Geschichte

100 Jahre Erster Weltkrieg: Die einstige Westfront

Wulf Rüskamp

Von Wulf Rüskamp

Sa, 26. Juli 2014 um 00:00 Uhr

Ausland

Tausende Friedhöfe und Millionen Gräber: An der einstigen Westfront wird der Erste Weltkrieg zu einer gesamteuropäischen Erinnerung – von der Küste Belgiens bis in die Vogesen Frankreichs.

Vor 100 Jahren marschierten deutsche Truppen durch Belgien und fielen in Frankreich ein. Bald kam der Vormarsch zum Stillstand und verwandelte sich in einen Stellungskrieg, dem mehrere Millionen Soldaten zum Opfer fielen. Die Spur dieser vor allem durch Artillerie geprägten Kämpfe zieht sich ein Jahrhundert später unübersehbar von Belgiens Küste durch Frankreichs Osten bis in die Vogesen – als Kette unzähliger Gräber. Unser Autor ist von Flandern bis zum Lingekopf gefahren und hat beobachtet, wie sich die Menschen dort ein Jahrhundert später mit dieser Geschichte auseinandersetzen. Aus dem traditionellen nationalen Gedenken, so seine Hauptbeobachtung, wird zunehmend eine europäische Erinnerung.

TYNE COT
Auch in Flandern gelten die Regeln des britischen Rasens. Kurz muss er sein, grün – und er darf nur Gras zeigen. Wiese, das sind die Deutschen, aber nicht die Commenwealth War Grave Commission. Also rollen auch an diesem Mittag Rasenmäher durch die Reihen der weißen Grabsteine von Tyne Cot, dem weltweit größten der englischen Soldatenfriedhöfe überhaupt. Rasen ist eben wichtiger als Friedhofsruhe. Denn das hier ist Erinnerung an das einstige britische Weltreich, auch wenn das Empire längst zerfallen ist.

Rik Opsommer, der Stadtarchivar vom nahen Ypern, spottet gern. Auch über die Briten: "Wenn sie damals im Ersten Weltkrieg so viel Geld für ihre Soldaten bereitgestellt hätten wie jetzt für deren Gräber – was wäre es den Tommys gutgegangen!" So aber hatte the Great War auch ihnen nur Schlamm, Angst und Qual zu bieten. In Tyne Cot reichen die Grabplatten bei weitem nicht aus für all die Toten der Jahre zwischen 1914 und 1918. 12 000 Steine erinnern an jene, von denen man zwar die Leiche gefunden hat, die vielfach aber nicht zu identifizieren waren: "Known unto God", heißt es dann auf der Grabplatte.

Auf den Mauern der Gedenkstätte, die das Kopfende des Friedhofs bilden, sind noch einmal 35 000 Namen eingraviert jener Soldaten, von denen ihre Kameraden nichts mehr gefunden haben, weil ihre Körper unter der Gewalt der Granaten zerrissen, zermalmt, verschüttet worden sind. Es sind Vermisste ohne Grab ...

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