"Auch sehen, was nicht so gut läuft"

Gerhard Walser

Von Gerhard Walser

Do, 13. Februar 2020

Emmendingen

Martin Münch und Ansgar Mager reisen für die Stiftung Brücke zwei Wochen nach Bangladesch.

EMMENDINGEN. Die Flug-Tickets liegen bereit, die Koffer sind gepackt. Martin Münch und Ansgar Mager starten am Sonntag zu einer zweiwöchigen Reise nach Bangladesch. Ziel der beiden Emmendinger ist die Region um Mymensingh, wo die Stiftung Brücke seit 2002 mehrere Entwicklungsprojekte in dem bettelarmen Land unterstützt.

Martin Münch arbeitet als Bankkaufmann im Bereich der Personalentwicklung. "Entwicklungsarbeit interessiert mich schon seit meiner Teeniezeit", sagt der 45-Jährige, der seit dem altersbedingten Rückzug von Stiftungsgründer Peter Haas dem Vorstand angehört. Stiftungsbeirat Ansgar Mager ist Krankenpfleger und Diplom-Pflegewirt. Der 59-Jährige war schon mehrmals in Bangladesch, um vor Ort Projekte zu inspizieren, die mit Stiftungsmitteln aus Emmendingen gefördert werden. "Da habe ich auch gesehen, was nicht so gut läuft".

Die zweiwöchige Rundreise wird die Beiden durch ein Land führen, das zu den ärmsten der Welt gehört. Die Hälfte der Bewohner lebt unter der Armutsgrenze, 35 Prozent hungern und nur 59 Prozent können lesen und schreiben. Dennoch gelten die Menschen in dem dichtestbesiedelten Flächenstaat der Welt als "die glücklichsten und freundlichsten", so Klaus Heidler, der bei der Stiftung die Öffentlichkeitsarbeit verantwortet. Vor Ort arbeitet die Brücke eng mit der schon 1997 von dem Bengalen Lehen Rahaman und dessen deutscher Frau Andrea gegründeten Organisation Mati zusammen, die inzwischen 180 Mitarbeiter an vier Projektstandorten beschäftigt.

Was mit einfacher Gesundheitsberatung begann, hat sich mittlerweile zu einem Geflecht von Arbeitsfeldern entwickelt. Mati kümmert sich um eine Reduzierung der Armut durch Aufklärung, Existenzgründung, Gesundheitsversorgung, Umweltschutz, erneuerbare Energien und um die Umsetzung der Menschenrechte. Dabei geht es um Beziehung und Partnerschaft statt um Patronisierung oder Entmündigung. "Die Projektleiter sind Freunde", sagt Martin Münch und das Vertrauen zu den Menschen vor Ort entsteht nicht über Nacht, sondern durch engen und jahrelangen Kontakt.

Den persönlichen Kontakt werden Münch und Mager auch auf ihrer strapaziösen Reise pflegen. Geplant ist unter anderem eine "Klima-Radtour", die die Beiden auch in das "Milleniumsdorf" Hargujirpar im Norden des Landes führen wird, wo Mati die Bevölkerung erfolgreich dazu motivierte, die Milleniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen mithilfe von Einkommen schaffenden Maßnahmen exemplarisch zu verwirklichen. Auch die Stiftung Brücke unterstützte das Projekt maßgeblich – teilweise auch mit Mitteln aus der Projektförderung der Weihnachtsaktion der Badischen Zeitung. Unter anderem sorgten sogenannte Mädchen-Patenschaften dafür, dass die übliche Kinderheirat deutlich zurückgegangen ist. Die jungen Frauen konnten dank einer regelmäßigen finanziellen Unterstützung von 145 Euro jährlich zur Schule gehen und eine Ausbildung absolvieren, ohne ihrer armen Familie zur Last zu fallen. Im Jahr 2015 wurde das Modellprojekt abgeschlossen. Mager und Münch sind gespannt auf den Vorher-/Nachher-Vergleich.

Auch die Gesundheitsambulanz in Mymensingh und das Ausbildungs- und Tagungszentrum in Borobillepar, das von der Stiftung Brücke maßgeblich finanziert wird, sind Stationen der Inspektionsreise der beiden Emmendinger, die teilweise von einer Abordnung von bis zu zwölf Personen begleitet wird. Ein Wiedersehen mit alten Bekannten gibt es für Ansgar Mager in Huzurikanda. An der dortigen Grundschule finanziert die Stiftung seit vielen Jahren schon ein Schulessen für Kinder aus extrem armen Familien. "Mein erstes Projekt", berichtet Mager. Heute muss dort niemand mehr hungern, wenn er die Schule besucht. Täglich gibt’s eine nährstoffreiche warme vegetarische Mahlzeit.

Weitere Infos im Internet: http://www.stiftung-bruecke.de/projekte