Leute und Listen

Atai Keller von der Kulturliste Freiburg: "Davon haben alle Freiburger etwas"

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Sa, 27. April 2019 um 09:26 Uhr

Freiburg

Am 26. Mai wird ein neuer Gemeinderat gewählt. In Freiburg treten 18 Listen an. Welche Positionen vertreten sie? Heute: Atai Keller, Spitzenkandidat der Kulturliste Freiburg.

BZ: Knapp 6000 Menschen arbeiten in Freiburg in der Kultur- und Kreativwirtschaft – was tun Sie denn für die überwiegende Mehrheit?

Keller: Vom Stärken der Kultur haben alle Freiburger etwas. Zum Beispiel ist der Museumseintritt im Jubiläumsjahr bis 26 Jahre frei. Und Auseinandersetzung mit Kultur bringt jeden weiter.

BZ: Wofür steht Ihre Liste?

Keller: Wir verstehen Kultur als Summe aller Lebensäußerungen. Kultur muss Pflichtaufgabe werden, sie sichert unsere Überlebensfähigkeit und ist Garant einer demokratischen Gesellschaft.

" Es braucht mehr Erhaltungssatzungen, mehr Grundstücksvergabe an Genossenschaften sowie Gestaltungsrichtlinien für Neubauten."

BZ: Was muss sich in Freiburg dringend ändern?
Keller: Das Ausmosten von Grundstücken muss gestoppt werden. Es braucht mehr Erhaltungssatzungen, mehr Grundstücksvergabe an Genossenschaften sowie Gestaltungsrichtlinien für Neubauten.

BZ: Soll Freiburg weiter wachsen oder sollte nach dem Bau des neuen Stadtteils Dietenbach Schluss sein?
Keller: Freiburg ist eine wachsende Stadt. Jetzt planen wir erst einmal den Stadtteil mit ökologischem, sozialem und künstlerischem Sachverstand. Und dann braucht es erst klare Analysen.

BZ: Für den neuen Haushalt haben Stadtverwaltung und Gemeinderat 70 Millionen Euro neue Schulden beschlossen. Wie bekommt man die Finanzen wieder in den Griff?
Keller: Ein Schuldenhaushalt ist keine Schande, wenn die Investitionen nachhaltig sind. Wir haben das verantwortungsvoll im Griff.

BZ: Ihre Traumveranstaltung für das Stadtjubiläum?
Keller: Freiburg soll für das Jubiläumsjahr vom stinkenden Durchgangsverkehr befreit werden und die Uferstraßen der Dreisam würden zu Flaniermeilen werden.
Zur Person

Atai Keller, 66, Kulturberater. Er sitzt seit 2004 im Gemeinderat, wohnt im Stadtteil Neuburg und lebt in einer festen Beziehung. Keller ist Mitglied in vielen Vereinen wie zum Beispiel dem Freundeskreis Alter Friedhof oder dem Slow Club und fährt ein BMW-Motorrad Baujahr 1954 mit Seitenwagen.

BZ: Bitte vervollständigen Sie den folgenden Satz: Ich finde den kommunalen Vollzugsdienst ...

Keller: ... nicht sinnvoll, denn er steht für eine allgemeine Verschärfung der Überwachung in der Stadt.

"Politiker dürfen eben nicht abheben, sie müssen nah beim Bürger sein, gerade in der Kommunalpolitik, und sich viel mehr über deren Sorgen informieren."

BZ: Die Umsetzung politischer Entscheidungen scheitert immer öfter am Widerstand von Bürgern. Wie wollen Sie vermitteln?
Keller: Sich wehren ist Bürgerrecht. Politiker dürfen eben nicht abheben, sie müssen nah beim Bürger sein, gerade in der Kommunalpolitik, und sich viel mehr über deren Sorgen informieren.


BZ: Mit welchen anderen Listen könnten Sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen?
Keller: Es gibt die bewährte Zusammenarbeit innerhalb der Unabhängigen Listen. Es gibt aber auch inhaltliche Überschneidungen mit weiteren kleinen Gruppierungen. Schau’n mer mal!



BZ:
Welcher Beschluss des Freiburger Gemeinderats in den vergangenen zehn Jahren war top, welcher war der größte Flop?

Keller: Flop: Abriss des Ratsstübles und Verlegung des Stadtarchivs zur Messe. Top: Aktuell die Verzehnfachung des Ankaufsetats für Museen und die jährliche Anhebung aller Kulturzuschüsse.
Leute und Listen

Am 26. Mai wird ein neuer Gemeinderat gewählt. In Freiburg treten 18 Listen an. Welche Positionen vertreten sie? Wir haben die jeweiligen Spitzenkandidatinnen und -kandidaten um Antworten für einen Fragebogen gebeten. Alle bisher erschienenen Folgen gibt"s unter: Kommunalwahl 2019 in Freiburg: Leute und Listen.

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