Beweislast umgekehrt

Arbeitgeber müssen Frauen gleichen Lohn zahlen, wenn sie Diskriminierung nicht widerlegen können

Kurt Höllwarth

Von Kurt Höllwarth

So, 11. April 2021 um 15:51 Uhr

Wirtschaft

Nur ein geringerer Lohn beweise nicht, dass Frauen benachteiligt würden. Mit dieser Erklärung endete der Kampf um gleichen Lohn regelmäßig vor Gericht. Das wird sich jetzt ändern.

Seit 2017 gibt es das Entgelttransparenzgesetz, das aber nur in Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigten gilt. Es soll helfen, dass Frauen und Männer für die gleiche Arbeit den gleichen Lohn bekommen. Jede und jeder hat einen individuellen Anspruch, das Vergleichsentgelt der Beschäftigten des jeweils anderen Geschlechts mit gleichwertiger Arbeit zu erfahren.
Wenn bislang (in der Regel) Frauen diese Auskunft verlangten, haben sie gewusst, dass ihre männlichen Kollegen besser verdienen.

Wenn sie aber glaubten, auch deren Lohn verlangen zu können, sind sie regelmäßig vor Gericht gescheitert: Nur dass sie weniger verdienen, beweise nicht, dass sie wegen ihres Geschlechts benachteiligt würden. Die Unterschiede könnten ja auch andere Gründe haben. Nur wenn Frauen darlegen könnten, dass ein direkter Zusammenhang zwischen Geschlecht und schlechterer Bezahlung bestehe, könne der Männerlohn verlangt werden, so die Arbeitsgerichte bislang.

Das Bundesarbeitsgericht hat jetzt die Beweislast umgedreht (Urteil vom 21. Januar 2021, Aktenzeichen: 8 AZR 488/19): Auch eine geringfügige Lohndifferenz zwischen Frauen und Männern begründe die Vermutung einer unmittelbaren Benachteiligung wegen des Geschlechts. Wenn der Arbeitgeber diese Vermutung nicht widerlegen kann, so das höchste deutsche Arbeitsgericht, dann ist er verpflichtet, auch Frauen den höheren Lohn zu zahlen.
Kurt Höllwarth ist Fachanwalt für Arbeitsrecht. Er ist für die Freiburger Kanzlei für Arbeitsrecht Gnann,
Thauer & Kollegen tätig.
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