Wenn die Luft leuchtet

Birgit-Cathrin Duval

Von Birgit-Cathrin Duval

So, 04. August 2019

Feldberg

Der Sonntag Je dunkler die Umgebung, desto besser lassen sich Sternschnuppen beobachten.

Mit etwas Glück sind sie nach Einbruch der Dunkelheit zu sehen: Die Sternschnuppen der Perseiden, die als leuchtende Spuren sekundenschnell über den Himmel rasen. Höhepunkt des kosmischen Schauspiels ist Mitte August, bei klarem Himmel lohnt der Blick nach oben aber bereits heute Nacht.

Nach Einbruch der Dämmerung flimmern erste Himmelskörper am Firmament. Das hellste Objekt, das auffällig am südwestlichen Abendhimmel glänzt, ist allerdings kein Stern, sondern der größte Planet unseres Sonnensystems, der Jupiter. Auch gut erkennbar ist der Ringplanet Saturn im Sternbild Schütze im Süden. Sein charakteristischer Ring ist jedoch nur mit dem Teleskop zu sehen. Die Bedingungen zur Sternbeobachtung – ein wolkenloser Himmel vorausgesetzt – sind jetzt besonders gut, weil das Mondlicht noch nicht stört.

Jedes Jahr im August gelangt die Erde auf ihrer Umlaufbahn durch den Sternschnuppenstrom der Perseiden. Dabei handelt es sich um die kosmischen Hinterlassenschaften des Kometen 109P/Swift-Tuttle, der von der Erde stets um den 12. August gekreuzt wird. Wir fliegen quasi durch den Sternenstaub des ehemaligen Kometen. Dabei rasen winzige Staubteilchen in unsere Atmosphäre und verglühen als Sternschnuppen. Wobei das so nicht ganz stimmt.

Achim Schaller von den Sternfreunden Breisgau erklärt, was es mit dem Leuchten auf sich hat: "Die Sternschnuppen haben ja nur eine Größe im Millimeterbereich, beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglühen sie, aber das trägt nur einen minimalen Teil zum Leuchten bei." Durch die hohe Geschwindigkeit hätten die Teilchen eine hohe Energie, was dazu führe, dass diese beim Zusammenstoß mit der Luft ionsiert und zum Leuchten angeregt wird. "Was man sieht, ist quasi leuchtende Luft", sagt Sternenexperte Schaller. Ähnliches passiere zum Beispiel in einer Leuchtstoffröhre.

Um Sternschnuppen zu sehen, braucht es kein Teleskop oder Fernglas. Wichtig ist eine dunkle Umgebung, die frei von störenden Lichtquellen ist. Je weniger Lichtverschmutzung den Himmel aufhellt, desto schwärzer ist das Firmament und desto klarer sind die Sterne zu sehen. Am besten eignen sich abgelegene Orte im Schwarzwald mit freiem Blick nach oben.

Wer den Sternen ganz nahe sein möchte, wandert auf einen Berggipfel, doch eine dunkle Ecke im Garten tut es auch. Einfach einen Liegestuhl aufklappen und warten, bis die Schnuppen fallen. Weil die Augen eine längere Zeit brauchen, bis sie sich an die Dunkelheit gewöhnt haben, verwenden Sterngucker-Profis Taschenlampen mit Rotfilter oder kleben rote Plastikfolie über die Lampe. Bei weißem Licht müssen sich die Augen erst wieder minutenlang an die Dunkelheit gewöhnen. Wer mit lauen Sommernächten rechnet, sollte bedenken: Im August können die Temperaturen, vor allem auf über 1 000 Metern, mitunter in den einstelligen Bereich fallen. Ein warmer Pullover und eine Decke gehören auf jeden Fall mit in den Rucksack.

Sternschnuppen-Gucken hat etwas unglaublich Meditatives. Der beste Beobachtungszeitpunkt ist nach Mitternacht. Dann zieht sich das Band der Milchstraße über den Nachthimmel und bietet ein eindrucksvolles kosmisches Schauspiel. Weil immer wieder von "Sternschnuppenregen" die Rede ist, kursieren oft falsche Vorstellungen über das, was beobachtet werden kann. Theoretisch können bis zu 100 Perseiden über den Himmel flitzen, in der Realität werden es weniger sein. Leider wird in diesem Jahr ausgerechnet zum Höhepunkt des Sternschnuppenstroms das Licht des Vollmonds stören. Es lohnt also, schon jetzt nach den Perseiden zu schauen und nicht bis zum 14. August zu warten. Die Sternschnuppen heißen übrigens so, weil sie dem Sternbild des Perseus zu entspringen scheinen, das nach Sonnenuntergang im Nordosten zu sehen ist und im Laufe der Nacht über den Himmel wandert.

Wer Sternschnuppen einmal durch ein Teleskop anschauen möchte, sollte sich ein Ticket für die Sternschnuppennächte am Feldberg sichern. Am Sonntag, 11. August, und Montag, 12. August, laden Hobbyastronomen der Sternfreude Breisgau und der Schwarzwälder Sternfreude in den Feldbergturm ein. Sie geben ihr Fachwissen weiter und erklären, was in den unendlichen Weiten des Alls vor sich geht. Der Feldbergturm ist vom Haus der Natur aus in rund 30 bis 40 Gehminuten erreichbar. Die Feldbergbahn ist nicht in Betrieb. Gäste sollen daher unbedingt eine Taschenlampe mitnehmen.
Sternschnuppennächte am Feldberg am 11. und 12. August von 20 bis 23 Uhr im Feldbergturm inklusive Sektumtrunk. Karten für 17 Euro, Kinder bis einschließlich 15 Jahre 8 Euro, gibt es unter Telefon 0 76 76/9 40 91 10 und per E-Mail info@feldbergbahn.de. Weitere Informationen unter http://www.hochschwarzwald.de