Ausgangsbeschränkungen

Appell aus dem Hochschwarzwald: Bitte bleiben Sie daheim!

Susanne Gilg, Alexander Huber

Von Susanne Gilg & Alexander Huber

Sa, 04. April 2020 um 11:42 Uhr

Südwest

Das Wochenende ist da, das schöne Wetter lockt nach draußen. Doch die Hochschwarzwälder Gemeinden bitten Zweitwohnungsbesitzer und Tagesausflügler, der Versuchung zu widerstehen.

Die Inseln vor Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen sind schon für Besucher abgeriegelt, in Mecklenburg-Vorpommern untersagt das Land Zweitwohnungsbesitzern, in ihre Wohnungen zu fahren. Im Hochschwarzwald wird die Zahl der Schlafgelegenheiten in Zweitwohnungen auf etwa 4700 geschätzt. Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, appellieren die Bürgermeister an Zweitwohnungsbesitzer und an Tagesausflügler, daheim zu bleiben – dabei geht es vor allem darum, das regionale Gesundheitssystem nicht zu überlasten.

Es geht um den Schutz der Einsatzkräfte und der Kliniken

Der Appell ist eindeutig: "Unter dem Aspekt des Gemeinwohls möchten wir Sie bitten, Bewegung an der frischen Luft in Ihrer unmittelbaren näheren Umgebung Ihres Hauptwohnsitzes durchzuführen und von Tagesausflügen in die Region Feldberg, Hochschwarzwald, abzusehen. Darüber hinaus bitten wir auch, die Zweitwohnungsbesitzer an den Orten Ihres Hauptwohnsitzes zu verbleiben", schreibt Feldbergs Bürgermeister Johannes Albrecht auf der Homepage der Gemeinde. "Es geht nicht darum, die Menschen zu ärgern, es geht vor allem um den Schutz der Einsatzkräfte, etwa Klinikpersonal, Rettungskräfte, Bergwacht, Wasserwacht oder Polizei", sagt Albrecht am Telefon.

Sorgen bereiten ihm Motorradfahrer, bei denen die Statistiken gerade zu Beginn der Saison eine erhöhte Unfallgefahr ausweisen. "Unfälle müssen so gut es geht vermieden werden, damit die Rettungskräfte und die Kapazitäten in den Kliniken nicht zusätzlich belastet werden." Es gehe darum, die weitere Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und "eine Überlastung unseres regionalen Gesundheitssystems zu verhindern".

Anders als in Mecklenburg-Vorpommern biete die Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg keine Handhabe, um die Nutzung oder die Anfahrt zu Zweitwohnungen generell zu untersagen, schreibt Matthias Fetterer, Pressereferent des Landratsamts, auf eine Anfrage der BZ. Grundsätzlich gelte, dass Fahrten zum Zweitwohnsitz beziehungsweise zwischen verschiedenen Wohnsitzen ohne triftigen Grund vermieden werden sollten, soweit die Fahrt nicht zwingend notwendig sei.

"Beim Großteil der Zweitwohnungsbesitzer sind wir mit unserem Appell auf Verständnis gestoßen." Feldbergs Bürgermeister Johannes Albrecht
Allein in Feldberg werden 431 Zweitwohnsitze gezählt, berichtet Johannes Albrecht. "Beim Großteil der Zweitwohnungsbesitzer sind wir mit unserem Appell auf Verständnis gestoßen", so der Bürgermeister. Der Appell gelte genauso aber auch für Tagesausflügler

Albrecht berichtet von 40 bis 50 Autos, die am vergangenen Wochenende am Windgfällweiher geparkt hätten, am Schluchsee waren die Parkplätze gefüllt, am Feldberg ebenso. Daher hat die Gemeinde die Parkplätze am Feldberg und die Dr.-Pilet-Spur am Seebuck absperren lassen. "Meine Botschaft ist, dass die Leute gar nicht erst losfahren sollen." Die Polizei werde verstärkt kontrollieren. Sein Hinterzartener Bürgermeisterkollege Klaus-Michael Tatsch, der rund 200 Zweitwohnungen zählt, sieht das ähnlich: "Ich gebe aus Vernunftgründen die Empfehlung, dass sich die Leute daheim erholen sollen."

"Das ist jetzt nicht die Zeit, um zu verreisen." Beatrice Palausch, Helios-Kliniken
Auch Beatrice Palausch, Geschäftsführerin der Helios-Kliniken im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, appelliert an die Menschen, an den Wochenenden und den anstehenden Ferientagen ihr gewohntes Umfeld nicht zu verlassen. "Das ist jetzt nicht die Zeit, um zu verreisen", sagt sie. Das gelte sowohl für Urlauber aus anderen Teilen Deutschlands als auch für Tagesausflügler aus der Region, die das Frühlingswetter verleiten könnte, in großer Zahl an beliebte Ausflugsziele in den Schwarzwald zu kommen. Es sei wichtig, eine Durchmischung der Bevölkerung zu vermeiden. "Wenn jetzt die Leute anfangen, von Süd nach Nord und von Nord nach Süd zu reisen, dann verlieren wir den Überblick, auch über die Zahlen", so Palausch. Zahlen, die wichtig seien, um die Behandlungskapazitäten zu planen.

Mehr Personal für Kontrollen in Titisee-Neustadt

Mit mehr Personal als bisher will die Stadt Titisee-Neustadt die Einhaltung der Landesverordnung zur Sicherheit im öffentlichen Raum kontrollieren. Zusätzlich zum Gemeindevollzugsdienst werden laut einer Mitteilung der Stadt fünf zusätzliche Angestellte eingesetzt. Sie sind mit Leuchtwesten, Schutzschildern und Dienstausweisen ausgestattet und sollen Menschen, die draußen unterwegs sind, zunächst per Ansprache und über Flyer über die geltenden Regeln und deren Sinn informieren. Bürgermeisterin Meike Folkerts betont, die Vorschriften des Landes seien keine Empfehlungen, sondern es drohe für Missachtung Bußgeld.

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