Fukushima 5 Jahre nach der Katastrophe

Die Zeit heilt nicht alle Wunden

Angela Köhler

Von Angela Köhler

Mo, 07. März 2016

Ausland

Fünf Jahre nach Fukushima finden die Menschen in der Katastrophenregion den Weg in die Normalität nur in kleinen Schritten – und mit viel persönlicher Hilfe.

Trauriges Finale, aber kein Schlussstrich. Schweigend verbrennen Frauen und Männer in der nordostjapanischen Stadt Sendai Schulranzen, Rucksäcke, Sporttaschen und Musikinstrumente. Drei Tage lang, ein Stück nach dem anderen. Die Sachen waren nach dem verheerenden Erdbeben und dem darauf folgenden Tsunami am 11. März 2011 an die Ufer des Pazifik geschwemmt worden, von freiwilligen Helfern und Soldaten eingesammelt und von den Behörden bislang in der Hoffnung aufbewahrt, ihre Besitzer oder wenigstens die Hinterbliebenen würden sich melden und die Fundstücke abholen.

Rund 3000 solcher Überbleibsel namenloser Schulkinder hatte das Team um Hiroshi Ogasawara katalogisiert, es wurden Besichtigungen organisiert und verzweifelte Anfragen beantwortet. Seit April vergangenen Jahres aber hatten sich nur noch zwei Interessenten gemeldet. "Deshalb geben wir jetzt auf. Es ist bitter, dass wir so viele persönliche Dinge vernichten müssen", beklagt der 43-jährige Beamte.

Zeit kann diese Wunden nicht heilen. Fünf Jahre nach der Megakatastrophe mit Jahrhundertbeben, Tsunami und dem Desaster im Atomkraftwerk Fukushima ringt die Region im Nordosten Japans noch immer mit ihrem Schicksal, versucht eine Normalität und ist doch weit davon entfernt. In der Präfektur Miyagi, die zu den drei am heftigsten betroffenen Präfekturen zählt, graben 160 Polizisten an den langgetreckten Stränden weiter tapfer nach sterblichen Überresten.

Auf den Knien wühlt Tamami Kitamura im schlammigen Wasser und findet einen Knochen, der zu einer menschlichen Hand gehören könnte. "Vielleicht gibt uns das einen Hinweis", hofft die 24-jährige Wachtmeisterin. "Die Hinterbliebenen wollen doch wenigstens Gewissheit haben." Noch immer werden mehr als 2500 Menschen vermisst. Von ihnen fehlt jede Spur, obwohl Frau Kitamura und ...

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