebauungsplan verhindern

Auf Letzteres stützt sich nun auch der rechtliche Ansatz der Anwohner im Grasweg gegen das Projekt. Die Gemeinde kann nur über einen neuen Bebauungsplan für die Fläche den Neubau des Feuerwehrhauses ermöglichen. "Wir wollen im Rahmen des Verfahrens einen solchen, neuen Bebauungsplan verhindern. Ob das Erfolg haben kann, wollen wir in den nächsten Wochen durch einen Fachanwalt prüfen lassen", erklärt Herbert Müller der BZ. Für Müller steht nach wie vor außer Frage, dass der Standort nördlicher Grasweg gleich neben dem künftigen Bauhof-Neubau der idealste für das neue Feuerwehrhaus ist. Müller: "Das Argument, dass die Anfahrt der Feuerwehrleute zum Feuerwehrhaus über den Grasweg gefährlicher sei als über die Hauptstraße, kann ich nicht gelten lassen." Weil juristischer Beistand im Bebauungsplanverfahren auch Kosten verursacht und Risiken birgt, will Müller in der kommenden Woche eine Versammlung von Grasweg-Bewohnern einberufen und das weitere Vorgehen erörtern. Eines steht für ihn indes fest: Ein Bürgerbegehren oder einen Bürgerentscheid in der Sache strebt er nicht an.

Unterdessen signalisiert Bürgermeister Pascal Weber Gesprächsbereitschaft, nicht mehr in der Standortfrage, aber in der weiteren Planung, etwa der Position des Gebäudes sowie zum Vorplatz auf dem Wiesengelände.

Entschieden wehrt sich derweil der Rathauschef gegen den Vorwurf, bei den Kosten habe die Verwaltung etwas schöngerechnet. Nach Prüfung seien die Gutachter zum Ergebnis gekommen, dass, das Feuerwehrgebäude herausgerechnet, die zusätzlichen Kosten nahezu identisch seien. Für die notwendige, ansteigende Zufahrt zur Hauptstraße am Standort Kahlenberg kämen Kosten von rund 250 000 Euro hinzu. Am Standort Weglänge werde für Grundstückskauf und Straßenbau mit 218 000 Euro kalkuliert, und am Standort nördlicher Grasweg müsse die Gemeinde für Straßenbau und Infrastruktur mit rund 230 000 Euro rechnen.